Welveraner Kindergarten erfährt Verstärkung vor der Erweiterung

Neulinge im Tausendfüßler

Leiterin Andrea Schmidt (links) freut sich über die Verstärkungen ihres Teams, hier mit Ines Wald.
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Leiterin Andrea Schmidt (links) freut sich über die Verstärkungen ihres Teams, hier mit Ines Wald.

„Willst Du Dir den ganzen Tag das Geschreie der Kinder anhören?!“ Ines Wald und Selina Beine ernteten in den vergangenen Jahren nicht selten Kopfschütteln bei ihren Altersgefährten angesichts ihrer Berufswahl. Windeln zu wechseln erscheint vielen Zeitgenossen nicht unbedingt als Traumjob. Doch die beiden Newcomerinnen beim Kindergarten „Tausendfüßler“ in Welver haben sich von Skeptikern ihren Beruf nicht madig machen lassen – im Gegenteil. 

Welver - Mit großem Elan stellen sie seit einem Monat im erweiterten Team der kommunalen Einrichtung an der Lindenstraße der Herausforderung, den kleinen Steppkes aus der Niederbörde beim Weg ins Leben behilflich zu sein.

„Wenn man morgens noch ein wenig verschlafen zur Arbeit kommt, die Stühle von den Tischen auf den Boden stellt, steigt die Motivation sofort, wenn das erste Kind mit strahlenden Augen in den Gruppenraum kommt“, erfährt Selina Beine fast jeden Tag aufs Neue, wie faszinierend ihr Beruf ist. „Selbst wenn man einen anstrengenden Tag hinter sich hatte, nimmt man immer einen Satz, einen Moment mit nach Hause, über den man sich freuen kann“, pflichtet ihr Ines Wald bei. „Es ist ein schönes Gefühl und macht einen stolz, wenn man Kindern etwas mitgeben kann.“

Die beiden Frauen gehören zu den sechs neuen Kräften in der Welveraner Einrichtung, die zum 1. August ihre Stelle angetreten haben. Andrea Schmidt, seit 2006 Leiterin im „Tausendfüßler“, war im Frühsommer noch skeptisch, ob es wirklich gelingen könne, gleich ein halbes Dutzend Stellen zu besetzen, die mit der Erweiterung des Kindergartens auf fünf Gruppen mit 85 statt 55 Mädchen und Jungen verbunden sind.

Doch es gab gleich 20 Bewerbungen, die es gemeinsam mit Dagmar Lückenkemper von der Personalverwaltung der Gemeindeverwaltung zu sichten galt. „Es war das Bauchgefühl und die Antworten passten“, fielen den Verantwortlichen im Rathaus laut Andrea Schmidt die Entscheidungen leicht, sich die Rosinen herauszupicken. Fünf Anfängerinnen und ein männlicher Bewerber mit Berufserfahrung bekamen den Zuschlag.

Ines Wald war im Internet auf die Stellenanzeige der Gemeinde Welver aufmerksam geworden, als sie noch auf die Note ihrer Abschlussarbeit wartete. „Es war ein großer Vorteil, sich in Welver auch ohne Vorlegen des Abschlusszeugnisses bewerben zu können“, erläutert die 22-Jährige. Hier gab es sofort eine Antwort, bei anderen Bewerbungen wartete sie monatelang auf eine Reaktion.

Ähnlich erging es Selina Beine. „Ich habe mehrere Bewerbungen geschrieben, Welver hat als erstes geantwortet“, war es für sie auch ein wesentlicher Faktor für den „Tausendfüßler“, dass sie hier direkt im Anschluss an die Ausbildung zum 1. August starten konnte. Und auch die Möglichkeit, gleich mit einem Festvertrag in den öffentlichen Dienst zu gelangen, erschien ihr von Vorteil.

Die Werlerin ist auf Umwegen in dem Beruf als Erzieherin gelandet. Nach dem Hauptschul-Abschluss an der Petri-Schule in Werl lernte sie am Börde-Berufskolleg in Soest zwar schon mit 16 Jahren ihre ersten Schritte in Sachen Kinderpflege, sammelte Praxis in der Kita im Werler Norden. Doch erschien ihr die Arbeit zunächst nicht als richtige Wahl, sie wechselte das Metier, absolvierte eine Ausbildung zur Bäckerei-Fachverkäuferin. Nach fünf Jahren in Hilbeck aber erwachte der Wunsch wieder, mit Kindern zu arbeiten: „Wenn kleine Kinder in die Bäckerei kamen, ist mir das Herz aufgegangen!“

Also startete Selina Beine eine Ausbildung zur Erzieherin, nachdem sie zunächst in einer sozialpädagogischen Einrichtung in Westönnen tätig war. „Mit Jugendlichen zu arbeiten, war aber nicht so meins, ist wollte lieber mit kleinen Kindern zu tun haben“, schilderte sie. Ihre ersten Schritte unternahm sie an der Kita im Werler Norden, ging wieder zum Börde-Berufskolleg, war in der Jugendhilfe in Möhnesee und ein Jahr im Katharina-von-Bora-Kindergarten in Soest, bevor sie nun zum 1. August nach Welver kam.

Ines Wald stammt aus Wickede, entschied sich nach dem Abitur am St. Ursula-Gymnasium in Neheim für ein Studium der Frühpädagogik. „Ich wollte schon immer mit Menschen arbeiten“, hatte sie sich bei einem Praktikum in einer Senioreneinrichtung für einen sozialen Beruf begeistert. Allerdings sollten es Kinder sein. Im Rahmen des dreieinhalbjährigen Studiums machte sie praktische Erfahrungen unter anderem in einem Familienzentrum in Neheim, war dort vor allem Kita-Betrieb im Einsatz.

Und nun also Welver. „Ich freue mich darauf, hier das in die Tat umsetzen zu können, was ich im Studium gelernt habe. Die Arbeit ist sehr vielseitig, macht unglaublich viel Spaß und zeigt mir, dass ich die richtige Berufswahl getroffen habe“, ist sie voller Tatendrang. In der Gruppe „Schmetterlinge“ will sie dazu beitragen, die Stärken der Mädchen und Jungen zu entwickeln.

Selina Beine agiert zunächst als Springerin zwischen den „Schmetterlingen“ und den „Grashüpfern“. Die dritte Gruppe im alten Gebäude wird „Marienkäfer“ genannt. Im Neubau, der derzeit unter Hochdruck fertiggestellt wird, werden die Gruppen nach Tieren benannt, die in Bäumen leben. „In unserem Baumhaus werden die Eulen und die Eichhörnchen einziehen“, freut Leiterin Andrea Schmidt auf die baldige Eröffnung des Erweiterungsbaus.

Eröffnung im Oktober

Anfang Oktober soll es soweit sein, in dieser Woche ist auch der 85. Platz im erweiterten „Tausendfüßler“ vergeben worden. Die Ausstattung der neuen Räumlichkeiten wird nach und nach erfolgen. „Einige Einrichtungsgegenstände haben wir schon, einige haben noch Lieferzeit“, erläutert Andrea Schmidt. Das hindert die 18 weiblichen und den einen männlichen Mitarbeiter aber nicht daran, sich dann intensiv um die Neuankömmlinge unter den kleinen Steppkes zu kümmern.

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