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Die Glocke erklingt ein letztes Mal

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Von: Dirk Wilms

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Heinz Kegel aus Dorfwelver hat das Symbol des Sparclubs in seine Obhut genommen.
Heinz Kegel aus Dorfwelver hat das Symbol des Sparclubs in seine Obhut genommen. © Dirk Wilms

Es ist das Ende einer Ära. Und eine Glocke verstummt für immer.

Dorfwelver – Heinz Kegel macht nicht den Eindruck, dass er Tag für Tag miesepetrig durch die Lande läuft, wirkt vielmehr wie ein gut gelaunter Zeitgenosse. Doch der 76-Jährige bläst nun doch in diesen Tagen ein wenig Trübsal. Denn für den von ihm vor 50 Jahren mitbegründeten Sparclub „Zur Glocke“ hat das letzte Stündlein geschlagen.

Zum letzten Mal wird jene Glocke offiziell erklingen, wenn die verbliebenen Mitglieder am Samstag, 21. Mai, bei ihm im Rauksloh zusammenkommen. Dann werden die letzten Mohikaner des Sparclubs darüber sinnieren, wie sich das dörfliche Leben, zu dem eben auch der Sparclub zählte, zuletzt entwickelt hat. „Hier passiert ja nichts mehr“, sieht Heinz Kegel den aktuellen Zustand seines Dorfes kritisch. „Es haben immer weniger Leute Interesse daran!“

Hier passiert ja nichts mehr.

Heinz Kegel

Was waren das noch Zeiten, als 1972 in der Gaststätte „Zum Strohdach“ der Pärchen-Sparclub aus der Taufe gehoben wurde. Es gab ein Sparfach für zwei Mitglieder; dabei waren Renate und Willi Dördrechter, Wilma und Heinrich Kegel, Birgitt und Heinz Kegel. Mit Einverständnis der Wirtsleute Dombrowski wurde der Sparkasten aufgehängt, um die Kasse kümmerten sich Renate Dördrechter und Doris Dombrowski.

Seit 1981 trägt der Sparclub den Namen „Zur Glocke“. Die Glocke wurde vom Club-Mitglied Helmut Heine gestiftet und hing im Strohdach über dem Tisch im Versammlungsraum.

Die Glocke hat sogar das Feuer beim Strohdachbrand 1991 überlebt und wurde zum 25-jährigen Jubiläum vom Mitglied Helmut Hüwelmeyer wieder hergerichtet. Zuletzt war sie im Gasthof Witteborg in Dinker, wohin der Sparclub nach dem Strohdachbrand 1991 umgezogen war.

Der Sparclub erfand den Frauenkarneval in Dorfwelver und organisierte zusammen mit der Löschgruppe der Feuerwehr den Schnadegang in Dorfwelver. 1993 wurde der Schnadestein im Goseländchen an der östlichen Grenze zu Recklingsen eingeweiht. Diese Tradition würde Heinz Kegel gern im nächsten Frühjahr wieder aufleben lassen. „Ich hoffe, dass Jüngere nachrücken und sich bereit erklären, den Schnadegang zu organisieren.“

Die Aktivitäten beschränkten sich zuletzt vor Corona auf Knobelabende, eine Radtour, ein Grillfest sowie ein gemeinsames Weihnachtsessen. Jetzt aber ertönt die Glocke ein letztes Mal. Auf der Generalversammlung im Februar wurde die Auflösung zum 21. Mai beschlossen; dem Datum der Gründung vor einem halben Jahrhundert.

Heinz Kegel hofft, dass die übrig gebliebene Gemeinschaft weiter bestehen bleibt und ein- oder zweimal im Jahr zusammenkommt. Eine Radtour, ein Kegelabend oder auch der Schnadegang – vielleicht kann ein wenig von der 50-jährigen Tradition in die Nach-Corona-Zeit hinübergerettet werden.

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