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Patientin hilft nur eine Blutwäsche

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Von: Dirk Wilms

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Stefanie Bjelos hat eine Spendenaktion gestartet, um die Behandlung finanzieren zu können.
Stefanie Bjelos hat eine Spendenaktion gestartet, um die Behandlung finanzieren zu können. © Dirk Wilms

„Das bilden Sie sich doch nur ein!“ Diese Antwort eines Mediziners sitzt bei Stefanie Bjelos immer noch tief wie ein Stachel. War sie doch schon von Pontius nach Pilatus herumgereicht worden, ohne dass ihr ein Arzt hatte helfen können. Die Welveranerin leidet seit über einem Jahr an vielfältigen Symptomen, die das Leben tagtäglich zu einer Qual werden lassen. 

Welver - Massive Kopfschmerzen, brennende Nervenschmerzen an Händen und Füßen, Störungen in der Motorik – die Litanei des Leidens der 41-Jährigen könnte ganze Bücher füllen.

Sie geht davon aus, dass sie an Nebenwirkungen ihrer drei Corona-Impfungen leidet, die sie sich im April, Mai und November 2021 hat spritzen lassen. Aussprechen mag aber kaum einer der derjenigen Ärzte, die sie seither aufgesucht hat, dass es sich um ein Post-Vac-Syndrom handeln könnte. In ihrer Not sieht sie nur noch einen Rettungsanker: Eine Blutwäsche, die ihren Lebenssaft von drei Auto-Antikörpern befreit, die in ihrem Blut nachgewiesen worden sind.

Diese „Immunadsorption“ wird bei autoimmunvermittelten Erkrankungen eingesetzt und als Blutreinigungsverfahren durchgeführt, heißt es von der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. Doch betonen die Experten: „Insgesamt gibt es aber keine Daten oder groß angelegte Beobachtungsstudien, die den flächendeckenden Einsatz dieses – relativ kostspieligen – Verfahrens rechtfertigen würden.“

Das geht also sehr ins Geld, sodass Stefania Bjelos auf Spenden angewiesen ist: „Das kostet 15 000 Euro, die Krankenkasse übernimmt es nicht.“ Daher hat sie eine Spendenaktion gestartet, um im November die Immunapherese im Dialyse-Zentrum in Hannover durchführen lassen zu können. „Mir wurde gesagt, je eher desto besser. Die Autoantikörper müssen so schnell wie möglich raus aus meinem Blut. Denn sie führen zu irreversiblen Schäden, sterben doch lebenswichtige Zellen ab“, ist die dreifache Mutter in größter Sorge.

Begonnen hat ihre Leidensgeschichte im Frühjahr 2021. Als Pflegefachkraft hat sie sich der verpflichtenden Corona-Impfung unterzogen. Im Impfzentrum in Soest wurde ihr das Vakzin von Biontech gespritzt. Nach der zweiten Impfung setzten Kopfschmerzen und Taubheitsgefühle in den Fingern und Zehen ein. „Dabei habe ich mir noch nichts gedacht, habe es nicht mit der Impfe in Verbindung gebracht“, so Bjelos, die vor zehn Jahren von Hamm nach Welver gezogen ist.

Auch eine anschließende Darmentzündung ließen die Alarmglocken noch nicht schrillen. All diese Beschwerden schienen in keinem Zusammenhang zu stehen. Das galt auch für einen Sturz. „Ein Bein ist weggeknickt, danach musste ich am Knie operiert werden.“

Nach der dritten Impfung bei ihrer Hausärztin aber eskalierte die Lage. „Ich bin abends kollabiert, meine Beine bewegten sich unkontrolliert. Ich bekam Ausschlag, Quaddeln am ganzen Körper.“ Es ging in die Barbara-Klinik nach Heessen, von dort in die Neurologie nach Ahlen. „Die Ärzte sahen aber keinen Zusammenhang mit der Impfung, erzählten was von Psychosomatik. Daher habe ich selber recherchiert“, sind der gelernten Pflegefachkraft medizinische Themen durchaus nicht fremd.

Weitere Untersuchungen im Marienkrankenhaus in Hamm blieben unauffällig. „Da wurde ich auf ALS und andere Krankheiten getestet. Doch helfen konnte mir niemand“, blieb es bei den vielfältigen, schmerzhaften Symptomen. Erstmals Linderung erfuhr sie erst auf einer Schiffsreise. „Ich sollte mir Ruhe gönnen, daher haben wir Urlaub gebucht“, schildert Stefanie Bjelos.

Besser wurde es auf der Reise aber nicht, eher im Gegenteil. Daher nahm sie die Dienste der Ärztin am Urlaubsort in Anspruch. „Sie hat mir ein Nervenmedikament verabreicht, da wurde es erstmals besser.“ Dieses Pregabalin wurde nach einer Untersuchung im Januar 2022 in der Uni-Klinik Münster höher dosiert, führte aber zu heftigen Nebenwirkungen wie Benommenheit. An Arbeiten und Autofahren war nicht mehr zu denken.

„Daher habe ich das Medikament ausgeschlichen, war ich doch nicht mehr Herr meiner Sinne.“ Das wiederum hatte aber eine Wiederkehr der schmerzhaften Symptome zur Folge, was einherging mit auftretenden Durchblutungsstörungen und sogar Thrombosen. „In meiner Verzweiflung habe ich die Charité in Berlin angeschrieben, bekam im März einen Termin“, führte ihre Odyssee durch die vielen Kliniken auch in die Hauptstadt.

Inzwischen hatte ihr Kurzzeitgedächtnis gelitten, manchmal stolperte sie, weil das Gefühl in den Füßen verlorenging. Eine Corona-Infektion verschlimmerte die Lage. „Die Leute dachten, ich bin irre“, stieß Stefanie Bjelos bisweilen auf wenig Empathie. Vor sechs Wochen bekam sie den Befund aus Berlin. „Dass meine Probleme Folgen der Impfungen sind, wurde darin nicht ausgeschlossen, aber auch nicht bestätigt“, war sie keinen Schritt weiter.

Auch Konsultationen von Ärzten in Köln brachten die Welveranerin nicht weiter, die die Hausärztin wechselte. Bei ihr fand sie ein offenes Ohr und erstmals Verständnis. „Sie weiß von Fällen ähnlicher Art.“ Auch in einer Selbsthilfegruppe fand sie Rückhalt, kam dadurch auf die Idee mit der Blutwäsche.

Intravenöse Injektion

Darin bestätigt sie auch Prof. Dr. Elfriede Leniger-Follert. Die Ärztin, die das Corona-Testzentrum in Hagen geleitet hat, spricht sich für die Impfung aus, hat sich selber auch impfen lassen. Aber sie weiß eben auch von Menschen, die unter massiven Nebenwirkungen der Impfungen leiden. „Ich habe schon viele Impfschäden behandelt. Aber ich muss auch sagen, dass die Anzahl gegenüber den gut verlaufenen Impfungen relativ gering ist“, betont sie.

Sie empfängt noch in diesem Monat Stefanie Bjelos zur Sprechstunde, und wird der Welveranerin neben der geplanten Blutwäsche auch die von ihr selbst entwickelte Methode ans Herz legen. Dabei geht es um eine intravenöse Injektion einer physiologischen Substanz und das Einatmen von Sauerstoff, um eine deutliche Verbesserung der Mikrozirkulation zu erreichen. Nach ihren Untersuchungen ist eine exakt berechnete Menge an Magnesium-Ionen geeignet, eine ungünstige Ladungsverteilung an den Gefäßmuskeln der kleinen Gefäße zu überwinden und diese damit zu erweitern.

Stefanie Bjelos ist auch diesem Rat gegenüber aufgeschlossen, will sie doch ein Stück weit Lebensqualität zurückbekommen. „Das ist meine letzte Chance. Ich kann mich doch nicht nur mit Medikamenten zuschütten. Dann bin ich nur noch zugedröhnt. Ohne ist es aber nicht mehr auszuhalten.“

Zu gern würde sie mal wieder selber zum Einkaufen fahren, ist derzeit auf die Hilfe ihres Mannes, ihres Vaters und ihrer Kinder angewiesen. So sehr sie dies und die Unterstützung durch Freunde auch zu schätzen weiß – ein selbstbestimmtes Leben mit einer Zukunftsperspektive ohne Schmerzen, das ist die Hoffnung der 41-Jährigen. Daher setzt sie auch darauf, dass die Spendenaktion zum Erfolg führt. Etwa die Hälfte der benötigten Summe ist schon zusammengekommen.

https://www.gofundme.com/f/mutter-von-drei-kindern-braucht-eure-hilfe

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