Klare Ziele formuliert

Neu-Bürgermeister Camillo Garzen setzt bei Investitionen auf „kontrollierte Offensive“

Andreas Scholz, Schwefer Löschgruppenführer, steht hier in der sehr beengten Garderobe des Schwefer Feuerwehrhauses. Eine Renovierung ist nicht in Aussicht.
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Andreas Scholz, Schwefer Löschgruppenführer, steht hier in der sehr beengten Garderobe des Schwefer Feuerwehrhauses. Eine Renovierung ist nicht in Aussicht.

Die Ziele von Welvers neuem Bürgermeister Camillo sind klar: mit Investitionen Vermögen schaffen, Verschuldung zurückschrauben, Projekte umsetzen. So soll es gehen.

Welver – Auf rund 80 Millionen Euro wird das Vermögen der Gemeinde Welver geschätzt. Das sind die Werte aller in Gemeindeeigentum stehenden Immobilien, Grundstücke, Straßen und Wege. In den vergangenen Jahren hat das Vermögen aber abgenommen, vor allem bei den Immobilien und Wirtschaftswegen. Die Mängel an den Feuerwehrgerätehäusern, die fehlenden Modernisierungen an den Schulen, dem Rathaus, der Bördehalle und den Feuerwehrgerätehäusern machen das deutlich. Auch die Einkaufsstraße am Markt hat eine Modernisierung durch Neugestaltung dringend nötig. Das alles haben Kämmerer Sebastian Porsche und Bürgermeister Camillo Garzen in den Blick genommen, als sie den Etatentwurf 2021 erarbeitet haben und jetzt den Ratsmitgliedern bei der Sitzung in der Bördehalle vorgestellt haben. Oberste Priorität hat dabei das Abarbeiten des Investitionsstaus der vergangenen Jahre. Jetzt gelte es, die Spitzen abzuarbeiten, die Bugwelle zu brechen und Welver mit seinen 21 Ortsteilen fit zu machen für die Zukunft.

Eine „kontrollierte Offensive“ wie er es vom Fußball kennt, favorisiert daher der neue Bürgermeister. Einerseits die Verschuldung nach und nach gesund zurückschrauben und andererseits durch Investitionen Vermögen aufbauen, so lautet seine Devise. Dabei geht es zum einen um die Erledingung der Pflichtaufgaben wie das Umsetzen des Abwasser-Beseitigungs-Konzeptes (ABK) bis zum Jahr 2024 und die Modernisierung oder den Neubau der veralteten Feuerwehrgerätehäuser, wie auch um neue Aufgaben wie das Isek samt Schulen und Schwimmbad, die Einkaufs-Passage „Am Markt“ die Bördehalle, die Asylunterkünfte und das Raiffeisen-Gelände.

Solide finanzierter Haushalt elementar

Trotz der Mehrausgaben und Mindereinnahmen der Gemeinde Welver durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie (in diesem Jahr rund 800.000 Euro) und der steigenden Kreisumlage mit Jugendamtsumlage sieht der Kämmerer für die kommenden drei Jahre einen jeweils knappen positiven Abschluss vor. Das funktioniert deshalb, weil die Belastungen durch das Virus quasi ausgebucht und ab 2025 auf 25 Jahre abgeschrieben werden dürfen. Sebatian Porsche erklärte im Rat, dass er aber ohne Corona noch viel besssere Abschlüsse erzielt hätte. Außerdem hat er geplant, dass die Schulden der Gemeinde Welver im kommenden Jahr um weitere rund 600.000 Euro gesenkt werden sollen. Bürgermeister Camillo Garzen verspricht auch zukünftig solide finanzierte Haushalte. „Eine Finanzierung planlos auf Pump oder durch Steuererhöhungen sind nicht mein Anspruch. Ein erneutes abrutschen in die Haushaltssicherung werden wir unter allen Umständen vermeiden.“

Die Schulden der Gemeinde belaufen sich zum Ende des Jahres auf rund 7,4 Millionen Euro. Damit haben sie sich seit 2017, als Camillo Garzen nach Welver kam, um ca. 4 Millionen Euro reduziert. Für das kommende Jahr prognostiziert der Haushaltsentwurf noch Schulden von etwa 6,6 Millionen Euro. Dann würde die aktuelle Pro-Kopf-Verschuldung von zurzeit rund 800 Euro noch weiter absinken. „Alles in allem ist der Haushalt solide finanziert und fundiert aufgestellt“, betonen Sebastian Porsche und sein Chef. Sie haben eine längerfristige Planung für die nächsten Jahre aufgestellt und erkannt, was geleistet werden kann. Mit Verpflichtungsermächtigungen sichern sie anstehende Investitionen für die kommenden Jahre.

Wieder mehr ausbilden

Trotz der acht neuen Stellen in der Gemeindeverwaltung wird der Personalhaushalt laut Etatentwurf relativ konstant bleiben. Aufgaben, die die Verwaltung selber nicht leisten kann, sollen extern vergeben werden. Geplant ist überdies, den eigenen Nachwuchs wieder selber auszubilden, um auch dem Personalmangel entgegenzuwirken und gute Kräfte an die Verwaltung zu binden. Ab dem nächsten Ausbildungsjahr gibt es einen Azubi in der Verwaltung, zwei in den gemeindlichen Kindergärten und einen auf dem Bauhof. Mittelfristig sollen zwei Azubi in der Verwaltung eingesetzt werden. Laut Garzen allerdings nur dann, wenn eine gute Ausbildung garantiert werden kann. Hier sieht der Bürgermeister allerdings durch die familiäre Struktur der Verwaltung und das große Spektrum von Aufgaben und Tätigkeiten eine kleine Verwaltung deutlich im Vorteil, weil sie ihre Azubi leicht durch alle Abteilungen schleusen kann.

Von einer starren Vorgehensweise bei den Investitionen will der neue Bürgermeister wegkommen. „Wir müssen zuerst mal das umsetzen, was realisierbar ist“, so das Credo von Camillo Garzen. So fordert er möglichst bald die Modernisierung der verkehrsberuhigten Zone „Am Markt“, auch wenn der barrierefreie Bahnhof von der Deutschen Bahn AG erst später realisiert werden sollte. Und auch bei den Feuerwehrgerätehäusern soll das zuerst gebaut werden, was zuerst planungsreif geworden ist. Der Etatentwurf wird in den Fraktionen beraten. Bürgermeister Garzen bot allen an, in den Sitzungen bei Bedarf das Zahlenwerk des Etatentwurfs zu erläutern.

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