Unterstützung bei der Pflege

Vater im Wachkoma: Familie hofft seit Monaten auf Hilfe

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Die Welveraner Familie Koller wartet weiter auf zusätzliche Pflege-Hilfe – bislang ohne Erfolg.

Welver – Seit jenem Tag im September 2019 ist für die Familie Koller aus Welver nichts mehr so, wie es einmal war. Klaus Koller, Jahrgang 1961, war in seinem Auto bewusstlos aufgefunden worden, aufgrund eines Hirninfarkts ist er seither im Wachkoma.

Nach diversen Krankenhausaufenthalten, auch wegen Lungenentzündungen, wurde er letzten Endes im November nach Hause entlassen, damit er dort von seiner Familie weitergepflegt werde – verbunden mit der Hoffnung, dass das heimische Umfeld und der ständige Kontakt zur Familie Impulse geben, die zu einer Verbesserung führen. Das Krankenhaus habe die Entlassung mit einem Pflegedienst veranlasst, der sie unterstützen sollte, berichtet Ehefrau Rita Koller. 

Doch die zusätzliche Pflege wurde von der DAK bisher abgelehnt. Rita Koller sieht sich deshalb mit einer doppelten Herausforderung konfrontiert. Denn die Eheleute sind Inhaber des Pflegedienstes „Helping Hands“ in Hamm mit 39 Mitarbeitern. Wegen der Erkrankung ihres Mannes ist Rita Koller im Betrieb nun voll gefordert, die beiden acht und elf Jahre alten Kinder müssen ebenfalls umsorgt werden und leiden unter der schweren Erkrankung ihres Vaters. 

Auf der anderen Seite kann Rita Koller ihren pflegebedürftigen Mann nicht allein zu Hause lassen, denn laut den ärztlichen Berichten liegt bei ihm ein apallisches Syndrom vor, verbunden mit Schluckstörungen und einer Aspirationsgefahr, also dem Verschlucken mit Eindringen von festen oder flüssigen Stoffen in die Lunge. 

DAK lehnt ab

Die DAK habe die vom Krankenhaus veranlasste Pflege jedoch noch in den Zeiten vor Corona abgelehnt, eine medizinische Begutachtung zu Hause habe es allerdings nicht gegeben. Nach mehreren Telefonaten habe ein Pflegeberater der Krankenkasse mitgeteilt, dass der MDK nach Aktenlage entschieden habe und keine Gründe für eine häusliche Pflege sehe, berichtet Rita Koller. 

Rainer Lange, der für NRW zuständige Pressesprecher der DAK, erklärt auf Anfrage, dass ein persönlicher Besuch des MDK zur Beurteilung der Pflege immer nur eine Momentaufnahme sei. Eine Schluckstörung mit Aspirationsgefahr lasse sich gegebenenfalls auch während des Besuchs durch einen Gutachter nicht akut feststellen. Eine Begutachtung nach ärztlichen Berichten sei in diesen Fällen daher üblich. 

Demgegenüber verweist Rita Koller darauf, dass genau solche Arztberichte vorliegen, wegen der Schluckstörung müssten bei ihrem Mann regelmäßig Sekret-Ansammlungen abgesaugt werden, um erneuten Lungenentzündungen vorzubeugen. Bei einer Begutachtung nach ärztlichen Berichten hätte dies folglich berücksichtigt werden müssen. 

Nachdem Widerspruch eingelegt wurde, besteht immerhin Hoffnung, weil die DAK den MDK bezüglich der Frage der besonderen Krankenbeobachtung inzwischen um ein Zweitgutachten gebeten hat. Rainer Lange: „Wir wollen uns vergewissern, dass alle Aspekte berücksichtigt wurden, die leistungsrelevant sind und ob gegebenenfalls eine andere Beurteilung möglich ist.“ Sollte die Beurteilung jedoch wie bisher bestehen bleiben, würden die Unterlagen an den Widerspruchsausschuss gehen. 

Wie die Frage einer Unterstützung bei der Pflege ihres Mannes ist auch der Einsatz eines besonderen Hilfsmittels zwischen Krankenkasse und Versichertem ungeklärt. Zusätzlich hatte die DAK Mitte April nämlich einen elektrischen Rollstuhl mit Stehfunktion abgelehnt, obgleich eine stehende Position, wie Rita Koller betont, nach Ansicht der Therapeuten wichtig sei für die Muskulatur, die Verdauung und den Blickkontakt auf Augenhöhe. 

Streit um Rollstuhl mit Stehfunktion

Rainer Lange bestätigt, dass eine Stehfunktion auch nach dem Gutachten des MDK durchaus wichtig sei, allerdings stelle der MDK auch fest, dass eine alternative Versorgung sinnvoller ist. Der Versicherte liege im Wachkoma und könne einen E-Rollstuhl nicht selbst bedienen. Hier seien eine Schiebehilfe für den Pflegerollstuhl und ein Stehtrainer zweckmäßiger. Auch in dieser Frage heißt es für Rita Koller und ihre Familie vorerst, die weiteren Verhandlungen mit der Krankenkasse abzuwarten, ärgerlich genug, denn die aktuelle Situation erfordert schon reichlich Kraft und Nerven.

Quelle: Soester Anzeiger

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