Kaufmann fordert Konzept für Straße "Am Markt"

+
Kaum ein Autofahrer fährt mittig über den Kopfsteinhügel am Rathaus. Im Eingangsbereich der Bäckerei Neuhaus bleibt da kaum Platz für die Fußgänger.

Welver - Der Mann sieht für die Zukunft „blühende Landschaften“. Anders als Alt-Kanzler Helmut Kohl will es Hartmut Sokolski aber nicht bei unerfüllten Visionen belassen. Der Betreiber des Ladens „Druckshop-Welver.de“ fordert Initiativen, damit „das Herz Welvers“, die Straße „Am Markt“, attraktiver wird.

Sein Plan: Verwaltung, Politik und Geschäftswelt sollen sich unter Beteiligung der Bürger zusammensetzen und gemeinsam erarbeiten, wie es mit dem Zentralort weitergehen soll. Denn: „Uns hat bisher in der ganzen Diskussion um Aldi, Edeka und Penny niemand gefragt.“ Die öffentliche Veranstaltung soll am 28. Februar um 19 Uhr im Ratssaal über die Bühne gehen. 

Hartmut Sokolski bietet in seinem Shop unter anderem Schreibwaren, Geschenkartikel und Druckerzubehör an.

Von den Ratsfraktionen erwartet Sokolski dabei, dass „endlich alle für das Wohl der Bürger an einem Strang ziehen“, die die Verwaltung solle sich Gedanken über mögliche Maßnahmen und deren Förderfähigkeit machen. Und auch seine eigene Klientel, die Kaufmannschaft, nimmt er in die Pflicht: „Hier muss auch eine Bereitschaft zur Veränderung entstehen – es sind alle gefordert.“ 

Konkrete Vorschläge liefert er gleich mit: Die kopfsteingepflasterten Verkehrsberuhigungshügel entfernen, die öffentliche Grünfläche in Richtung Reiherstraße so aufbereiten, dass die leicht zu pflegen und trotzdem ansehnlich ist, den gesamten Bereich zur Einbahnstraße machen, um mehr Platz zu schaffen. „Dann wäre zum Beispiel beim Bäcker um die Ecke sogar die Möglichkeit für eine kleine Außengastronomie“, sagt Sokolski. 

Es müsse insgesamt eine Erlebniszone geschaffen werden, auch mit gemeinsamen Aktionen von Gemeinde und Geschäftsinhabern. Das, was Teile des Rates und der Gewerbeverein bisher geleistet haben, hält er für ausbaufähig: „Unsere politische Kultur blockiert seit langem Entwicklungen.“ Die Ladeninhaber seien „mittlerweile skeptisch, dass sich überhaupt noch jemand für sie einsetzt“. Zur ganzen Wahrheit gehört: Die Betonung der Straße „Am Markt“ als Zentrum haben in der Vergangenheit auch SPD, FDP und Grüne stets gefordert. 

„Das ist unsere Chance“

Sokolski unternimmt jetzt einen neuen Anlauf. „Die Entwicklungen in der Ladestraße, Rossmann, künftig der neue Bahnhof – das ist unsere Chance“, meint er. Vor gut einem Jahr hat der Geschäftsmann schon einmal die Initiative übernommen und die Ratsmitglieder gebeten, sich mit dem Thema Einkaufszone zu befassen. „Die inhabergeführten Geschäfte bringen Kultur und Kaufkraft nach Welver. Wenn sie nicht mehr da sind, stirbt Welver“, hatte er 2015 orakelt. Bewegt hat sich seiner Ansicht nach seitdem zu wenig. Im ersten „Gesamttreffen“, wie es Sokolski nennt, soll jetzt allen die Möglichkeit gegeben werden, Wünsche und Fragen zu hören und zu einer gemeinsamen Aktion zu führen. Als Ergebnis soll schließlich ein Arbeitskreis gebildet werden. Längst nicht alles, was an der Ladestraße entstehe, sei schlecht für die Geschäfte im Zentrum. „Der Neubau von Aldi und der Ausbau von Edeka sind starke Instrumente, die Kaufkraft und Versorgung im Bereich Food in Welver zu stärken.“ Die Ansiedlung von Rossmann verspreche, Welveraner Kunden zurück zu holen, die im Moment zum Kauf von Drogeriewaren in umliegende Städte führen. 

„Schritt nach vorne machen“

Eine Ansiedlung von Penny mit zusätzlichen Geschäfts- und Eventbereichen in unmittelbarer Nähe, sei in seiner Auswirkung auf Pro oder Kontra zur Straße „Am Markt“ dagegen noch nicht ergründet worden. „Welvers Chance war noch nie so groß wie jetzt, einen positiven städtebaulichen Schritt nach vorne zu machen“, beteuert Sokolski – trotz aller Schwierigkeiten.

Interview
Was muss passieren, Herr Sokolski?

Es ist viel von der Unattraktivität in Welvers Zentrum die Rede. Gibt es denn auch Stärken?
 
Die angesprochenen Negativmeinungen kommen aus der Vergangenheit und halten sich vereinzelt bis heute bei Leuten, die Welver nicht ausreichend kennen. Die Stärken Welvers liegen ganz klar auf der Hand: Welver ist übersichtlich und dennoch gespickt mit einer Fülle Spezialisten, die alle zu Fuß erreicht werden können. Spezialisten, die Sie zum Teil in anderen Orten nicht finden.

Was sind Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit der Kundschaft?
Seit 20 Jahren bin ich in Welver selbstständig, und seit fünf Jahren mit einem Ladengeschäft, das ich auf Bitten und Drängen der Kundschaft eröffnet habe. Meine Erfahrung? Die Individualität und Treue wir ganz groß geschrieben. Ich möchte keinen Tag missen.

Liegt jetzt – in der Planungs-Endphase der Ladestraße und der Planungs-Frühphase für den Bahnhof – für lange Zeit die letzte Chance für eine Aufwertung der Einkaufszone?
Eine Planung der Gebiete Ladestraße/Raiffeisengelände sollte immer die Straße „Am Markt“ einbeziehen. Das Gesamtgebiet ist übrigens der festgelegte Kern von Welver. Ein Planungsausschluss einzelner Bereiche hätte fatale Folgen auf eine positive Wechselbeziehung der einzelnen Verkaufsstätten. Da die Ladestraße ihre Stärke durch Aldi und Edeka im Bereich Lebensmittel hat, wird sie immer frequentiert werden, auch wenn man dort abends keinen Schaufensterbummel unternehmen kann. Die Verlässlichkeit einer täglich sehr hohen Kundenfrequenz wie bei Lebensmittelmärkten, hat die Straße „Am Markt „nicht, auch wenn dort Unternehmen mit Alleinstellungsmerkmalen ansässig sind. Durch die vergleichsweise niedrige Einwohnerzahl Welvers, ist die Kundenfrequenz zwangsläufig reguliert.

Was bedeutet das konkret für die Planung?
Es ist jetzt notwendig, die Planung des Bahnhofs, des Raiffeisengeländes und der Straße „Am Markt“ nur als Einheit zu behandeln. Eine erneute Chance, die Einkaufszone aufzuwerten, wird durch eine Fehlplanung ausgeschlossen. Positiv für die Einkaufszone würden sich altersgerechte Wohnungen auf dem Raiffeisengelände auswirken. Der Bedarf ist so hoch wie nie.



Quelle: Soester Anzeiger

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare