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Eichenprozessionsspinner: In voller Montur gegen die Raupen

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Von: Dirk Wilms

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Sorgfalt ist oberstes Gebot, wenn Dieter Adam, wie hier in Hündlingsen, Thorsten Siepmann in seine Montur hilft.
Sorgfalt ist oberstes Gebot, wenn Dieter Adam, wie hier in Hündlingsen, Thorsten Siepmann in seine Montur hilft. © Dirk Wilms

Wenn sich Thorsten Siepmann die volle Montur überstreift, geht im Dieter Adam zur Hand. Es gilt, die Schutzkleidung so perfekt anzulegen, dass keine Öffnung bleibt. Denn der Scheidinger muss sich davor bewahren, mit jenen Partikeln in Berührung zu kommen, vor deren unheilvollen Auswirkungen er seine Mitmenschen schützt.

Scheidingen - Thorsten Siepmann ist Experte im Bekämpfen des Eichenprozessionsspinners. Dessen Haare verursachen üble Symptome bei den allermeisten Menschen. Bis hin zum Krankenhaus-Aufenthalt kann es kommen, wenn Schleimhäute mit den nesselnden Härchen in Kontakt geraten. Ob Augen, Mund oder Nase – hier besteht größte Gefahr. Das gilt übrigens auch für Tiere wie Pferde und Hunde, die der Raupe des Spinners am besten aus dem Weg gehen.

Das ist aber in diesen Wochen kein einfaches Unterfangen. Zwar scheint die Population des EPS, wie er abkürzend genannt wird, in diesem Jahr nicht so üppig zu sein wie zuvor. Der vergleichsweise feuchtere Winter und das zuvor im Vergleich zu den Vorjahren weniger heiße 2021 haben offenkundig ein wenig Erleichterung verschafft.

Was aber keineswegs bedeutet, dass der Landschaftsgärtner aus Scheidingen in seinem Zweitjob als EPS-Bekämpfer wenig zu tun hätte – im Gegenteil. Regelmäßig laufen bei ihm Meldungen ein, an welchen, meist freistehenden Eichen sich die Raupen eingenistet haben. So kam er auch an den beiden Eichen zum Einsatz, die auf freiem Feld zwischen Hündlingsen und Nateln stehen. Ein beliebter Rastplatz mit einladenden Bänken unter den Eichen, die sich für einen Aufenthalt nicht eignen würden, wenn in wenigen Metern Abstand der Eichenprozessionsspinner sein Unwesen treibt. Also alarmierte Welvers Bauhofleiter Hans Wilms den Experten, der mit Hubwagen und seinem Equipment anrückte. Seit 2018 kennt sich Thorsten Siepmann mit dem Kampf gegen die Plage aus, seit 2019 ist er im Auftrag der Gemeinde Welver unterwegs.

Der Vollschutz bedeckt den ganzen Körper mit der Kleidung, aufgesetzt wird eine Haube mit gläsernem Visier inklusive Nackenschutz. Die Atmung erfolgt über eine Filtereinheit mit Gebläse, die den Härchen kein Durchkommen ermöglicht. So kann sich Thorsten Siepmann mit einem asbestfähigen Staubsauger an die Nester und die am Baum in Form einer Prozession krabbelnden Raupen machen. In dieser Phase sollte sich niemand in Windrichtung aufhalten. Denn in bedrohter Lage feuern die Raupen ihre Haare ab, um sich zu wehren.

Die eingesaugten Raupen und Nester sammelt der 45-Jährige in verschließbaren Eimern. Die Behälter bringt er nach und nach zur Müllverbrennungsanlage nach Hamm. Es sollte niemand auf die Idee kommen, sich selber mit seinem Sauger an die Arbeit zu machen. Denn nur die besten Filtereinheiten der H-Klasse sind zum Bekämpfen des Eichenprozessionsspinners geeignet.

Privatleuten ist laut Siepmann daher angeraten, sich an die Gemeinde zu wenden, damit Abhilfe geschaffen werden kann. Auch ist das Abflämmen der Nester wenig ratsam. „Dann fliegen die Haare nur umso mehr“, warnt der Experte. Dass die Raupen entfernt werden sollten, steht dabei außer Frage. Das Aufstellen von Schildern reicht auf keinen Fall aus, zumal dadurch die Population auch nicht dezimiert wird.

Wenig erfolgreich waren Versuche, mit dem Ansiedeln von Meisen in Nistkästen dem EPS zu begegnen. „Nistkästen sind gut“, so Siepmann. „Doch die Meisen fressen die Raupen nur in den ersten Stadien.“ Besser wäre es, wenn natürliche Feinde den Raupen zu Leibe rücken würden. So agieren Schlupfwespen als Parasit, während der Wiedehopf und der Kuckuck die Raupen gern verspeisen.

Doch da es davon viel zu wenige in hiesigen Breiten gibt, ist Thorsten Siepmann gefragt. Nach seinem Einsatz in den Eichen bei Hündlingsen wurde er noch nach Dinker und Vellinghausen gerufen. „Manchmal denkt man, da ist ja kaum was. Und wenn man dann höher steigt im Baum, entdeckt man doch noch kleinere Nester“. Und auch deren Bewohnern sollte es ans Leder gehen.

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