Mieter-Angst vor dem Blackout wegen Streit um Nebenkosten

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In der Wohnanlage Klosterhof in Kirchwelver rumort es nicht nur wegen des Ärgers um die Nebenkosten-Abrechnungen.

Welver - Kein Strom. Kein Gas. Sämtliche Energiezufuhr gekappt. Mit diesem Szenario sahen sich in diesen Tagen die Mieter der Wohnanlage „Klosterhof 12“ in Kirchwelver konfrontiert. Allerdings legen die Eigentümer Wert auf die Feststellung, dass die Energieversorgung und die Versorgung der Mieter mit Gas und Wärme zu jeder Zeit sichergestellt gewesen seien.

In Briefen von den Soester Stadtwerken wurden sie darüber informiert, dass die „Pöpsel Bünigmann GBR“ als Eigentümer der Wohnanlage den Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen sei und man deshalb dazu gezwungen sei, „die zentrale Wärmeversorgung des Hauses durch die Netzbetreiber unterbrechen zu lassen“. Im Anzeiger-Gespräch wiesen mehrere Mieter darauf hin, dass sie regelmäßig ihre Nebenkosten bezahlt haben. Allerdings nicht direkt an die Stadtwerke, sondern an die „WF Immobilien Betreiber UG“, die für die Eigentümergemeinschaft die Verwaltung übernommen hat. 

Stadtwerke verteidigen Maßnahme

Die Soester Stadtwerke verteidigten ihre Maßnahme, die Mieter über eine mögliche Unterbrechung der Energieversorgung zu informieren, sehen diese Maßnahme aber als „letzten Schritt“. In einer Stellungnahme heißt es, dass es die Regel sei, bei zentralen Anlagen nicht mit den Mietern direkt, sondern mit den Eigentümern abzurechnen. „In Fällen von zu geringen oder ausbleibenden Zahlungen wird das Gespräch gesucht. Wenn sich in den Gesprächen das Problem nicht lösen lässt oder Vereinbarungen nicht eingehalten werden, steht am Ende aller Angebote für eine Einigung, die Ankündigung der Sperrung. Wir sind uns der misslichen Lage von Mietern in so einem Szenario bewusst und schöpfen daher immer erst alle anderen Möglichkeiten mit dem Eigentümer aus“, heißt es weiter.

Pöpsel: Reale Gefahr hat nie bestanden

„Es hat zu keinem Zeitpunkt eine reale Gefahr bestanden, dass die Energiezufuhr unterbrochen wird“, meint Oliver Pöpsel von der Eigentümergemeinschaft. Vielmehr habe es einen Streit mit den Stadtwerken gegeben, nachdem das Objekt bis Oktober 2016 unter Zwangsverwaltung gestanden habe. Pöpsel: „Der Zwangsverwalter Oliver Niehoff hat die Forderungen der Stadtwerke erfüllt, obwohl die im Vergleich zu den Vorjahren deutlich erhöht waren.“ So seien Zahlungsaufforderungen von 3600 Euro Energiekosten pro Monat für das gesamte Objekt erfüllt worden, obwohl zuvor lediglich 2000 Euro notwendig gewesen seien. Das bestätigte Wilfried Franz von der „WF Immobilien Betreiber UG“. 

Das Blockheizkraftwerk macht es kompliziert

„Wir haben von den Stadtwerken ein Blockheizkraftwerk einbauen lassen. Eigentlich sollten die Stadtwerke das direkt mit den Mietern abrechnen, doch das hat nicht geklappt“, erläutert Wilfried Franz von der „WF Immobilien Betreiber UG“. Die Folge: Franz‘ UG und damit die Eigentümergemeinschaft blieben Vertragspartner. „Als wir uns nicht einigen konnten, haben wir die Verträge gekündigt und uns einen neuen Versorger gesucht“, sagte Pöpsel. 

Mit den Stadtwerken Beckum sei vom 1. Juni 2017 an ein neuer, zuverlässiger Versorger gefunden worden, mit dem man sich schnell einig geworden sei.  

Harald Feine, Pressesprecher der Soester Stadtwerke, bewertete die Energie-Situation im Klosterhof in Welver so: „Mit dem Eigentümer wurde damals nach Möglichkeiten gesucht, um für sein Objekt Energieeinsparungsmaßnahmen vorzunehmen. Als Ergebnis dieser Gespräche wurde ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mittels Energiecontracting eingebaut.“ Wenn in einem Objekt ein BHKW eingebaut werde, das neben der Heizleistung auch noch Strom erzeugt, müsse die Abschlagssituation differenzierter betrachtet werden. Unter bestimmten Voraussetzungen steige erst einmal der Abschlag, der Eigentümer erhalte aber auch Gutschriften durch das Einspeisen von Strom ins öffentliche Netz. Feine: „In der Gesamtbetrachtung aus Energieoptimierung und Gutschriften sinken die jährlichen Neben- und Energiekosten.“ 

Ex-Zwangsverwalter wehrt sich

Der ehemalige Zwangsverwalter Oliver Niehoff wehrte sich ebenfalls gegen den Vorwurf, überhöhte Abschläge an die Stadtwerke gezahlt zu haben: „Ich habe das getan, was man als Zwangsverwalter tut: Ich bin in das Objekt gegangen und habe die Zählerstände abgelesen. Danach habe ich sofort neue Verträge mit den Versorgern geschlossen und diese am Ende abgerechnet. Wir hatten sogar noch ein Guthaben von 4752,36 Euro bei den Stadtwerken in Soest.“

Mieter klagen über Ratten im Keller

Dass es nicht nur wegen der Briefe der Stadtwerke im alten Kloster brodelt, bestätigten Frank und Maike Timmermann. Das Paar bewohnt eine 45-Quadratmeter-Wohnung im Dachgeschoss und fühlt sich schon lange übervorteilt. Frank Timmermann: „Wir haben hier trotz mehrfachen Anmahnens noch nie eine Nebenkostenabrechnung gesehen. Außerdem ist der Zustand des Objektes immer schlechter geworden: Einige Fenster lassen sich nicht mehr öffnen, andere sind nur notdürftig repariert. Im Keller haben wir nur ein Notlicht und als im Winter Ratten im Keller waren, hat es drei bis vier Monate gedauert, bis der Herr Franz kam und das Loch abgedichtet hat, durch das sie hereinkamen“. 

Streit um fehlende Zahlen für Nebenkosten

Nebenkosten könne man derzeit nicht abrechnen, da man noch auf die fehlenden Zahlen des Zwangsverwalters warte, erklärte Wilfried Franz. „Wenn die endlich da sind, dann bin ich doch auch froh, wenn das über die Bühne geht“, so Franz. Überhaupt habe es in den neueren Mietverträgen pauschalisierte Nebenkosten vereinbart, sodass eine genaue Aufschlüsselung gar nicht mehr notwendig sei. Und es sei doch klar, dass in einem so großen Objekt nicht immer alles ganz ohne Probleme laufe. 

Stattdessen wirbt Wilfried Franz um Verständnis: „Oliver Pöpsel hat sich damals um diesen alten Kloster-Komplex gekümmert, der schon fast am Boden gelegen hat. Er hat 2,3 Millionen Euro da reingesteckt. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen.“ 

Niehoff gibt den Ball in Sachen Nebenkostenabrechnung zurück, spricht im Anzeiger-Gespräch von einer „katastrophalen Bewirtschaftung“. Zwischenzeitlich habe es nicht einmal einen Versicherungsschutz für das Gebäude gegeben und die Mieter hätten sich bereits gemeinsam von einem Anwalt beraten lassen. „Die Nebenkosten für 2015 konnten wir nicht abrechnen, weil wir von der Eigentümergemeinschaft keine Unterlagen bekommen haben“, sagte er. Und: „Für die 15 Wohnungen und das Café aus dieser Gemeinschaft hätte es eigentlich einen Wirtschaftsplan geben sollen, doch da ist nichts passiert. Stattdessen war ich mit reichlich Zahlungsrückständen konfrontiert, die ich aber als Zwangsverwalter nicht bedienen durfte.“ 

Dass es keine Unterlagen für eine Abrechnung für 2016 gebe, lässt Niehoff ebenfalls nicht gelten: „Weil 2016 für uns ein ,Rumpfwirtschaftsjahr‘ war, konnten wir keine Endabrechnung machen. Alle dafür erforderlichen Zahlen liegen Herrn Pöpsel aber vor, weil er eine Kopie unseres Kassenbuches vom Gericht bekommen haben muss.“ Wenn darüber hinaus noch Unklarheiten bestünden, wäre er bereit gewesen zu helfen, so Niehoff weiter. „Doch bei mir hat sich bis heute keiner gemeldet“.

Pöpsel: Niemand muss sich Sorgen machen

Wie es weiter geht im alten Kloster? Pöpsel: „Gerade ist viel im Gange. Die Eigentümergemeinschaft ist größer geworden und künftig werden die einzelnen Mieter wieder den einzelnen Eigentümern direkt zugeordnet. Die Abrechnungen werden dann zwischen Eigentümer und Mieter gemacht.“ Wegen dieses Schrittes müsse sich niemand Sorgen machen. „Wir wissen doch, dass in der Wohnanlage viele ältere Menschen wohnen. Denen wollen wir ein sicheres Vertragsverhältnis bieten.“

Quelle: Soester Anzeiger

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