Kandidat fürs Rathaus

Thorsten Teimann will Bürgermeister werden - und eilt dafür von Tür zu Tür

Rathaus statt Redaktion: Zeitungsredakteur Thorsten Teimann will Bürgermeister in Welver werden.
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Rathaus statt Redaktion: Zeitungsredakteur Thorsten Teimann will Bürgermeister in Welver werden.

Vor Thorsten Teimann liegen noch viele hundert Kilometer – vorzugsweise mit dem Rad und nach Feierabend und an den Wochenenden. Der 52-jährige parteilose Bürgermeister-Kandidat und Quereinsteiger in Sachen Politik will bis zur Rathauswahl am 13. September bei allen Welveranern angeklingelt haben.

Welver – Die Reaktionen an den Haustüren, so sagt er, beflügeln ihn seit Wochen. Viele würden ihn spontan zu Bier und Bratwurst in die Stube bitten. 

So unkonventionell das Klinkenputzen, so unkoventionell auch die Art und Weise, wie er beim Bürgermeister-Rennen seinen Hut in den Ring geworfen hat. Anfang März hatte er in einem Leserbrief dafür geworben, dass keine Zugereisten wie seine drei Mitbewerber das Ruder in die Hand nehmen sollten, sondern ein geborener Welveraner. Teimann kleidete seine Forderung in eine nette Western-Saga: „Was wir Welveraner Indianer benötigen, ist ein Häuptling, der mit seinen Schwestern und Brüdern aufgewachsen ist, in deren Mitte wohnt und sich deshalb in den Weiden und auf den Wegen der hiesigen Prärie auskennt.“ 

Ob er sich selber da schon galoppieren sah? Seine Version geht so: „Ich habe auf meinen Leserbrief sehr viel Zuspruch erhalten und offenbar den Menschen aus der Seele gesprochen.“ Schließlich hätten seine Bekannten ihn gefragt: „Würdest Du Bürgermeister werden?“ Er habe mit „Ja“ geantwortet und sofort die Gegenfrage gestellt: „Würdet Ihr mich auch wählen?“ Und diesmal antworteten die Bekannten mit „Ja“. 

So viel Nähe zwischen Wählern und Gewählten ist inzwischen in ein eher unpolitisches Motto gemündet. „Mehr Heimatliebe für Welver“, steht auf dem Flyer, den er allen zu Hause in die Hand drückt. 

Verwurzelt ist Thorsten Teimann auf alle Fälle, Fußball, Schützen, TV Flerke, Kolping, Volksradfahren, und als freier Mitarbeiter bei dieser Zeitung ist er schon als Schüler über die Dörfer geflitzt und hat Mann und Maus kennengelernt. Aus dem flinken Reporter ist längst ein gestandener Zeitungsredakteur geworden: Teimann schreibt seit 27 Jahren beim Hellweger Anzeiger fürs Lokale und den Sport.

Daher könne er auch beurteilen, sagt er, wie schlecht in Welver im Rathaus kommuniziert werde. Das könne er besser, mehr noch: Er traue sich zu, die Behörde zur „Servicegemeinde“ zu formen, „offenes Miteinander“ zu pflegen und am Ende „effizientere Ergebnisse“ zu liefern, als das heute der Fall sei. 

Weil er die Politiker und Pappenheimer in der Welveraner Szene kenne, sieht er es schon jetzt als großen Vorteil, als Mann ohne Parteibuch zu kandidieren. Würden Klüngel und Knatsch auch im neuen Gemeinderat anhalten, würde er seine Moderator-Qualitäten einsetzen wollen, vielleicht nicht immer auf offener Bühne, sondern „auf dem kleinen Dienstweg“ oder in einer Art Ältestenrat, wo man Tacheles reden und die Mitstreiter beim Wort nehmen könne. 

Reden, auftreten, auf die Leute zugehen sind das Eine. Aber was ist mit dem Handwerk? Schließlich wollen so eine Gemeinden und die Verwaltung auch fachlich geführt werden, so wie es seine drei Konkurrenten gleichsam von der Pike auf gelernt haben. Für die Details und Paragrafen habe ein Bürgermeister seine Leute, antwortet er. 

Die Gemeindeordnung sehe ausdrücklich vor, dass ein Bürgermeister von außen kommen darf, ohne Stallgeruch mitzubringen und ohne in einer Verwaltung sozialisiert worden zu sein. 

Teimann will lieber die drängenden Probleme in den Blick nehmen: den Bahnhof, das Raiffeisengelände, die Verkehrsberuhigung in der Fußgängerzone, das Radwegenetz. 

Hier die großen Linien zu ziehen, sieht er als seinen Job, ein guter Teamgeist werde den Rest richten.

Quelle: Soester Anzeiger

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