Mutter mit drei kleinen Kindern kämpft in Welver vergeblich gegen Raserei auf der Straße

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Gefährlicher Alltag: Kathrin Schnieder versucht, mit ihren kleinen Kindern die Beckumer Straße zu überqueren.

Welver – Tempo 50 ist hier wirklich nur ein frommer Wunsch. Eigentlich müssten die Autofahrer auf der Beckumer Straße, der Haupteinfallsroute von Nordosten nach Welver, deutlich langsamer fahren, als sie es nachweislich tun.

Anliegerin Kathrin Schnieder, die hier täglich mit ihren drei kleinen Kindern die Hauptstraße überqueren will, hat deshalb schon alle Hebel in Bewegung gesetzt, um mehr Sicherheit zu schaffen. Vergeblich. 

Max ist vier und fährt schon mit dem eigenen Rädchen. Seine Geschwister, die zweijährige Nele und der erst sechs Monate junge Felix, nehmen derweil im Fahrradanhänger Platz, wenn Mutter Kathrin mit ihren Steppkes loszieht. Egal, ob die vier direkt vor ihrer Haustür die Beckumer Straße überqueren oder weiter westlich an der kleinen Verkehrsinsel am Pferdekamp: Es bleibt ein mittleres Himmelfahrtskommando, denn hier wird gerast, und die kleine Verkehrsinsel reicht für die vier und ihre Räder samt Anhängerkaum aus. 

„Ich kann nicht verstehen, warum es einer Mutter mit drei Kindern so schwer gemacht wird“, sagt Schnieder im Gespräch mit dem Anzeiger. Sie hat mehrere Vorschläge unterbreitet, Tempo, Anspannung und Angst aus dem Thema zu nehmen: Poller, die am Ortseingang die Straße einengen, um so die Autofahrer einzubremsen; Gefahrenzeichen, abgesenkte Bordsteine, um die Beckumer Straße an sicherer Stelle zu passieren. Denn gleich hinterm Ortseingang befindet sich eine Kurve; wer hier schnell fährt, erkennt erst im letzten Moment Fußgänger und Radfahrer, wenn sie die Straße kreuzen – und umgekehrt. 

Familie Schnieder steht mit ihren Sorgen keineswegs allein. Auch die Kinder der Kitas Bernhard und Schilfkorb kommen hier regelmäßig auf ihren Spaziergängen in den nahe gelegenen Wald lang, ebenso Ältere mit ihren Rollatoren auf dem Weg zum Einkauf. „Ich kann das voll nachvollziehen“, sagt Ortsvorsteherin Monika Korn, „viele Autofahrer halten sich einfach nicht ans Tempo.“ Doch Abhilfe, so die FDP-Ratsfrau, müsste vom Kreis und von Straßen NRW kommen, denn für die Beckumer Straße, eine Landesstraße, sei nun mal nicht die Gemeinde verantwortlich. 

Wie schnell hier tatsächlich gefahren wird, bekommt dieser Tage auch Anzeiger-Fotografin Jutta Niggemeier mit, die von Kathrin Schnieder und ihren drei Kindern ein Bild auf der Straße machen will. „Die meisten brettern hier deutlich schneller als erlaubt durch“, berichtet die Fotografin, „kaum einer hält sich an Tempo 50.“ Dabei ist es der Kreis sogar selber, der diese Raserei Schwarz auf Weiß einräumt und trotzdem keine Veranlassung für Veränderungen sieht. 

In dem Antwortschreiben an Kathrin Schnieder berichtet der Sachbearbeiter von Geschwindigkeitsmessungen an dieser Stelle, die „x-mal“ vorgenommen worden seien. Danach beträgt die V85-Geschwindigkeit hier 62 Stundenkilometer. Zur Erläuterung: V 85 ist die Durchschnittsgeschwindigkeit, die von 85 Prozent der Autofahrer eingehalten wird. Die 15 Prozent der noch schnelleren Autofahrer werden sogar ausgeklammert. Im Umkehrschluss bedeutet das: Tempo 70, 80 oder gar noch mehr in dieser Einglugschneise nach Welver sind nichts Ungewöhnliches. 

Trotz dieser alarmierenden Zahlen nennt der Kreis die „Unfalllage unkritisch“. Die Polizei habe in diesem Bereich in den vergangenen Jahren keine Unfälle aufgenommen. Die von der besorgten Anliegerin beantragten Sicherheits-Maßnahmen seien „daher nicht erforderlich“. Die Redaktion hat die Kreisverwaltung bereits am Dienstag um eine Stellungnahme gebeten; eine Antwort gab es bisher nicht.

Quelle: Soester Anzeiger

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