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Zirkus lässt Kinderherzen höher schlagen

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Von: Dirk Wilms

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Silke Hühner und Wolfgang Wördenweber gingen Artist Christian Tomaschewski tatkräftig zur Hand.
Silke Hühner und Wolfgang Wördenweber gingen Artist Christian Tomaschewski tatkräftig zur Hand. © Dirk Wilms

Fernab von elektronischen Bespaßungsgeräten, ohne den vielfach obligatorischen Blick auf einen Bildschirm, sei es der TV-Screen mit den neuesten Folgen einer amerikanischen Zeichentrickserie bei einem Streaming-Dienst oder das Smartphone mit den aktuellen Games – fernab von all jenen Vergnügungen, die den Mädchen und Jungen der Corona-Generation die Langeweile vertreiben sollen, hatten die Kinder der Bernhard-Honkamp-Schule am Montagvormittag Spaß und Vergnügen auf ganz und gar analoge Art.

Der „Circus Tausendtraum“ hat seine Manege in der alten Turnhalle der Grundschule aufgebaut und führte den Mädchen und Jungen der Klassen 1 bis 4 in drei Vorstellungen ihr jeweils einstündiges Programm vor. Gebannt verfolgten die Schüler und Schülerinnen das Spektakel in der Manege. Ihr Lachen und Juchen erwies sich als untrüglicher Beleg dafür, dass sie offenbar jede Menge Freude hatten.

Nicht eine Sekunde blickten sie vermeintlich gelangweilt in die Runde, wirkten vielmehr fasziniert von dem Geschehen, das David Selle und seine Mitstreiter vor ihnen zelebrierten. Gleich zu Beginn machten die Kinder begeistert mit, als der Zirkusdirektor höchstpersönlich den imaginären Hund „Rudi“ vor das junge Publikum führte. Pia erklärte sich sogar bereit, den Dackel in die Manege zu heben. Vorstellungskraft ist eben alles.

Da durften mit Lehrer Wolfgang Wördenweber und Integrationskraft Silke Hühner auch zwei Erwachsene mithelfen, als viel Kraft gefordert war bei einem Kunststück von Christian Tomaschewski. Zwei ihrer erwachsenen Bezugspersonen aus der Schule in Aktion zu sehen, belohnten die Kinder mit großem Applaus.

Lachsalven rief Julie Urmes als Clown hervor, während sich Daniel artistisch darum bemühte, einen Luftballon wieder von der Hallendecke nach unten zu befördern. Laura Cohn schließlich brachte mit ihrer Hula-Hoop-Vorstellung richtig Schwung in die Halle.

Sie alle kümmern sich in den nächsten Tagen um das Training mit den Kindern, die klassenweise Kunststücke einüben. Bis Freitag wird ein Programm auf die Beine gestellt, das schließlich am Freitagnachmittag und am Samstag aufgeführt wird. Dabei dürfen Corona-bedingt keine Zuschauer anwesend sein; doch werden die Auftritte gefilmt und können später angeschaut werden.

David Selle und seine Mitstreiter sind heilfroh, wieder ihren Traum vom Zirkus leben zu können. „Im März 2020 waren wir in Langenberg, da kam der Lockdown, wir mussten unser Zelt abbrechen“, erinnert sich Clown Julie Urmes noch an den Beginn der Pandemie. Danach konnte nur einmal in Travemünde noch in 2020 ein Projekt ohne Zuschauer durchgeführt werden, ehe im Sommer 2021 immerhin in sechs Schulen Projekte liefen. In diesem Jahr startete der „Tausendtraum“ mit einer Projektwoche in Hamm, in Welver läuft jetzt die zweite, was zugleich das Debüt in der Niederbörde-Gemeinde ist.

Währenddessen hatten sich Selle und Co. mit einem weiteren Problem herumzuschlagen. Denn in der Zwangspause war ihr Zelt durch Kondenswasser vergammelt, nachdem der geplante Hallenbau aus finanziellen Gründen ins Wasser gefallen war. Die daraufhin gestartete Crowdfunding-Aktion war indes von durchschlagendem Erfolg. „Wir haben bereits 32 500 Euro gesammelt“, berichtet David Selle von der noch bis zum 1. Februar laufenden Sammlung. So konnte bereits das neue Zelt bestellt werden. „Wir holen es am 3. Februar beim einzigen Hersteller solcher Zelte in Deutschland aus Hamburg ab“, freut sich Selle über den Erfolg in diesen für Zirkusleute so harten Zeiten.

Jetzt aber wird erst einmal vier Tage mit den Kindern in Welver geübt, damit die Mädchen und Jungen am Wochenende selber zu Artisten werden können. Dann heißt es: Manege frei!

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