Kapitän a.D. Voskamp aus Schwefe: "Menschen in Seenot müssen gerettet werden. Punkt!"

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Hans Georg Voskamp erlebte als Kapitän mit, wie die von ihm geführte „Santa Balbina“ auf ein Wrack mit Flüchtlingen im Mittelmeer stieß.

Schwefe - Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel hat Hans Georg Voskamp schon seit einigen Jahren nicht mehr: Der Schwefer ging 2014 zum letzten Mal von Bord, nachdem er zuvor über 40 Jahre zur See gefahren war, rund die Hälfte davon als Kapitän auf großen Frachtschiffen. Nicht nur wegen seiner beruflichen Biografie geht ihm das Drama um die deutsche Kapitänin Carola Rackete besonders unter die Haut, die sich in Italien wegen der Rettung von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer vor Gericht verantworten muss.

Seinen Anker mag der inzwischen 69-Jährige in einem idyllischen alten Landhaus in seinem Heimatort geworfen haben, in seinem Herzen aber ist er immer noch draußen auf hoher See – und doch auch mit beiden Beinen auf dem Boden der geopolitischen Tatsachen. „Ich hätte genauso gehandelt wie sie. Menschen in Seenot müssen gerettet werden. Punkt!“ lässt Voskamp keinen Zweifel daran aufkommen, wem seine Sympathien gelten. „Kapitänin Rackete hat das getan, was sie tun musste und was jeder Kapitän auf dieser Welt getan hätte“, stellt Voskamp klar. 

Und dabei schließt er sich selber natürlich ein. In der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 2013 stand er selbst auf der Brücke des Containerschiffes „Santa Balbina“, auf dem Weg nach Malta, als die italienische Seennotzentrale in Rom Schiffbrüchige in der Region meldete. Einige Stunden später sichteten Voskamp und seine Crew tatsächlich ein Wrack mit 63 Menschen aus Syrien an Bord und nahmen sie auf: Babys, Männer, Frauen, Greise. 

Männer, Frauen, Babys, Greise: 63 verzweifelte Menschen aus Syrien überlebten ihre Fahrt übers Mittelmeer nur, weil die Santa Balbina sie aufnahm.

Weil die verzweifelten Flüchtlinge auf keinen Fall nach Malta wollten, drehte Voskamp ab und steuerte einen italienischen Hafen an. „Damals war es selbstverständlich, dass diese Menschen dort aufgenommen wurden“, erinnert er sich. 

Die Rettungsaktion machte internationale Schlagzeilen, für Kapitän Voskamp änderte das aber nichts daran, dass das Aufnehmen der Schiffbrüchigen „die blanke Selbstverständlichkeit“ war. 

Dass Schiffen, die Ertrinkende gerettet und aufgenommen haben, heute der Zutritt zu Mittelmeerhäfen verwehrt wird, ist für ihn vor allem ein eindeutiges Zeichen, dass die Politik versagt hat: „Italien, Spanien und Griechenland wurden vom Rest Europas im Stich gelassen“, klagt er an. 

Nach ihrer Rettung wurden die Schiffbrüchigen nach Italien gebracht - damals kein Problem.

Was später an Land mit den Flüchtlingen passiere, könne aber in der akuten Notsituation auf hoher See unmöglich ein Grund sein, Menschen ertrinken zu lassen. „Da gibt es überhaupt kein Wenn und Aber!“

Soester kann Einsatz nicht vergessen

2015 war auch der Soester Jochen Siering, Fregattenkapitän der Reserve, mehrere Monate als Logistikoffizier aktiv an der Rettung von schiffbrüchigen Flüchtlingen im Mittelmeer beteiligt. Bei allen erschütternden Dramen, die er dabei sah, ist er heute noch froh, dass es während seines Einsatzes zu keinen Todesfällen an Bord kam. Er hält auch Bildvorträge zu seinem Einsatz im Mittelmeer.

Quelle: Soester Anzeiger

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