Feuerwehr soll später kommen dürfen

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Feuerwehr

Welver - Wenn es nach den Vorstellungen des Gutachters Jochen Siepe geht, kann sich die Feuerwehr bei ihren Einsätzen künftig mehr Zeit lassen.

Der Ingenieur der Firma Saveplan (Hilden), die derzeit Teile des Brandschutzbedarfsplanes für Welver neu erstellt , empfiehlt, die Eintreffzeit im Fall eines „kritischen Wohnungsbrandes“ von derzeit acht auf zehn Minuten zu erhöhen. 

Feuerwehr-Chef Dirk Steinweg sieht diesen Ansatz durchaus kritisch. Ziel muss es seiner Auffassung weiterhin sein, auch in Zukunft möglichst nah an die acht Minuten heranzukommen. Wie weit, darüber könne man immer noch reden. „Die Frage ist: Was will man?“, so Steinweg weiter. Er hält es für wichtig, dass im Fall eines Hausbrandes möglichst schnell Wasser fließt. Letztlich gehe es bei dem Thema nicht um Feuerwehrfragen, sondern um den Schutz der Bevölkerung. Dieses Gut soll nach Ansicht Steinwegs weiter hoch gehalten werden, „schließklich bin ich auch Steuerzahler“. 

Nicht als solcher, sondern als Leiter der Feuerwehr befindet er sich im ständigen Austausch mit der Gemeindeverwaltung. Seinen Standpunkt hat er dort bereits hinterlegt.

 Eine strengere Schutzzieldefinition hat nicht zuletzt auch finanzielle Konsequenzen. So sind für die Acht-Minuten-Frist möglicherweise mehr Standorte (samt Personal und Ausrüstung) nötig, als zur Einhaltung eines Zehn-Minuten-Limits. Überspitzt formuliert: Geld oder Leben. Nach Ansicht Steinwegs ist außerdem eine realistische Einschätzung notwendig. Dazu gehört auch die genaue Analyse der Ist-Situation. An der Antwort der Frage „Welche Zeiten erreichen wir?“ wird derzeit gearbeitet. Laut Unterlagen von Saveplan liegt der „Zielerreichungsgrad“ im Fall der ambitionierten Acht-Minuten-Frist derzeit bei 75 Prozent. 

An die Erfüllung der vorgenannten Schutzzieldefinitionen sind die Gemeinde Welver selbst und die Feuerwehr gebunden. „Die gesamte personelle und sächliche Ausstattung sei darauf auszurichten, die noch zu beschließende Schutzzieldefinition zu garantieren“, schreibt die Verwaltung in einer Einschätzung im Vorfeld der politischen Beratungen. „Damit hat der Brandschutzbedarfsplan grundsätzlich nicht nur enorme finanzielle und personelle Auswirkungen für die Gemeinde Welver, sondern er löst unmittelbare Folgen für die Rettung und Bergung aus und berührt damit natürlich einen äußerst sensiblen Bereich der Daseinsvorsorge“, heißt es in dem Papier weiter. Fazit: Der politische Handlungsspielraum sei zwar prinzipiell gegeben; er sei aber insofern eingeschränkt, als ein zu geringer Zielerreichungsgrad (unter 80 Prozent) weder politisch noch rechtlich zu rechtfertigen und ein höherer Zielerreichungsgrad (über 90 Prozent) auch mit extrem hohem Ressourceneinsatz nicht zu schaffen wäre. 

Vor der Realisierung von weiteren Maßnahmen zur Erstellung des Entwurfes des Brandschutzbedarfsplanes soll ein Grundsatzbeschluss des Rates über die zukünftige Schutzzieldefinition herbeigeführt werden. Das Gremium tagt am 27. Juni um 18 Uhr, um 16 Uhr spielt Deutschland gegen Schweden. Für die Fußballfans unter den Ratsmitgliedern gilt nach Spielende eine 15-Minuten-Frist: Vom Fernsehsessel bis ins Rathaus. 

Quelle: Soester Anzeiger

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