50 Jahre Narrentreiben

So war das damals, als der Karneval nach Welver kam

Zeitungsseite Anzeiger
+
Ein Blick in eine Anzeiger-Ausgabe aus dem Februar 1971 mit dem Bericht über die große Prunksitzung.

Vor 50 Jahren stig die erste große Prunksitzung in der damals noch neuen Bördehalle.

Welver – „Welveraner bestanden ihre erste Narrenprobe“– eine Meldung in einer früheren Ausgabe im Archiv unserer Zeitung, die in diesen Tagen aus doppeltem Grund ihre besondere Bedeutung bekommt: Denn genau vor 50 Jahren stellte der SV Welver mit Herbert Waschk und Renate Lüsse in einer großen Prunksitzung das erste Prinzenpaar vor. Ein goldenes Jubiläum also, doch wegen Corona fällt die Session in diesem Jahr flach. Die umjubelte Premiere stieg seinerzeit zum Endspurt der tollen Tage in der nigelnagelneuen Bördehalle – die ist inzwischen in die Jahre gekommen, und ihre Zukunft steht in den Sternen. Wir blicken zurück.

Wie war das damals? Egbert Teimann, karnevalistisches Urgestein und einstiger Präsident, erinnert sich noch gut an die Anfänge: „Otto Weimann und Erich Busemann gehörten zu den Initiatoren.“ Eine Uraufführung von damals ist unvergessen und klingt bis heute nach: Rolf Siepmann und Hans Edingloh kreierten den Schlager des Abends, der sich über ein halbes Jahrhundert erhalten hat und (nicht nur) in Welver in vieler Munde ist: „Ja, wir sind von Welver, da geht‘s von selber, die ganze Nacht...“

Da geht’s von selber...

Der Berichterstatter im Anzeiger sollte nach einem langen fröhlichen Abend, der erst in den frühen Morgenstunden endete, Recht behalten, als er feststellte, dieses herrliche, mitreißende Gute-Laune-Lied habe reale Chancen als Welveraner Nationalhymne zu überleben. „Schmissig vorgetragen kam‘s beim Publikum an, das närrische Volk wollte ihn immer wieder hören, den Song vom nächtlichen Welver“, hieß es montags in der Tageszeitung.

„Weh dem, der Schlechtes dabei denkt.“

Das Motto lautete damals „Welver steht kopf“. De Anzeiger fügte hinzu: „Weh dem, der Schlechtes dabei denkt.“ Die Organisatoren, die das stimmungsvolle Fest mit vielen witzigen und pfiffigen Ideen vorbereitet hatten, müssen mit einem regelrechten Ansturm gerechnet haben, baten sie doch zwei Tage, bevor es in die Bütt ging, den Wagen möglichst zuhause zu lassen, für die Rückfahrt ständen nach dem Programm Taxen bereit. Jeder solle sich willkommen fühlen, närrischer Putz sei an der Kasse zu erwerben. Die Einladung, zu lachen, zu singen, zu schunkeln, zu klatschen und sich köstlich zu amüsieren, kam auf Anhieb an: „Die äußeren Voraussetzungen sind in der Gemeinschaftshalle als ideal zu bezeichnen. Wie viel hundert erwartungsfroh und bunt bemützte Besucher Einlass fanden, wird sich aufgrund der großen Zahl der Stehleute nicht ermitteln lassen. Sie als brummvoll zu bezeichnen wäre eine arge Untertreibung“, erfuhren unsere Leser.

Welvers Karnevalisten waren in ihrem Element. Immer wieder erklang das „Humba Täterä“ und natürlich der soeben aus der Taufe gehobene Gassenhauer von einem Welver, in dem alles von selber geht. „Schön wär‘s, wenn es so wäre“, soll der etwas elegische Kommentar von Bürgermeister Otto Weimann so zwischen halb zwei und drei Uhr morgens gelautet haben. Er hatte zum Einstand die Rolle des Präsidenten übernommen und auf die Frage, ob er denn Lampenfieber habe, mit einem Schmunzeln geantwortet, im Gemeinderat gehe es ebenso turbulent zu, wie hier im Saal.

Bewährungsprobe bestanden

Egbert Teimann erzählt über die Akteure der ersten Stunde, die sich mit dem Sportverein auf den Weg machten, um humorig den weißen Flecken auf der karnevalistischen Landkarte in Soests Nordwesten nach und nach zu beseitigen. Der damalige Gemeindedirektor Max Herberg, Alfred Jürgens, Heinz Rudack und Ulrich Schildheuer gehören ebenso dazu wie der Kirchenchor Cäcilia sowie als Hof-Komponisten Vater und Sohn Silber. Das singende Trio Frank Gerdes, Rolf Siepmann und Heinrich Krellmann (GeSiKrell) unterhielt die Massen, Einar Bause gefiel als Sänger, Gitarrist und Entertainer. Die Liste der Namen ließe sich noch lange fortsetzen. Beim farbenfrohen „Finale wie in Mainz“ stand fest: Der Welveraner Karneval hat seine Bewährungsprobe bestanden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare