High-Tech-Überwachung

Ein Magnet spürt künftig in Welver Falschparker auf

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Kostenfrei Parken wird in Welvers City immer schwerer: Bei Rossmann wird nun per Magnet kontrolliert.

Welver – So mancher Autofahrer hat mitten in Welver noch seine lieben Schwierigkeiten mit der neuen Park-Welt. Bislang steckte eine Politesse Knöllchen hinter den Scheibenwischer, wenn falsch oder zu lange geparkt wurde.

Bei Rossmann aber ist die Welt komplett anders und nagelneu: Hier gibt es keine Knöllchen, sondern „Vertragsstrafen“, und hier schaut keine Kontrolleurin auf zwei Beinen nach dem Rechten, sondern High-Tech-Elektronik. 

An jedem einzelnen Stellplatz bei Rossmann ist ein kleiner Magnet installiert – ein unscheinbarer, schwarzer Knubbel auf dem Asphalt, aber wirksam. „Der unterscheidet sogar, ob hier ein Auto vorgefahren ist oder nur ein Einkaufswagen abgestellt worden ist“, erläutert der Mitarbeiter einer Kölner Medien-Agentur, die die Stuttgarter Firma Park & Control extra für An- und Nachfragen beauftragt hat. Die Stuttgarter hatten zu Beginn des Jahres von Rossmann den Auftrag gekriegt, hier fortan von Dauerparkern Geld zu kassieren – wir berichteten. 

Registriert der Magnet so einen Dauerparker, der die 60-Minuten-Freigrenze überschritten hat, meldet das System den „Falschparker“ umgehend dem eigens eingestellten „Parkraum-Wirtschafter“. Der zieht los und pappt nun einen farbigen Zettel mit 30 Euro Vertragsstrafe an die Scheibe. 

„Strafzettel auf dem Supermarktplatz – wie ahnungslose Kunden abkassiert werden.“ Unter diesem Titel hat bereits eine TV-Verbraucher-Sendung des „Ersten“ über die neue Praxis berichtet. Park & Control seien längst nicht mehr die einzigen Dienstleister auf dem Gebiet. Was alle eint: Sie werden von immer mehr Supermärkten, aber auch Arzt-Praxen und anderen Dienstleistern mit Kunden-Parkplätzen eingesetzt, um sich „lästige Dauerparker vom Hals zu halten“. 

Damit „ahnungslose“ Kunden nicht überrascht werden („Ich habe hier doch immer kostenlos parken können“), haben die Bewirtschafter nach Ausstrahlung des TV-Beitrags bei der Beschilderung nachgebessert: Bei Rossmann in Welver sind die blau-weißen-Info-Tafel kaum zu übersehen. 

Die Rechtslage sieht so aus: Wenn der Parkplatz einem Supermarkt gehört, könne der Eigentümer im Rahmen der Gesetze tun und lassen, was er wolle: Er kann seine Kunden frei parken lassen, er kann sie aber auch zur Kasse bitten. Die üppigen 30 Euro Vertragsstrafe aber, die in Welver verlangt werden, könnten womöglich zum (Rechts-)Streit führen. Denn das Bürgerliche Gesetzbuch sagt, solche Geschäftsbedingungen könnten „unangemessen“ sein, wenn sie von den Knöllchen-Tarifen im Ort deutlich abweichen. Deshalb sollte die Strafe nicht mehr als doppelt so hoch ausfallen wie das Ordnungsgeld von der Gemeinde. 

Park & Control, so erläutert die Agentur, ist noch ein junges Unternehmen; erst vor sieben Jahren gegründet und seit gut einem Jahr mit den modernen Elektronik-Kontroll-Systemen ausgestattet. Bundesweit werden so 18 000 Parkplätze gecheckt. Welver, sagt der Sprecher, habe auf diesem Gebiet kreisweit die Nase vorn: Nirgendwo sonst zwischen Lippe und Möhne sei die Firma mit der Sensor-Überwachung aktiv. 

Die Nachfrage nach Gebühren auf Supermarkt-Parkplätzen steigt klar an. Abzulesen ist dies an den Halterabfragen beim Kraftfahrtbundesamt. Zahlt nämlich ein Autofahrer seine Vertragsstrafe nicht, holen sich die Kontrolleure seinen Namen und seine Adresse in Flensburg. 2010, als Park & Control an den Start ging, gab es 53 000 Halterauskünfte. Im vergangenen Jahr hat die Zahl bereits die Viertelmillion-Grenze überschritten.

Quelle: Soester Anzeiger

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