Umgestaltung „Am Markt“

Vorschläge für Welvers Ortskern: Riesige Resonanz bei Bürgerbeteiligung

Die Ideen der Bürger nahmen am Stand der Gemeinde Detlev Westphal (Bauamt), Jacqueline Thate (Pesch und Partner), Stefanie Fuest (Bauamt Welver) und Gerold Kalkowski (Pesch und Partner) entgegen.
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Die Ideen der Bürger nahmen am Stand der Gemeinde Detlev Westphal (Bauamt), Jacqueline Thate (Pesch und Partner), Stefanie Fuest (Bauamt Welver) und Gerold Kalkowski (Pesch und Partner) entgegen.

Auf die Idee muss erst einmal jemand kommen. „Eine ältere Dame sagte mir, es fehle eine öffentliche Toilette rund um den Marktplatz. Die könne man doch in dem Häuschen installieren, wo früher die Fahrkartenausgabe war. Da wäre doch eine Toilette drin“, erzählte Udo Stehling, Fraktionsvorsitzender SPD, von einem Gespräch am frühen Morgen auf dem Welveraner Wochenmarkt.

Welver – Er hatte mit den Vertretern von drei weiteren Ratsfraktionen einen Infostand aufgebaut neben dem Stand der Gemeinde, wo am Freitag die Verwaltung und das Planungsbüro Pesch und Partner aus Dortmund die Anregungen der Welveraner im Rahmen der Bürgerbeteiligung entgegennahmen.

Die Resonanz war ziemlich überwältigend. In großer Zahl nahmen die Marktbesucher die Gelegenheit wahr, den Experten und Politikern ihre Meinung kundzutun. Auch Ex-Bürgermeister Wolfgang Hörster, von 2004 bis 2009 am Ruder, nahm Stellung: „Der Hügel muss weg. Das hatten wir zu meiner Zeit schon vor. Doch gab es aus Arnsberg ein Nein, weil die Hügel damals mit Fördermitteln gebaut worden waren.“

Hörster spricht sich für eine Einbahnstraße aus, an der vor allem Parkplätze für Leute mit Handicap vor den Arztpraxen und Geschäften vorgehalten werden müssten. „Wer gut zu Fuß ist, kann auch ein paar Meter weiter zu den Parkplätzen außerhalb gehen.“

Peter Riechert, langjähriger Vorsitzender des Judoclubs, geht einen Schritt weiter: „Ich bin für eine Fußgängerzone. Es ist doch ein Anachronismus, dass andere Orte den Autoverkehr aus den Zentren verdrängen, hier aber weiter direkt vor die Türen gefahren werden soll. Da könnte doch ohnehin nur ein Wagen stehen“, macht er seine Meinung deutlich. Wichtig sind ihm Sitz- und Spielgelegenheiten und nicht zuletzt eine Eisdiele. „Die hatten wir früher schon mal, da haben immer viele Leute gesessen.“
Auch müsste der Marktplatz freigehalten werden für Veranstaltungen. Er sieht die Entwicklung in guten Händen. „Da sind jetzt jüngere Leute im Team, die Sachverstand einbringen.“

Für Sitz- und Spielgelegenheiten sprechen sich auch Vanessa und Marlon Teiner aus. Das junge Paar besuchte mit seinen Töchtern Sophie und Paula den Wochenmarkt. „Für die Kleinen gibt‘s hier nichts, das müsste sich ändern. Vielleicht zwei, drei Spielgeräte mit Sitzgelegenheiten drumherum“, stellen sie sich vor. Dabei könnte der Autoverkehr durchaus in beide Richtungen laufen, so Marlon Teiner, aber: „Es muss besser kontrolliert werden.“

Das Tempo, das auf Marktplatz und der Straße Am Markt von manchem Autofahrer an den Tag gelegt wird, treibt auch Dieter Fischer um: „Die Hügel sind eine Geschwindigkeitsbremse. Wenn die weggemacht würden und dann noch keiner mehr entgegenkommen kann bei einer Einbahnstraße, hält sich keiner mehr an Tempo 30“, mahnt der einstige Spielertrainer des SV Welver.

Die Geschwindigkeitskontrolle ist auch Uwe Giesler ein Anliegen. Der Frisör beobachtet nicht nur als Inhaber des Frisiersalons die Verkehrssituation vor seinem Geschäft, sondern als Bewohner auch die Lage am Abend: „Man muss das Tempo in den Griff kriegen. Das ist das wichtigste Thema, schließlich laufen hier Kinder zwischen den großen Autos her.“ Dabei hält auch er die Hügel für automatische Bremsen. „Wer zu schnell darüber fährt, der setzt auf.“ Ein Anliegen ist ihm zudem, dass an den Bänken Mülleimer installiert werden.

Gerd Mesche aus Schwefe kommt mit dem Bürgerbus zum Wochenmarkt. Er plädiert für eine Einbahnstraße ab Bäckerei Neuhaus und das Entfernen der Hügel. „In der Straße sollte man maximal eine Stunde parken dürfen. Wer gut zu Fuß ist, kann doch etwas laufen.“

Heinz Lückenkemper aus Welver setzt sich für Fahrrad-Stellplätze ein, insbesondere rund um die Gastronomie, hat er hier auch die Situation am Amtsschimmel vor Augen.

Annette Meisterernst aus Welver ist die barrierefreie Beschaffenheit der Straßenoberfläche ein Anliegen. Der Marktplatz müsse in der Mitte autofrei werden, stattdessen schlägt sie Stellplätze direkt vor dem Rathaus vor. „Dann können die Leute schnell ihre Angelegenheiten erledigen“. Dabei müsse eine Zu- und Abfahrt in Höhe vom Kiosk gewährleistet werden.

Mehrheit für Einbahnstraße

Die Einrichtung einer Einbahnstraße erscheint auch der Mehrheit der Bürger sinnvoll, die sich am Infostand meldeten. Dabei wird der Beseitigung der Hügel Priorität eingeräumt. „Wir bieten online ein Crowd-Mapping an, da können die Leute Fähnchen setzen, was ihnen besonders wichtig ist und ihre Zustimmung oder Ablehnung deutlich machen“, erläutert Bauamtsleiter Detlev Westphal. Dabei erfährt der Vorschlag, den Hügel vor der Sparkasse zu glätten, volle Zustimmung. Beim bisherigen, enorm großen Rücklauf der per Post verteilten Flyer, wird ebenfalls überwiegend die Einbahnstraße gefordert. „Die Leute wollen aber auch in die Nähe der Geschäfte fahren können“, heißt es vom Bauamt.

Gerold Kalkowski vom Planungsbüro Pesch und Partner aus Dortmund kann deren Argumente nachvollziehen, würde Kurzzeit-Parkplätze empfehlen, insbesondere vor Arztpraxen und Apotheke. Andererseits: „Es wäre schon schöner, nicht auf Blech zu gucken, wenn man in der Außengastronomie sitzt.“ Der Experte sieht großes Potenzial in der Welveraner Ortsmitte: „Es tut sich ja eine Menge mit der Umgestaltung vom Bahnhof und dem Neubau auf dem Raiffeisengelände.“

Gespannt blicken auch die Marktbeschicker auf die weitere Entwicklung. „Es ist gut, dass was passiert“, plädiert Jutta Nölken vom Gemüsebau aus Scheidingen für eine Straßenberuhigung. „Es wäre auch okay, die Straße dichtzumachen für Autos. Hinter den Geschäften ist doch genug Platz zu Parken“, hat sie eine klare Meinung.

Jens Kruse, der mit seiner Metzgerei seit fast 30 Jahren aus Versmold nach Welver kommt, hat einen ganz praktischen Vorschlag: „Die Kabel müssten abgedeckt werden“, sieht er in den Strippen, die sich während des Markttages über den Platz schlängeln, gefährliche Stolperfallen.

Vielleicht lässt sich dies mit Matten bewerkstelligen, wie es sich Kay Philipper von Welver 21 auch für den Abendmarkt in Zukunft vorstellen kann. Er hat aber noch ganz andere Sorgen: „Der Wochenmarkt steht auf tönernen Füßen. Wir müssen neue Stände herholen“, fordert er, das Angebot zu erweitern. „Vielleicht lassen sich Anbieter vom Abendmarkt rekrutieren.“

Ob Wochenmarkt oder Abendmarkt – in beiden Fällen könnte der Fall eintreten, dass sich die Besucher darüber freuen würden, wenn der Vorschlag der eingangs erwähnten Dame aufgegriffen wird. Denn auch für Marktbesucher könnte sich die Situation ergeben, dass sie heilfroh wären, wenn eine öffentliche Toilette ganz in der Nähe zur Verfügung stehen würde.

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