Urgestein nimmt nach 45 Jahren Abschied vom Rat

Klaus-Theo Rohe verlässt die Politik-Bühne von Welver

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Zieht Bilanz: Klaus-Theo Rohe wünscht sich, dass der Rat seine Entscheidungskompetenz behält. Foto: DÜLBERG

Welver - Nachdem Jürgen Dahlhoff (BG) seinen Platz im Rat schon vor gut zwei Jahren geräumt hat, verlassen auch Klaus-Theo Rohe (SPD) und Wolfgang Daube (CDU), beide ehrenamtliche Ex-Bürgermeister von Welver, die politischen Gremien.

Nach den Kommunalwahlen wird es erhebliche Veränderungen in der Zusammensetzung des neuen Rates geben.

Mit den streitbaren Urgesteinen der Welveraner Kommunalpolitik verliert der Rat allerdings viel Erfahrung und lokalpolitische Kompetenz. Michael Dülberg sprach mit Daube und Rohe über ihre Zeit in der Lokalpolitik. Heute die Bilanz von Rohe: 

In Recklingsen zur Welt gekommen

Klaus-Theo Rohe, bei einer Hausgeburt im Elternhaus in Recklingsen vor 70 Jahren auf die Welt gekommen, trat 1969 in der Ära des SPD-Bundeskanzlers Willy Brandt in die sozialdemokratische Partei ein. Bereits 1975, noch während seines Jura-Studiums an der Wilhelms-Universität in Münster, war er Mitglied des Rates. Überraschend zog damals die Reserveliste der SPD bis auf Platz 11. Seither wirkte Rohe ständig im Planungsausschuss und später 25 Jahre im Hauptausschuss mit. 

Bürgermeister von 1984 bis 1992

Von 1984 bis 1992 leitete er den Rat als ehrenamtlicher Bürgermeister. In seinem Wahlkreis Recklingsen kandidierte er seit den 80er-Jahren direkt und immer siegreich. In der SPD kandidierte Rohe in den 80er-Jahren zweimal vergeblich als Bundestagskandidat. Heute ist er ganz froh darüber, dass es nicht geklappt hat. Er wäre ungern wegen der großen Entfernung nach Berlin gegangen, weil er befürchtete, dann den Kontakt zur Heimat zu verlieren. „Ich habe hier auch nichts vermisst“, bilanziert der Jurist. 

Ansieglung von Rossmann großer Erfolg

Zu seinen Erfolgen zählt Rohe, dass es ihm durch persönliche Kontakte gelungen ist, den Drogisten Rossmann ins Zentrum von Welver zu holen wie auch Aldi und Edeka an der Ladestraße anzubinden. Weitere Projekte waren das Sportzentrum, das geschaffene Baurecht in Recklingsen durch eine Abrundungssatzung und der Dorfplatz in seinem Dorf. Bürgerversammlungen hätten zu mehr Beteiligung der Welveraner geführt. Dann lag sein Augenmerk noch auf dem Wegebau, für den über eine Million Euro bereitgestellt werden.

Rat muss Entscheidungskompetenz bewahren

Für Welver wünscht er sich zum Abschied, dass der Rat seine Entscheidungskompetenz behält. Nachdem er lange Verfechter de Urwahl des hauptamtlichen Bürgermeisters, sieht er diesen Systemwechsel heute kritisch. Das alte System mit ehrenamtlichen Bürgermeister sei strukturell besser gewesen. In Welver habe sich unter anderem beim Verkauf von Raiffeisen, beim Filetstück, Haushalt und Knappstraße gezeigt, dass der Bürgermeister den Rat als Willenbildungsorgan in den vergangenen Jahren weitgehend ausgeschaltet habe. Rohes Fazit: „Es war eine spannende, weil kontroverse Zeit. Das ist auch gut so, denn Politik ist ein Wettbewerb unterschiedlicher Ideen und Interessen. 

"Politik ist nicht Friede, Freude, Eierkuchen"

Es kann nicht nur Friede, Freude Eierkuchen geben, nein, da darf es auch schon einmal etwas härter zugehen.“ Rohes größte Sorge: „Dass die Politik trotz aller gegenteiligen Beteuerungen verlernt, Zukunftsentwürfe für Welver und die Ortsteile zu entwickeln. Politik soll selber machen und nicht machen lassen, das hat SPD immer gekonnt.“ Und über seinen langjährigen Kontrahenten Ex-Bürgermeister Wolfgang Daube (CDU): „Streitbarer Ratskollege mit dem sich die Diskussion meistens gelohnt hat“. Lesen, Fahrradfahren und Modelleisenbahn stehen neben der Familie für die Zukunft auf dem Stundenplan. Beruflich will Rohe kürzer treten, das Notariat hat er mit erreichen der Altersgrenze aufgegeben, er will als Rechtsanwalt aber weiter ansprechbar bleiben.

Quelle: Soester Anzeiger

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