Abraten von eigener Sekundarschule

Wie geht es weiter in der Frage nach einer weiterführenden Schule in Welver?

Welver – „Die Gründung einer eigenen weiterführenden Schule wird in der Gemeinde Welver nicht möglich sein. Dazu gab es in der Gemeinde selbst und in der Region zu starke demografisch bedingte Rückgänge der Schülerzahlen.

Mit langfristig rund 100 Schülern aus der eigenen Kommune wird der Eigenbedarf für eine eigenständige weiterführende Schule nicht nachweisbar sein.“ Das ist das Fazit einer Studie, die die Projektgruppe Biregio (Bildung und Region) im Auftrag der Gemeinde Welver durchgeführt hat. Sie wurde kürzlich dem Ausschuss für Generation, Bildung, Kultur und Soziales vorgestellt. 

Ist weiterführende Schule realistisch?

Der Prüfauftrag: „Ist die Gründung einer weiterführenden Schule in der Gemeinde Welver realistisch?“ Als Beispiel erläutert Biregio: „Für eine eigenständige Gesamtschule bedarf es vier voller Züge und daher mindestens 100 Kindern aus der eigenen Kommune. Eine eigenständige Sekundarschule hat drei Züge mit mindestens 75 Kindern. Diese hohen Zuspruchsquoten (75 bis 100 Prozent Eigenbindung) sind nicht zu erwarten.“ Allerdings wäre laut Biregio die Gründung eines Schulstandortes in Kooperation mit einer Nachbarkommune denkbar. Dann wäre der nachweisbare Eigenbedarf entweder von zwei Kommunen darzustellen oder bei Gründung eines Teilstandorts einer bestehenden Schule mit einer geringeren Mindestzügigkeit zu planen.

Mit Nachbarkommunen kooperieren

 Wünscht sich die Politik in der Gemeinde Welver in Zukunft einen weiterführenden Schulstandort, wird seitens der Studie daher empfohlen, mit den Nachbarkommunen (insbesondere mit den für Pendler relevanten Kommunen Soest, Werl, Bad Sassendorf und Lippetal) regionale Gespräche zu führen. Zudem müsste bei einer solchen Schulneugründung der kommunale Konsens eingeholt werden. Da in einigen Schulstandorten in der Region in den vergangenen Jahren die Schülerzahlen gesunken sind, wäre dieser wahrscheinlich nicht gegeben, denn eine weitere Schule könnte zu weiteren Schülerrückgängen und einem Verlust an Zügigkeit an anderen Standorten führen. Die demografische Entwicklung der Kinderzahlen ist in den kommenden Jahren sehr stabil. Jahrgangsbreiten um 100 Kinder werden die Gemeinde Welver langfristig beschäftigen. 

Schulstandorte weiter verbessern

Die noch nicht eingeschulten Altersjahrgänge (Null- bis Fünfjährige) werden die Primarstufe mittelfristig etwas anwachsen lassen. Einschulungen zwischen 89 und 118 Kinder werden die beiden Grundschulen in den kommenden sechs Schuljahren verzeichnen. Langfristig werden also in den Jahren 2025 und folgenden rund 100 Einschulungen per anno in der Gemeinde Welver zu erwarten sein. Dem Schulträger wird von Biregio empfohlen, die qualitative Entwicklung der Standorte weiter zu verfolgen. 

Schülerzahlen insgesamt stabil

Die Schülerzahlen seien überaus stabil, je nach Art der Klassenbildung würden vier oder fünf Züge möglich sein. Der Schulträger solle daher dauerhafte Zügigkeiten für die beiden Grundschulstandorte festlegen. Dies werde den Schulen eine langfristige Planungssicherheit geben im Hinblick auf Klassengrößen, Raumplanung und zu erwartende Lehrerstellen. Die Welveraner Grundschüler der vierten Klassen gehen in die fünften Klassen von weiterführenden Schulen der Region. Dabei werden laut Biregio vor allem die Standorte in Soest und Werl gewählt – aber auch die Gesamtschulstandorte in Bad Sassendorf und Lippetal sind beliebte Ziele  für die Welveraner Kinder.

Kommentar

VON MICHAEL DÜLBERG

Leider hat Welver durch die Schließung der Hauptschule und den Zank um die Ursachen hierfür bei den Eltern soviel Vertrauen in eine weiterführende Schule verloren, so dass dies nur schwer und langfristig wieder repariert werden kann. Braucht die Gemeinde Welver jedoch eine weiterführende Schule oder geht es der Politik um Image und Prestige? 

Der Gutachter hat festgestellt, dass Welver alleine die Schülerzahl nicht hervorbringt, die die Kommune für die Einrichtung einer eigenen Sekundarschule benötigt. Also rät das Gutachten zu einer Kooperation. Als idealer Partner bietet sich daher unmittelbar die INI-Gesamtschule in Bad Sassendorf an. Auch sie braucht Schülerzuspruch, um sicher existieren zu können. 

Außerdem gibt es die direkte Zugverbindung. Aber ist eine „halbe Schule“ die Mühen der Organisation und Verwaltung und gar einen Neubau wert? Könnte nicht Welver mit einem hochqualifizierten Kindergarten- und Grundschulwesen bei den Eltern viel besser punkten? Moderne Kindergärten, Kindertagesstätten mit genügend Plätzen und gutem Personal und moderne Grundschulen samt OGS, das wäre ein Pfund mit dem man bei jungen Eltern wuchern kann. 

Dabei ist man mit dem aktuellen Isek auf dem richtigen Weg der Modernisierung des Quartiers rund um die Honkamp-Schule. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden können Jugendliche aus Welver weiterführende Schulen in Soest, Bad Sassendorf, Werl, Hamm, Lippetal und sogar Lippstadt schnell und unkompliziert erreichen. 

In Welver müssten lediglich die Verkehrsstrukturen geschaffen werden, die weit abgelegene Schüler zu den Haltepunkten von Bussen und Bahnen bringen. Welver könnte sich so profilieren und einen problematischen und kostspieligen Tagesordnungspunkt von kommenden Sitzungen streichen.

Quelle: Soester Anzeiger

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