Gerätehaus-Neubauten für Schwefe und Borgeln

Mängel überall: "Es brennt bei der Feuerwehr"

Welver– Der Rat hatbeschlossen, den Tagesordnungspunkt „Erwerb eines Grundstückes in Schwefe zum Bau eines Feuerwehrgerätehauses“ zu vertagen, den Umbau und die Modernisierung des Feuerwehrgerätehauses in Borgeln zu kippen und stattdessen neben dem alten Gerätehaus neu zu bauen.

Für beide Beschlüsse gab es dabei plausible Gründe. Zudem die Zusage des Kämmerers Camillo Garzen, dass die Finanzierung für Neubauten in den Etats gesichert wird. Die Finanzplanung für die Feuerwehrgerätehäuser werde den jetzt verursachten Zeitverzug wieder kompensieren.

 Zu Schwefe:

Das Grundstück am Soestweg, dessen Erwerb durch die Gemeinde Welver zu alten Konditionen schon beschlossen war, wollte der Besitzer im Nachhinein verkleinern, um ein Stück selber zu nutzen und gleichzeitig den Preis von 80 auf 90 Euro je Quadratmeter zu erhöhen. Zudem erkannten die Politiker, dass der Zuschnitt des Grundstücks nicht optimal war. So hätten die drei Feuerwehrautos auf dem Soestweg (L 747) teils rangieren müssen, um rückwärts in die Fahrzeughallen zu gelangen. Erweiterung wäre hier kaum möglich gewesen. Schließlich war noch die Frage ungeklärt, wohin der Tagungsraum der Feuerwehrleute gelegt werden sollte, falls es dort einmal Emissionen durch Feiern der Wehr geben sollte. Letztlich befürchtete man, dass das neue Gerätehaus an dieser Stelle dann mitsamt Grundstück 1,4 bis 1,5 Millionen Euro kosten werde. Zudem befand sich auch noch eine Teilfläche im Vogelschutzgebiet. Letztlich ist das Grundstück Bauland, kann also etwa in drei Baugrundstücke für Einfamilienhäuser aufgeteilt werden. Ortsvorsteher Ulrich Irmer hatte zudem in Erfahrung gebracht, dass ein anderes Grundstück, das eigentlich wegen seiner Lage und seines Zuschnitts als ideal für den Bau des Gerätehauses angesehen wird, zu diesem Zweck in Erbpacht zu einem günstigeren Kurs als das Grundstück am Soestweg beschafft werden könne. Zudem wäre das Gerätehaus dort in Zukunft noch vergrößerbar. Daher entschied sich die Ratsmehrheit aus SPD, FDP, Grünen und Fraktion Welver 21, das aus ihrer Sicht weniger gut geeignete Grundstück am Soestweg jetzt nicht als Ankauf zu beschließen und abzuwarten, wie sich die Verhandlungen mit dem Eigentümer des anderen Grundstücks entwickeln. 

Zu Borgeln 

Bei der Beratung zum Ausbau des Feuerwehrgerätehauses in Borgeln (4 Fahrzeughallen) räumte selbst der Architekt ein, dass die Kosten für Anbau und Modernisierung (geschätzt ohne Wärmeisolierung des Altbaus auf auf etwa 900000 Euro) so hoch werden, dass es sinnvoll erscheint, neben dem bestehenden ein neues Gerätehaus zu bauen, zumal dort dann auch die Jugendfeuerwehr problemlos untergebracht werden kann. Feuerwehr-Chef Dirk Steinweg zeigte sich in der Sitzung enttäuscht, räumte ein, dass er als Privatmann auch einen Neubau beschlossen hätte. Führungskräfte der Feuerwehr sehen die Entscheidungen allerdings kritisch: „Wir sind enttäuscht, dass das Grundstück in Schwefe nicht gekauft wurde. Durch die neue Suche nach einem geeigneten Standort wird alles nur weiter verzögert“ sind sich die Führungskräfte der Wehr sicher. Eine weitere Befürchtung seitens der Wehrführung ist, dass durch die anstehenden Wahlen lange Verzögerungen eintreten werden. Bereits beim Bau des neuen Standorts in Dinker sei durch die Umkehr der politischen Mehrheitsverhältnisse jahrelange Verschleppungen eingetreten. Außerdem müssten die finanziellen Mittel für den Kauf eines anderen Grundstücks im kommenden Jahr erst wieder in den Haushalt eingestellt werden. 

Zum Bedarfsplan 

Seit Jahren reklamiert die Wehrführung, dass der Rat und die Verwaltung den alten Brandschutzbedarfsplan, gültig von 2009 bis 2014, nur teilweise umgesetzt und erst 2019 fortgeschrieben habe. Mit Einführung des neuen Brandschutz-, Hilfeleistungs- und Katastrophenschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen im Dezember 2015 werde vorgeschrieben, einen Bandschutzbedarfsplan zu erstellen und spätestens alle fünf Jahre fortzuschreiben. Der Rat und die Verwaltung hätten bis zur Erstellung eines neuen Brandschutzbedarfsplanes drei Jahre benötigt, der dann im Jahr 2019 durch den Rat beschlossen wurde. „Die finale Ausführung hat die Wehrführung erst am Tage der Beschlussfassung erhalten, so viel zur Beteiligung der Wehrführung“, zeigt Gemeindewehrführer Dirk Steinweg sich über die kurze Zeitspanne zur Beratung durch die Wehr verärgert. Bereits 2009 sei durch den Kreis Soest als untere Aufsichtsbehörde und die Unfallkasse der Feuerwehr festgestellt worden, dass der Brandschutz in Dinker und Schwefe nicht sichergestellt ist und hat die Gemeinde zur Beseitigung der gravierenden Mängel an und in den Feuerwehrhäusern aufgefordert. Durch die Nichtumsetzung der Mängelbeseitigung kam es zu mehreren Überprüfungen durch die Unfallkasse und der Aufforderung, die massiven Mängel in allen Feuerwehrhäusern abzustellen. 

Das sagt die Wehr 

„Seit 25 Jahren herrscht ein riesiger Investitionsstau, es wurde- außer dem Neubau in Dinker- nichts in die Gerätehäuser und viel zu wenig in neue Fahrzeuge investiert. Wir wollen nur den gesetzlichen Mindestschutz für unsere Feuerwehrleute. Wir wollen, dass sie sicher zum Einsatz kommen, und sicher wieder nach Hause“, erklärt Dirk Steinweg. Dazu komme, dass das Alter der Einsatzfahrzeuge im Durchschnitt über 25 Jahre beträgt. „Wir haben Fahrzeuge, die teilweise schon ein H-Kennzeichen führen dürfen. Vier Fahrzeuge, die im ersten Abmarsch zum Einsatz ausrücken, sind über 30 Jahre alt. Sie sind nicht auf dem aktuellen Stand der Technik, es gibt keine Gurte zum Anschnallen, kein ABS, keinen Airbag und keine Servolenkung“, reklamieren sie den Zustand der Einsatzfahrzeuge. Es gebe viele Missstände im Bereich der Feuerwehrhäuser in Welver, fehlende schwarz-weiß Bereiche für die Trennung von kontaminierter Einsatzkleidung und der Privatkleidung der Einsatzkräfte. Übergangslösungen mit Containern in Klotingen und Flerke und ein geplanter Um- und Anbau in Borgeln, der ursprünglich mit rund 320 000 Euro im Haushalt veranschlagt wurde und der plötzlich zu einem Neubau mit Kosten in Höhe von schätzungsweise 1,4 Millionen umgewandelt wird.

Neubau hätten wir schon gerne

 „Klar würden wir gern einen Neubau haben, aber da ohnehin kein Geld da ist wären wir auch gern mit der kleinen Lösung zufrieden“, stellen die Zugführer klar. Bei einem Umbau oder Neubau in Borgeln oder später auch in Welver wäre es den Führungskräften wichtig, dass die Jugendfeuerwehr mit in das Feuerwehrhaus einzieht. „Diese Nachwuchskräfte wollen sich mit der Feuerwehr identifizieren und nicht in einer abgelegenen Unterkunft untergebracht werden.“

Kommentar

Die Feuerwehr sollte kein Wahlkampf-Thema sein, das gilt als ungeschriebenes Gesetz. Jetzt ist es aber doch passiert, und es bedarf der Erklärung. Das eigentliche Problem, das macht die politisch relativ neutrale Stellungnahme der Wehrführung deutlich, liegt in den Versäumnissen der Vergangenheit. Die Feuerwehr wurde über 25 Jahre kaputtgespart. Notwendige Modernisierung nicht umgesetzt. Das zieht sich über Amtszeiten von Wolfgang Daube, Hans-Peter Luck, Wolfgang Hörster und Ingo Teimann im Bürgermeisteramt. Daher sollten die Verantwortlichen, die die meiste Zeit in Welver die Mehrheit hatten, das Thema Feuerwehr nicht allzu forsch zur Kritik an jetzt gefassten Ratsbeschlüssen nutzen. Der Blick muss sich nach vorne richten. Wenn sich nach der Kommunalwahl vom 13. September der neue Rat konstituiert, dann muss die Verbesserung der Situation bei der Feuerwehr Priorität haben. Und es muss so schnell wie möglich gehandelt werden. Das gilt für Gerätehäuser, Fahrzeuge und Gerätschaften. Vor allem aber muss über die Zukunft der Standorte nachgedacht werden. Die Bevölkerungsentwicklung und die zahlenmäßige Besetzung der Löschgruppen lässt neue Konstellationen notwendig erscheinen. Das fertig gestellte Gerätehaus in Dinker, in dem Feuerwehrleute aus Dorfwelver, Nateln und Dinker inzwischen zufrieden zusammenarbeiten, sollte da ein gutes Beispiel sein für die anzustrebende Neustrukturierung der Feuerwehr.

Quelle: Soester Anzeiger

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare