Vellinghausen / Eilmsen

Erst Spritzen-, dann Heimathaus: Jetzt kommt der Dorftreff

Dorftreff Vellinghausen Stehling Lukow
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Haus mit Zukunft: Ortsvorsteher Frank Lukow (rechts) und Schützenchef Udo Stehling wollen zusammen mit den Vellinghausern und Eilmsern im alten Heimathaus einen Dorftreff eröffnen. Die Umbauarbeiten sind in vollem Gang.

Die einen gehen, die anderen kommen. Doch in jedem Fall sind es Vellinghauser und Eilmser. Das Doppeldorf an der Grenze zu Hamm krempelt gerade mächtig um und die Ärmel hoch. Aus dem Heimathaus wird das Dorfhaus, der Heimatverein ist Geschichte, der Dorfverein die Zukunft.

Vellinghausen – Das wunderschöne Domizil, einst mal als Spritzenhaus in Vellinghausen gebaut, ist bereits in der oberen Etage nicht mehr wiederzuerkennen. Unten wird derweil noch gewerkelt.

Hier oben unterm Dach könnte auch der Vorstand eines Unternehmens tagen, so geschäftsmäßig und repräsentativ sieht es aus. Ein langer Konferenztisch, rings herum schwere Bürosessel, vom Feinsten, wenn auch nicht nagelneu.

RWE verschenkt ihr Mobiliar

Das Schönste: Die noble Ausstattung hat die Vellinghauser keinen Cent gekostet, berichtet Ortsvorsteher Frank Lukow. Nebenan im Kraftwerk der RWE war sie übrig. Lukow, der selber dort beschäftigt ist, konnte sie für den guten Zweck mitnehmen.

Noch vor einem halben war das Haus pickepackevoll mit den Zeugnissen vergangener Jahrzehnte, ja sogar Jahrhunderte. Alles, was halbwegs aufbewahrenswert erschien, hatten die Geschichtsfreunde hier zusammengetragen und konnten so den Besuchern historische Einblicke verschaffen: Von alten Meisterbriefen bis hin zu vergilbten Kommunions-Urkunden. „Die Regale waren zum Bersten voll“, erinnert sich Lukow.

Die Schätzchen sind selbstverständlich nicht auf den Müll geworfen worden. Die Leihgeber haben sie zurückerhalten, manches wanderte in das neue kommunale Archiv im Welveraner Rathaus. Einiges weniges wie etwa die eindrucksvollen Bildtafeln mit den Portraits der in den beiden Kriegen gefallenen Vellinghauser und Eilmser bleiben an den Wänden. Wer die vielen Köpfe sieht, dem schaudert’s noch heute. Damals sind die meisten Männer des Dorfs aus den grauenhaften Schlachten nicht zurückgekehrt.

Dorf wittert seine Chance

Zuletzt, so sagt Udo Stehling, der Schützenchef in Vellinghausen, haben nur noch ganz wenige im Heimatverein mitgewirkt. Vier, fünf Leute besuchten die jährliche Hauptversammlung. Im Sommer dann das Aus des Vereins. Man hätte das Heimathaus, das nicht unter Denkmalschutz steht, abreißen können und somit das Kapitel endgültig schließen können. Doch das Doppel-Dorf witterte seine große Chance.

Nach und nach ist die Idee gereift, den Backsteinbau für die Dorfgemeinschaft zu nutzen: Für alle, die kein eigenes Vereinsheim haben und sich heute in Privaträumen oder sonstwo treffen, um sich zu begegnen. Die Nähkurse, die Theaterleute, die Kindergruppen, die Krabbelrunden und viele mehr können hier zusammenkommen. Mehr noch: „Wir wollen darüber hinaus alle ansprechen, die nicht organisiert sind, das Haus soll allen Leuten offenstehen.“ Man habe, sagt der Ortsvorsteher, kein fertiges Konzept in der Tasche, wohl aber unzählige Ideen und Vorschläge gesammelt. „Das alles muss wachsen.“ Vor allem: Es muss von den Vellinghausern und Eilmsern selber kommen, man werde da nichts drüber stülpen.

Die Gemeindeverwaltung in Welver, so Lukow, sei sehr angetan von den Plänen und überlasse gern ihr Gebäude dem neuen, noch zu gründenden Verein. In der Zwischenzeit sind Stehling und seine Schützen für die Verwaltung der Ansprechpartner. Wäre da nicht Corona, wäre der neue Dorfverein längst aus der Taufe gehoben worden, selbst ein großes Fest, das Einnahmen in die Kasse spülen sollte, war vergangenes Jahrschon arrangiert und fiel dann doch den ungewöhnlichen Auflagen zum Opfer.

Frischer Wind spürbar

Nun geht es also in kleinen Schritten voran, zumal sich die freiwilligen Helfer immer nur in kleiner Schar zum Arbeiten im Dorfhaus treffen können. Die obere Etage haben sie fix und fertig. Unten ist bereits geräumt, hier muss noch eine Zwischenwand raus, eine neue Küche rein. Im Kern soll es eine große, multifunktionale Fläche werden, Beamer und Lautsprecheranlage werden integriert, damit die Etage für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt werden kann.

„Es ist eine einmalige Chance, im Dorf richtig was zu bewegen“, sagen Lukow und Stehling. Man spüre, wie gerade frischer Wind durch die 850-Seelen-Gemeinde aus Vellinghausern und Eilmsern wehe. Nicht nur wegen Corona haben die vielen Eifrigen längst ihre WhatsApp-Gruppe eingerichtet und nehmen die Plattform für immer neue Ideen und Anregungen. Sobald gelockert wird – hoffentlich spätestens im Sommer – will man zusammenkommen und den neuen Verein formell gründen. Ob er dann Dorfverein und das alte Feuerwehrhaus dann Dorftreff heißen, ist eher zweitrangig, die Akteure dahinter freuen sich jedenfalls, dass sie gerade in diesen eher gemeinschaftslosen Zeiten eine Menge für die neue Gemeinschaft bewirken können.

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