Verwaltung will Tunnel selber bauen

Umbau des Bahnhofs: Bald barrierefrei zum Zug

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Der Welveraner Bahnhof soll in den kommenden Jahren barrierefrei umgebaut werden.

[Update 15:08 Uhr] Welver – Bahnfahrer müssen bald zwischen Hamm und Soest mit Behinderungen rechnen. Ab 2021 soll der Bahnhof von Welver umfangreich umgebaut werden. Gesperrt werden soll die Strecke aber nicht. Die Gemeinde hatte kürzlich eineinhalbjährige Vollsperrung ab dem Herbst 2022 ins Spiel gebracht.

Erste Arbeiten soll es nach Bahnangaben bereits im kommenden Jahr geben. Auf dem Streckenabschnitt stehe dann über einen längeren Zeitraum nur ein Gleis zur Verfügung, sagte ein DB-Sprecher. Für 2022 sei zudem eine vierwöchige Vollsperrung vorgesehen; eine eineinhalbjährige Unterbrechung der Strecke werde es aber nicht geben. 

Es werde dabei Beeinträchtigungen für die Fahrgäste geben, sagte ein NWL-Sprecher. Der Zugverkehr solle aber durchgehend aufrechterhalten werden. Denkbar seien nächtliche Sperrungen oder eine eingleisige Verkehrsführung. Außerdem könnten Takte ausgedünnt werden; zwischen Hamm und Soest führen dann möglicherweise nicht drei, sondern nur ein oder zwei Regionalzüge pro Stunde. 

Politik befasst sich mit Details

Die Gemeinde Welver will wegen des millionenschweren Umbaus ihres Bahnhofs buchstäblich auf den Zug aufspringen und den geplanten Tunnel unter den Gleisen auf ihre Kosten breiter anlegen. So soll von vorn herein verhindert werden, dass die Röhre unter der Erde zu einem Angstraum werden könnte. Das Projekt wird am Mittwoch im Planungsausschuss debattiert.

Die Planung des Bahnhofsumbaus in Welver nimmt allmählich konkrete Formen an. Wie Gemeindesprecher Detlev Westphal erklärt, hat die Bahn für einen 18-monatigen Zeitraum ab Herbst 2022 eine Sperrpause beantragt, sodass die Maßnahme in diesen anderthalb Jahren stattfinden könnte.

In der Zeit würde auf der wichtigen Verbindungsstrecke zwischen Soest und Hamm kein Zug rollen und stattdessen ein Schienenersatzverkehr eingerichtet - allerdings nur für vier Wochen am Stück.

Die Verwaltung hat inzwischen eine Lösung für den neu zu gestaltenden Bahnhofsvorplatz und die geplante Personenunterführung ausgearbeitet und schlägt vor, dass diese Arbeiten in Eigenregie der Gemeinde ausgeführt werden sollen. Das wird die Verwaltung der Politik im Ausschuss für Gemeindeentwicklung am kommenden Mittwoch, 22. Januar, ab 17 Uhr zur Beratung und Abstimmung vorschlagen.

"Jahrhundertchance"

Stimmen die Politiker dem Vorschlag zu, könnte unter anderem die geplante Unterführung nicht nur drei, sondern vier Meter breit werden. Das sei „eine einmalige Chance für den Ort“, ist sich Detlev Westphal, Leiter des Fachbereichs Gemeindeentwicklung, sicher.

Dem schließt sich auch Bürgermeister Uwe Schumacher an: „Für Welver ist das eine Jahrhundertchance.“ Nun habe man die Möglichkeit, selber aktiv zu werden.

Im Zuge der Umgestaltung zu einem barrierefreien Bahnhof möchte die Verwaltung die Planung für die Fußgängertunnel und den Vorplatz selbst in die Hand nehmen können. Dazu könne das Projekt im Rahmen des ISEK aus Mitteln der Städtebaufördeung realisiert werden. Detlev Westphal rechnet mit Kosten um die 2 Millionen Euro, wobei rund 70 Prozent der Summe aus der Förderung finanziert werden könnten. 

Wo heute noch Absperrgitter stehen, soll demnächst ein Tunnel unter den Gleisen hindurchführen – wenn es im Ausschuss ein positives Votum dazu gibt. Interessant könnte dabei vor allem für Pendler auch die zeitliche Komponente der Realisierung werden.

Die Personenunterführung soll von der Ladestraße gegenüber dem ehemaligen Raiffeisengebäude unter den Schienen hindurch bis zur Straße Ostbusch gehen. Ziel sei es, den nördlichen und den südlichen Teil des Ortes miteinander zu verbinden. Durch eine vier Meter breite Unterführung könnten auch eine bestehende Gefahrensituation und Angsträume beseitigt werden. Baut die Bahn hingegen den Tunnel, werde er nur drei Meter breit, so Westphal. Weiterhin unter der Regie der Bahn steht der Umbau von Bahnsteigen und des Lärmschutzes.

Würde die Planung so auf den Weg gebracht, so Westphal, habe man in Welver die Gelegenheit, den Umbau „nicht von der Stange“ zu nehmen. Dazu habe man sich von Seiten der Verwaltung im Spätsommer 2019 Bahnhöfe in Altena und Lippstadt angesehen, um einen Eindruck davon zu bekommen, was man machen könnte, um das Umfeld möglichst ansprechend zu gestalten.

Quelle: Soester Anzeiger

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