Camillo Garzen: Deshalb will er doch Bürgermeister werden

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Unser Bild mit Händedruck entstand 2017 bei der Amtseinführung von Camillo Garzen. Links: Uwe Schumacher, rechts der Allgemeine Vertreter im Rathaus, Beigeordneter und Kämmerer und auch Herausforderer.

Welver – In dieser Form wollte der Beigeordnete und Kämmerer Camillo Garzen seine Kandidatur um das Bürgermeister-Amt in der Gemeinde Welver nicht öffentlich machen.

In der Ratssitzung konfrontierte ihn Tim-Fabian Römer mit einer Berichterstattung von „RP online“, in dem über seine Bewerbung um das Amt des Beigeordneten der Stadt Radevormwald berichtet wurde. Garzen war dort dort an seinem Rivalen Christian Klicki (CDU) gescheitert. Römer kritisierte die Bewerbung Garzens als „illoyal“ gegenüber der Gemeinde Welver. In einer Sitzungspause des Rates erklärte sich Garzen gegenüber den Fraktionen von SPD, Grünen und FDP. Danach wurde seine Nominierung als Bürgermeister-Kandidat 2020 von diesen Fraktionen bestätigt.

 Garzen: „Ich bleibe in Welver“ 

Garzen erklärte dem Rat: „Ja, ich habe mich an anderen Stellen beworben. Es war nicht immer einfach für mich in Welver. Aber ich werde trotzdem antreten mit Unterstützung von SPD, FDP und Grünen. Ich will Bürgermeister werden. Ich wohne in Welver und ich bleibe in Welver.“ In einer weiteren Stellungnahme bekennt sich Garzen zu seiner Arbeit: „Auch wenn die Gemeinde Welver zurzeit noch eine Gemeinde in der Haushaltssicherung ist, war für mich schon kurz nach meiner Wahl zum Beigeordneten klar, dass die Gemeinde über gute finanzielle Rahmenbedingungen verfügt.

"Hier kann etwas Schönes entstehen"

Dies in Kombination mit den zahlreichen Entwicklungsmöglichkeiten betrachtet, die die Gemeinde nach meiner Auffassung besitzt, kann hier etwas Schönes entstehen. Das würde ich gerne als Bürgermeister gemeinsam mit Rat und Verwaltung sinnvoll und mit Weitsicht umsetzen. Ich bin froh, dass nun endlich Klarheit herrscht.“ Im Rathaus hatte die Rivalität zwischen Garzen und Bürgermeister Uwe Schumacher die Zusammenarbeit seit Bekanntgabe seiner Kandidatur sicher nicht gefördert. 

Welver 21 noch unentschieden

Zuerst hatte sich auch die Fraktion Welver 21 hinter Garzen gestellt. Diese Unterstützung wird aufgrund der Konflikte zwischen Welver 21 und den anderen drei Fraktionen nicht weiter gewährt. CDU und BG haben sich zu einem Bürgermeister-Kandidaten noch nicht geäußert. Der Anzeiger bat die Fraktionen um Stellungnahmen. 

BG: "Welver ist kein Notnagel"

Tim-Fabian Römer (BG):  „Welver darf kein Notnagel sein. Die Bekanntgabe der Bürgermeister-Kandidatur im Jahr 2017 hat die Zusammenarbeit zwischen dem Bürgermeister Schumacher und Herrn Garzen geschadet. Als rechte Hand kommend, war seit diesem Tag keine Zusammenarbeit mehr Hand in Hand möglich. Das Verwaltungshandeln war von Konkurrenzdenken geprägt. Drei Jahre lang wurde eine intakte Zusammenarbeit der Verwaltung verhindert. Wieder und wieder hat Herr Garzen sich woanders auf Stellen beworben. Wir als Gemeinde Welver haben einen Bürgermeister verdient, der fachliches Know-How hat, der die Herausforderungen unserer ländlichen Strukturen mit seinen Schwerpunkten des „Alt Werdens“ auf dem Land und seinen ausgeprägten ehrenamtlichen Vernetzungen kennt und sich für diese einsetzt. In keiner Art und Weise haben wir einen Bürgermeister verdient, der bei den kleinsten Herausforderungen die Segel streichen will. Wir brauchen einen Bürgermeister mit Rückgrat. Jemanden mit Verwaltungsexpertise und eine Fachkraft, die sich mit Verwaltung und Finanzen auskennt. Die BG-Fraktion erachtet ihn als Kandidaten als nicht tragbar.“ 

FDP: "Personalflucht herrscht"

Monika Korn (FDP):  Es ist eine Frage des Stils, in einer öffentlichen Sitzung den Beigeordneten so vorzuführen. Die Stimmung bei den Verwaltungsmitarbeitern im Rathaus ist geprägt durch Frust und Kritik am amtierenden Bürgermeister. Da ist es absolut verständlich, wenn ein Mitarbeiter die Gelegenheit und die Chance ergreift, sich anderweitig zu bewerben. Es herrscht ja Personalflucht. Bislang haben 14 Mitarbeiter die Gemeinde Welver unter Schumacher verlassen. Irgendwann ist die Grenze des Erträglichen erreicht. Diese Freiheit spreche ich keinem Mitarbeiter der Verwaltung ab. Und so ist es geschehen. Herr Garzen hat sich anderweitig beworben, weil die Stimmung in der Verwaltung sehr schwierig wurde. Darüber war die FDP Fraktion informiert und hat diese Entscheidung akzeptiert. Auf die Ankündigung von Herrn Römer haben wir reagiert und Herrn Garzen gefragt, ob er als Bürgermeisterkandidat zur Verfügung steht. Dieses hat er in der Ratssitzung bekräftigt. Die FDP steht zu Herrn Garzen. Wir unterstützen seine Bürgermeister-Kandidatur. Mit Herrn Garzen haben wir einen Beigeordneten und Kämmerer In Welver, der zu Beginn seiner Amtszeit mit seinem Fachwissen in Gemeindefinanzen und seiner Kompetenz und Erfahrung für Ruhe und Klarheit bei der Haushaltsgestaltung und im Flüchtlingsbereich sorgte. Die Gemeinde Welver verdient eine kompetente und zukunftsorientierte Führungsspitze, die Verantwortung übernimmt und die Mitarbeiter motiviert. Camillo Garzen ist und bleibt Bürgermeisterkandidat der FDP.“ 

SPD: "Jetzt herrscht Klarheit"

Klaus-Theo Rohe (SPD):  „Jetzt herrscht Klarheit. Die Entscheidung ist getroffen. Herr Garzen, gewählter Beigeordneter und Kämmerer, tritt in Welver an. Mit seiner Qualifikation und Erfahrung wird er Bürgermeister in der Gemeinde Welver. Er hat die uneingeschränkte Unterstützung der Sozialdemokraten. Wir danken ihm für die Bereitschaft, sich in Welver weiter zu engagieren. Wir haben angesichts unserer eigenen leidvollen Erfahrungen volles Verständnis dafür, dass er sich angesichts der Verhaltensweisen von Herrn Schumacher andernorts beworben hat. Es ist kein Zufall, dass Herr Garzen beinahe der fünfzehnte Mitarbeiter der Verwaltung geworden wäre, der in der Amtszeit von Herrn Schumacher die Verwaltung verlässt.“ 

CDU: "Dürftiger Etatentwurf"

Michael Schulte (CDU):  "Die CDU Fraktion ist sehr verwundert über das Verständnis von Loyalität des Beigeordneten Herrn Garzen als Mitarbeiter der Gemeinde Welver. Vielleicht war sein Tun und Handeln in den vergangenen Wochen schon mit halben Gedanken bei einer möglichen neuen Herausforderung in Radevormwald, was eine Erklärung für den dürftigen Haushaltsentwurf geben würde. Der Unmut darüber wurde in der aktuellen Sitzungen von allen Ratsfraktionen klar und deutlich zum Ausdruck gebracht. Ein halbherziger Einsatz des Beigeordneten ist bezogen auf die Fülle der Aufgaben der Verwaltung für uns inakzeptabel.“

"Erstaunlicher Wandel"

Kay Philipper von Fraktion Welver 21 findet es erstaunlich, dass SPD, FDP und Grüne erst den Kämmerer wegen des intransparenten Haushaltsentwurfs zerlegen, dann aber zum Bürgermeister-Kandidaten machen. Jetzt werde sich seine Fraktion nicht wieder vor den Karren spannen lassen und abwarten, wie sich die Dinge weiter entwickeln. 

Ortsverein berät 

Cornelia Plassmann (Grüne): „Wir werden heute noch keine Stellungnahme abgeben. Die muss erst noch im Ortsverein beraten werden und wird nachgereicht.

Quelle: Soester Anzeiger

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