Anleitung für Nistkasten

So rüstet man sich mit Self-made-Schutz gegen die Gift-Raupe

Wolfgang Schmidt bringt in Ehningsen einen Meisen-Nistkasten an der Eiche im Garten von Eva Kohlhage an.
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Wolfgang Schmidt bringt in Ehningsen einen Meisen-Nistkasten an der Eiche im Garten von Eva Kohlhage an.

Gegen den Eichen-Prozessionsspinner gibt es ein gutes Mittel: Seinen natürlichen Feind, die Meisen. Im Kreis Soest verrät ein Dorfverein, wie er sich flächendeckend gegen die Gift-Raupe rüstet.

Ehningsen – Wenn in diesen Wochen in Ehningsen in den Werkstätten verstärkt gesägt, gebohrt und gehämmert wird, dann sind das wahrscheinlich die Mitglieder des Dorfvereins bei der Produktion von Nistkästen für Blau-, Kohl- und Tannenmeisen. Die Initiatoren einer Aktion des Dorfvereins sind Eva Kohlhage und Wolfgang Schmidt. Sie haben sich wie andere Naturfreunde nah und fern auch der Dezimierung des Eichen-Prozessionsspinners angenommen und an fast allen Eichen im Ort Meisen-Nistkästen angebracht.

Der lästige Nachtfalter aus der Familie der Zahnspinner oder besser seine unzähligen gefräßigen Raupen gefährden heimische Eichenbestände besonders an Wald- oder Wegesrändern und auch die Menschen, die in ihre Nähe kommen, denn die Brennhaare der Raupe können beim Menschen durch Giftstoffe eine starke allergische Reaktion, die so genannte Raupendermatitis, auslösen.

Anhand dieser Skizze bauen die Ehningser ihre Nistkästen.

Nistkastenbau - so geht´s

Die Bretter (20 mm) kann man sich im Baumarkt zuschneiden lassen, wenn der dort zuständige Handwerker gerade Zeit dafür hat. Benötigt wird weiterhin die 50 Zentimeter lange Dachlatte, 16 Schrauben der Größe 4x35 sowie ein längerer Nagel für die untere Befestigung der Vorderfront, die aufklappbar sein muss (Metalle am besten rostfrei).

Der Nistkasten sollte wegen dem Schutz vor Witterungseinflüssen möglichst im Halbschatten in zwei bis drei-Metern Höhe aufgehängt werden mit dem Flugloch in Süd-Ost-Ausrichtung. Benötigtes Werkzeug: Wenn das Holz nicht im Baumarkt zugeschnitten wird, eine Stich-, Kreis- oder Kappsäge, weiterhin eine Bohrmaschine mit 4 und 6 Millimeter-Bohrer (oder Akkuschrauber) sowie ein Schraubendreher. Zum Schutz des Einflugs kann noch eine dünne Metallplatte mit einem entsprechenden Loch angebracht werden (siehe Zeichnung des Kastens).

Wer den Kasten etwas aufhübschen will, kann die Holzkanten außen leicht rund abschleifen. Leinöl macht das Holz insbesondere das dach wasserabweisend und länger haltbar. Innen muss das Holz aufgerauht sein, damit die Jungen daran hochklettern können. Der Kastenboden sollte zur Belüftung mit mehreren Bohrlöchern versehen werden und sollte nach dem Schlüpfen der Jungen gereinigt werden. Kosten pro Nistkasten rund 3,50 Euro.

Die Bekämpfung der Eichen-Prozessionsspinner ist wegen der Brennhaare problematisch. Einsatz von Insektiziden wird nur dort vorgenommen, wo Menschen zum Beispiel neben Kitas unmittelbar gefährdet sind. Zumeist werden die Nester unter Schutzbekleidung abgesaugt. Die Ehningser Initiative schließt sich einer natürlichen Bekämpfungsmethode an. Durch den Einsatz von Meisen, die während der Brutzeit besonders eifrig Insekten sammeln und an ihre Jungen verfüttern, sowie durch die flüggen Jungvögel sollen die Raupen im frühen Entwicklungsstadium dezimiert werden, sodass im kommenden Jahr weniger Eier abgelegt werden. Anhänger der Methode sind überzeugt davon, dass die Meisen die Raupen als Beute entdeckt und akzeptiert haben.

Der Dorfverein stellt deshalb auch den Bauplan für Meisenkästen zur Nachahmung der Aktion vor. Der Nistkasten ist mit zwei Bretterbreiten von 14 und 18 Zentimetern und einer Dachlatte als Befestigung leicht nachzubauen.

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