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Welver legt Gesamtschule ad acta

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Von: Dirk Wilms

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Die frühere Hauptschule wird nicht wieder als Schulgebäude reaktiviert.
Die frühere Hauptschule Welver wird nicht wieder als Schulgebäude reaktiviert. © Peter Dahm

Fast sieben Jahre sind ins Land gezogen, seit der letzte Jahrgang an der Hauptschule Welver verabschiedet worden ist. Seit dem Sommer 2015 bietet die Gemeinde in der Niederbörde als einzige Kommune im Kreis Soest keine weiterführende Bildungseinrichtung für die jungen Menschen aus ihrem Einzugsbereich mehr an. Und dies wird auch so bleiben.

Welver - Denn die Politik hat einhellig den Beschluss gefasst, mit der Nachbargemeinde Lippetal zu kooperieren in Sachen weiterführende Schule. Demnach soll den Eltern aus der Niederbörde ein Angebot unterbreitet werden, ihre Sprösslinge per Bus zur Lippetal-Schule chauffieren zu lassen. Im kommenden Sommer soll der Startschuss erfolgen.

Lippetals Bürgermeister Matthias Lürbke weist darauf hin, dass die letzte Hürde noch genommen werden muss, steht doch die Unterschrift vom Regierungsbezirk noch aus. Arnsberg muss die Pläne der Kommune absegnen, die Gesamtschule im Herzen von Herzfeld fünfzügig ausbauen zu können. „Das Verfahren läuft, ist aber noch nicht in trockenen Tüchern“, bremst der einstige Beigeordnete der Gemeinde Welver mögliche Euphorie.

Doch an der grundsätzlichen Einigung der beiden Nachbarkommunen gibt es nichts zu rütteln, sehen doch alle Beteiligten eine Win-Win-Situation. Welvers Bürgermeister Camillo Garzen weist darauf hin, dass seine Gemeinde langfristig nicht in der Lage sein dürfte, ein Projekt wie eine weiterführende Schule aus eigener Kraft zu stemmen. „Wir haben so viel auf der Agenda, das wir mit unseren finanziellen Mitteln abarbeiten müssen“, verweist auf die Fülle von anstehenden Aufgaben.

Anbindung durch Schüler-Spezial-Verkehr

Daher sei nun die Vereinbarung mit Lippetal geschlossen worden, und zwar auf zehn Jahre. Das bringe Planungssicherheit bis in die 30er-Jahre hinein, betont Garzen. Für Welver ist die Kooperation mit keinerlei Kosten verbunden, zumal Lippetal die größte Hürde aus dem Weg räumen will. So soll die Gemeinde Welver durch den von Lippetal organisierten Schüler-Spezial-Verkehr erschlossen werden, um die Anbindung der Welveraner Ortsteile mit Herzfeld zu gewährleisten.

Aktuell ist dies nicht gegeben, was auch ein Grund dafür ist, dass bislang die Anzahl von Schülern aus der Gemeinde Welver in der Gesamtschule in Herzfeld übersichtlich ist. Die eingeschränkten Verbindungen ließen Eltern in der Vergangenheit davon Abstand, ihren Nachwuchs in Lippetal anzumelden.

Dabei war das Interesse zuletzt durchaus vorhanden, wie auch Cornelia Plaßmann weiß. Die Fraktionsvorsitzender Grünen im Welveraner Gemeinderat hat als Rektorin der Bernhard-Honkamp-Grundschule in Welver schon erfahren, dass Eltern aus Welver ihre Kinder gern auf eine Gesamtschule schicken würden: „Das ist eine sehr beliebte Schulform, weil sie ein längeres gemeinsames Lernen ermöglicht und die Kinder nach der vierten Klasse nicht auseinandergerissen werden.“

Dabei sieht sie die Vereinbarung durchaus mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Wir mussten eine eigene weiterführende Schule erst einmal ad acta legen. Doch wir haben es nicht aus dem Kopf“, wird es das Bestreben der Grünen bleiben, auch in Welver irgendwann wieder ein Angebot für der Grundschule entwachsene Jugendliche unterbreiten zu können.

Das könnte allerdings dauern, bis die heutigen Grundschüler selber Kinder haben könnten. Denn die Planung einer weiterführenden Schule benötigt fünf bis sechs Jahre. Da Bürgermeister Garzen davon ausgeht, dass vor dem Ende der 20er-Jahre nicht über ein solches Projekt nachgedacht werden dürfte, erscheint klar, dass eine Umsetzung erst in den 30er-Jahren denkbar ist.

Tim-Fabian Römer (BG), Vorsitzender des Ausschusses für Ehrenamt, Kultur, Bildung, Sport, Soziales und Generation, betont, dass die Vereinbarung von der Welveraner Politik einstimmig getragen wird. „Es gibt viele Vorteile, auch für die Eltern, die ein ortsnahes Angebot für ihre Kinder suchen.“ Er erläutert, dass es einen großen Zulauf aus Welver zur INI-Gesamtschule in Bad Sassendorf gibt, deren Kapazitäten aber begrenzt seien. Daher sei es nur zu begrüßen, wenn jetzt eine solche Kooperation auf den Weg gebracht wird.

„Man sollte niemals nie sagen“

Udo Stehling, Fraktionsvorsitzender der SPD, will nicht für alle Tage ausschließen, dass auch in Welver irgendwann über eine eigene weiterführende Schule nachgedacht werden kann: „Man sollte niemals nie sagen!“ Doch aktuell sei es eben nicht anders möglich, für die Kinder aus Welver ein angemessenes Angebot zu schaffen. Wichtig sei dabei aber, dass die Gemeinde Welver flächendeckend durch eine Buslinie mit Herzfeld verbunden würde.

Darüber macht sich jetzt die Gemeinde Lippetal Gedanken, die unabhängig vom regulären ÖPNV agiert. „Wir haben einen Vertrag mit einem Busunternehmen, der nach unserem Bedarf ausgeweitet werden kann“, erläutert Lippetals Bürgermeister Lürbke. Für eine Anbindung der Welveraner Dörfer mit der Lippetal-Schule würde also gesorgt.

Angesichts dieser Weichenstellungen wird in Welver damit der Weg frei für eine Überplanung des alten Hauptschul-Komplexes. Hier steht zur Debatte, das schon seit 2016 als Flüchtlingsunterkunft genutzte Gebäude an der Wolter-von-Plettenberg-Straße so zu ertüchtigen, damit es langfristig für diese Zwecke genutzt werden kann. Entscheidungen dazu stehen aber noch aus, zumal es auch die Option gibt, Schlichthäuser als Unterkunft für Asylbewerber zu errichten.

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