Lärmschutzwand soll Welveraner vor zu viel Bahnlärm schützen

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Mitten durch Welver führt die Bahnlinie Hamm-Soest. Jetzt sollen Lärmschutzwände gebaut werden.

Welver – Die Bahn will entlang ihrer Strecke in Welver drei Meter hohe Lärmschutzwände bauen und so den Anwohnern einen Großteil der Belästigungen ersparen. Doch in der Welveraner Politik sorgt man sich, ob damit der Bau neuer breiter Bahnsteige und der offene Zugang von der Ortsmitte aus gefährdet werden könnten.

150 Millionen Euro, so hat Bahn-Lärmsanierer Andreas Tecklenburg jetzt im Planungsausschuss der Gemeinde berichtet, nimmt die Bahn jedes Jahr in die Hand, um Anwohner an den Gleisen zu entlasten. Vor allem nachts sei mit hohen Lärmpegeln nicht zu spaßen. Deswegen gelte ab 22 Uhr ein Grenzwert von 57 Dezibel, den man nach Möglichkeit überall im Netz einhalten wolle. Strecke für Strecke werde gecheckt: Nun ist Welver an der Reihe. 

Auf der Nordseite der Bahnstrecke – also hin zur Ortsmitte und zum Großteil der Siedlungen – soll eine anderthalb Kilometer lange Wand den Lärm abschirmen. Auf der Südseite hin zur Werler Straße sollen 260 Meter Wand gezogen werden. Bis jetzt, so Tecklenburg, sei es nur ein grober Entwurf, die Details sollen 2020 ausgearbeitet werden, im Jahr darauf könnte also für 3,2 Millionen Euro die Lärmschutzwand hochgezogen werden. 

Doch es herrscht keineswegs nur eitel Freude. „Ich bin fassungslos“, sagt Klaus-Theo Rohe (SPD), erst im Frühjahr sei den Welveraner Ratsmitgliedern die Idee von neuen und breiteren Bahnsteigen präsentiert worden. „Womöglich ergibt sich nun auf 300 bis 400 Metern eine Lücke in der Wand“, sorgt sich Rohe. Sein Vorwurf: In der Verwaltung habe man gegenüber den Lärmsanierern der Bahn die Pläne für die Bahnsteige womöglich vorenthalten.

 Wirtschaftsförderer Detlev Westphal weist das strikt zurück, die Pläne mit den Lärmschutzwänden seien taufrisch und eben nur der erste Aufschlag: „Wir haben nichts verheimlicht.“ So sieht das auch Bahnsanierer Tecklenburg: Natürlich würden jetzt beide Vorhaben aufeinander abgestimmt. Wolfgang Daube (CDU) plädiert gar für „einen offenen Haltepunkt nach Norden hin“ – Lärm hin oder her. 

Wie grob die Überlegungen zurzeit noch sind, belegt auch das Beispiel Borgeln. Dort klopften bereits Bahnmitarbeiter an und brachten ebenfalls die Variante mit den Lärmschutzwänden ins Spiel. Inzwischen aber ist das Vorhaben bereits wieder abgeblasen worden. Grünen-Ratsfrau Cornelia Plassmann, die direkt im (ehemaligen) Borgeler Bahnhof wohnt, schildert, wie schockiert sie gewesen sei, als sie erfuhr, „nur 60 Zentimeter vor meinem Wohnzimmerfenster sollte eine drei Meter hohe Wand aufgestellt werden“. 

„Gegen den erklärten Willen der Anwohner“, so versichert Lärmsanierer Tecklenburg, „werden wir nirgendwo Lärmschutzwände errichten.“ Dem Bahner reicht das Getöse von den Zügen, da braucht er nicht noch den Lärm verärgerter Anrainer.

Quelle: Soester Anzeiger

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