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Gemeinde Welver plant Vorfahrt für Fahrradfahrer

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Von: Dirk Wilms

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Das Radwegekonzept soll das Fahrradfahren in Welver sicherer machen. Hier am Pferdekamp ist‘s eng für Zweiräder.
Das Radwegekonzept soll das Fahrradfahren in Welver sicherer machen. Hier am Pferdekamp ist‘s eng für Zweiräder. © Dirk Wilms

Die Erstellung eines Radwegekonzepts für die Gemeinde fordert den Kommunalpolitikern noch viel Arbeit ab.

Welver – Es sollte eigentlich eine kompakt gehaltene Präsentation werden. Doch die Vorstellung der Ergebnisse des Arbeitskreises für das Radwegekonzept in der Gemeinde Welver wurde im Ausschuss für Gemeindeentwicklung, Planung, Natur und Klimaschutz von einer breiten Debatte begleitet. In vielen Wortbeiträgen kristallisierte sich heraus, dass noch jede Menge Diskussionsbedarf besteht auf dem Weg zu einem ausgeklügelten Plan, wie denn einst der Verkehr für zwei Räder in der Niederbörde gestaltet sein soll. Daher gehen die Ergebnisse jetzt erst einmal in die Fraktionen, um im August in der ersten Sitzung des GPNK nach der Sommerpause wieder zum Thema zu werden.

Eduard Schwarz von der Ge-Komm aus Melle, die im vergangenen Jahr die Bürgerbefragung durchgeführt und ein Buch zur Lage in Welver herausgebracht hatte, führte der Politik vor Augen, dass aus den zahlreichen Eingaben und Erkenntnissen im Arbeitskreis Radvorrangrouten in der Gemeinde aufgezeigt worden sind. Vier Treffen hatten laut Detlev Westphal von der Gemeinde unter Teilnahme auch der Ortsvorsteher stattgefunden, wobei auch eine Bewertungsmatrix erarbeitet wurde, mit deren Hilfe nun eine Priorisierung erfolgen soll.

So ist eine Karte entstanden, in der das Gemeindegebiet wie von einem Spinnennetz überzogen ist. 300 Kilometer Wegstrecken sind nach der Matrix beurteilt worden. „Da mussten wir viele Faktoren unter einen Hut bekommen“, so Schwarz. Beispielhaft führte er die besonders häufig genannte Verbindung vom Norden der Gemeinde in den Zentralort auf.

Hier wurde die Vorstellung kreiert, von Eilmsen aus westlich der Lippestraße nahe der Grenze zu Hamm nach Dinker zu gelangen. Von hier würde der Weg über Ahse und Lake führen, wobei das bekannte Problem nicht von der Hand zu weisen seien, dass die beiden schmalen Brücken für den Radverkehr nicht geeignet seien.

Um südlich der Lake die engen Wege rund um das ehemalige Haus Matena nicht über Gebühr zu strapazieren, wird eine Einbahnregelung vorgeschlagen, die von der Lake aus einmal westlich und einmal östlich um das alte Gutsgelände herumführt. Weiter nach Welver würde der Weg über das Kettlerholz durch den Wald führen.

Im Zentralort könnte der Weg entlang der L747 und durch den Hagen in den Ortskern führen. Die Problematik der Sicherheit für die Radfahrer an viel befahrenen Hauptstraßen könne einen begleitenden Radweg gelöst werden, was in Teilbereichen der Bahnhofstraße schon gegeben ist. Alternativen wären Piktogramme, die auf den Straßen klare Bereiche für Radfahrer vorgeben.

Eine Weiterführung des Radverkehrs in Richtung Meyerich könne gut umgesetzt werden, wenn der neue Tunnel am Bahnhaltepunkt fertiggestellt ist. Von hier aus könnte ein neuer Weg Richtung ehemalige Hauptschule geführt werden, von wo durch das Kreggenfeld die Anbindung an den bestehenden Radweg erfolgen könne, der nach Scheidingen führt.

Für den Bereich rund um die ehemalige Hauptschule, die bekanntlich längerfristig als Flüchtlingsunterkunft dienen soll, schlagen die Planer die Einführung einer Fahrradstraße vor, wo das Fahrrad eindeutig Vorrang vor dem motorisierten Verkehr hat. „Hier dürfen Radfahrer auch nebeneinander fahren, die Autofahrer müssen sich gedulden“, so Stefan Hammeke, Radverkehrsbeauftragter des Kreises Soest.

Insgesamt ist laut Schwarz neben den Vorrangrouten auch darauf geachtet worden, dass Lückenschlüsse und die Anbindung an die Nachbarkommunen berücksichtigt worden sind. Kleine innerörtliche Wege finden sich darin ebenso wieder die Straßen begleitende Radwege, die die sicherste, aber eben auch teuerste Variante seien.

Hammeke lobte, dass die Gemeinde dieses Konzept aufgelegt habe. Insbesondere die Bürgerbeteiligung hob der Experte hervor. Die Kategorisierung sei ganz wichtig, damit die Fördergeber guten Gewissens zustimmen, wenn es ums Geld geht. Schließlich koste ein Kilometer Radweg zwischen 400 000 und 600 000 Euro.

Auch Tobias Bödger vom Zukunftsnetz NRW unterstrich einen aus seiner Sichtbeispielhaften Prozess: „Das ist gut durchdacht, wirkt alles andere als willkürlich.“ Das erwähnte Buch der Ge-Komm über die Welveraner Radwege mache in seinem Büro schon die Runde. „Das ist auch für andere Kommunen Best Practice!“

Aus der Politik richtete Cornelia Plassmann von den Grünen ihren Dank an den Arbeitskreis. Sie äußerte den Wunsch nach einer Direktverbindung zwischen Soest und Welver. Peter Holuscha von der BG warf ein, dass ein erheblicher Flächenverbrauch mit dem Anlegen von Radwegen verbunden sei. Hier müsste bei einer Betrachtung ökologische Aspekte berücksichtigt werden. Außerdem mahnte er, dass in einigen Bereichen Konflikte mit Fußgängern zu erwarten seien.

Klaus Wollhöver von der SPD kritisierte, dass der Osten der Gemeinde kaum berücksichtigt worden sei, bezeichnete die Gegend um seinen Wohnort Stocklarn als „Tal der Tränen.“ Heiko Kosche von der FDP betonte, dass nach der Vorlage des Konzepts durch die Ge-Komm als erster Schritt nun mit den Ergebnissen des Arbeitskreises der zweite Schritt erfolgt sei. Jetzt müssten der dritte und vierte Schritt folgen.

Dieses Mammutprojekt, wie es Udo Stehling von der SPD bezeichnete, wird allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Daher regte Kay Philipper von Welver 21 an, als kurzfristige Maßnahme schon einmal die Wirtschaftswege für den Radverkehr zu öffnen. Hier ergänzte Ausschussvorsitzender André Buschulte von den Christdemokraten, dass seinen Information zufolge die Behörden fortan davon absehen werden, das Nutzen der Wirtschaftswege durch Radfahrer zu ahnden.

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