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Wasserqualität wird am Salzbach fortan engmaschiger überprüft

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Von: Dirk Wilms

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Werner Schmitz (links) und Mohammad Mahammad, Experten von der Landwirtschaftskammer, erläuterten den Landwirten die Vorgehensweise der Schadstoffermittlung am Salzbach.
Werner Schmitz (links) und Mohammad Mahammad, Experten von der Landwirtschaftskammer, erläuterten den Landwirten die Vorgehensweise der Schadstoffermittlung am Salzbach. © Wilms, Dirk

Sie wissen sehr wohl, dass sie einen Beitrag leisten müssen und auch wollen, um den Eintrag von Schadstoffen in die Gewässer in ihrem Umfeld zu minimieren. Doch verwahren sich die Landwirte und die ihnen zur Seite stehenden Experten davor, dass allein ihrem Berufsstand der Schwarze Peter zugeschoben wird, wenn es um so kritische Stoffe wie Phosphor und Stickstoff geht.

Recklingsen – So lautete der Tenor bei der Winterversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbands in Welver auf Osthofs Deele in Recklingsen. Werner Schmitz, Koordinator für Pflanzenschutz und Oberflächengewässer bei der Landwirtschaftskammer in Köln-Auweiler, erläuterte den zahlreich erschienenen Bauern aus der Niederbörde, wo der Schuh aus der Sicht der LWK drückt. „Mir schlottern die Knie, wenn die Dünge-Verordnung der EU so ausfällt wie die Pflanzenschutz-Verordnung“, fürchtet der Experte die Vorgaben von Brüssel.

Wasserqualität des Salzbachs: „Verheerende Auswirkungen“

Denn: „Der Phosphorgehalt in den Oberflächengewässern kann nicht nur mit weniger Düngung gesenkt werden. Vielmehr ist die Wassermenge ein wesentlicher Faktor“, so Schmitz. Bei extremer Dürre, wie sie in vier der fünf vergangenen Jahre festzustellen war, steige der Nährstoffgehalt zwangsläufig. „Da würden auch noch breitere Randstreifen nicht helfen. Damit kämen wir nicht weiter in Sachen Wasserqualität.“ Schmitz verlangte vielmehr, dass die Augen verstärkt auf andere Einleiter von Schad- und Nährstoffen gerichtet werden. So würden hinter Kläranlagen und Kleinkläranlagen stets höhere Werte gemessen als davor. „Kläranlagen haben gerade in trockenen Zeiten verheerende Auswirkungen. Denn vor allem Kleinkläranlagen können Phosphor und Nitrat nicht abbauen.“ Schmitz und sein Kollege Mohammad Mahammad von der LWK-Außenstelle in Unna stellten anhand des Salzbachs vor, wie sich die Wasserqualität entwickelt hat. Dabei verwiesen sie darauf, dass der Salzbach von der unteren Wasserbehörde, dem Kreis Soest, als Schwerpunktgewässer ausgewiesen worden ist. Denn hier bestehe Handlungsbedarf, nachdem dort entsprechende Stoffe an den vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) betriebenen Messstellen nachgewiesen worden sind.

Wasserqualität des Salzbachs: Engmaschige Messstellen

Die Landwirtschaftskammer hat nun engmaschig zwölf Messstellen im Bereich von Werl und Welver eingerichtet, an denen fortan monatlich Proben aus dem 13 188 Meter langen Bach entnommen werden, der im Kurpark in Werl entspringt und bei Dorfwelver in die Ahse mündet. „Wir nehmen alles auf, können so einen guten Überblick gewinnen“, so Schmitz.

Am Salzbach, der einst stark belastet war durch Industrieabwässer und die Salzgewinnung in Werl, wurde ihm zufolge eine erste Beprobung durchgeführt. Dabei wurde ein höherer Nährstoffgehalt im Unterlauf festgestellt. „Das ist aber noch nicht aussagekräftig“, gilt es Schmitz zufolge abzuwarten, wie die nächsten Proben ausfallen. Mit diesen Ergebnissen wird er im Februar und März in ein Treffen mit den heimischen Landwirten und weiteren Beteiligten gehen.

Der Experte aus Köln fordert: „Es darf nicht verallgemeinert werden und pauschal der Landwirtschaft die Schuld in die Schuhe geschoben werden. Man muss den Blick versachlichen.“ Dem stimmte auch Josef Lehmenkühler aus Ehringhausen zu. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes betonte, dass die Landwirte selbstverständlich ihren Beitrag zum Gewässerschutz leisten würden. Dazu aber bedürfe es einer sehr engmaschigen Untersuchung.

Von entscheidender Bedeutung sei, dass die Messstellen so platziert werden, dass die Verursacher der Einleitungen von Schad- und Nährstoffen tatsächlich ausfindig gemacht werden können. „Wer Schindluder treibt, der muss reduzieren“, nimmt er auch seinen Berufsstand in die Pflicht.

Wasserqualität des Salzbachs: Ausnahmen beim Pflanzenschutz

Lehmenkühler nahm auch Stellung zu der Pflanzenschutz-Verordnung, von der die Landwirte gerade in Welver besonders betroffen wären. Denn große Teile des Gemeindegebiets gehören zu Schutzgebieten, in denen künftig womöglich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stark eingeschränkt, wenn nicht gar unmöglich gemacht würde.

So zählen die landwirtschaftlichen Flächen zwischen Scheidingen, Flerke, Klotingen, Einecke, Eineckerholsen, Merklingsen, Schwefe, Borgeln, Berwicke, Stocklarn und Blumroth zum Vogelschutzgebiet Hellweg-Börde. Die Läufe der Lippe bei Vellinghausen, der Ahse bei Stocklarn, Nateln, Dinker und Dorfwelver, des Soestbachs bei Berwicke, des Salzbachs bei Scheidingen und Illingen und des Bewerbachs bei Illingen sowie die Wälder am Hachenbruch und zwischen Kirchwelver und Recklingsen sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen; zudem gibt es die FFH-Gebiete wie in den Welveraner Wäldern.

„Wir müssen auf allen politischen Ebenen Druck machen“, kündigte Lehmenkühler Gespräche seitens des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes sogar in Brüssel mit der grünen EU-Abgeordneten Sarah Wiener aus Österreich an. Ihr soll vor Augen geführt werden, dass der Verzicht auf Pflanzenschutz und damit einhergehend verstärkter Einsatz von Striegeln große Probleme im Vogelschutz mit sich bringen würde. „Das würde einigen Bodenbrütern den Garaus machen“, fürchtet er.

Lehmenkühler setzt auf Augenmaß. „Es gibt längst Techniken, damit dort gezielt gespritzt wird, wo das Unkraut steht“, verweist er auf Fortschritte. Auch die ABU in Lohne sei gegen ein Totalverbot. „Wir hoffen, dass Brüssel Ausnahmen in Vogelschutzgebieten zulässt“, so der Vorsitzende der Landwirte im Kreis Soest.

Sanierung der Wirtschaftswege Dauerthema

Das Thema Wirtschaftswege treibt die Landwirte in der Gemeinde Welver seit Jahren um. Dazu nahm Bürgermeister Camillo Garzen in der Versammlung des Ortsverbandes in Recklingsen Stellung. Da mit Fördergeldern vom Land erst einmal nicht gerechnet werden kann, werde die Gemeinde versuchen, aus Eigenmitteln notwendige Sanierungsmaßnahmen zu finanzieren. „Wenn wir auf Förderung warten, kann es noch lange dauern“, so der Bürgermeister.

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