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Von der Ahse bis an den Orinoko

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Von: Dirk Wilms

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In Venezuela hat Jan Debefve einen Payara geangelt.
In Venezuela hat Jan Debefve einen Payara geangelt. © privat

Welver – Mit dem Opa an die Ahse – das war für den kleinen Jan das Größte. Schon als Fünfjähriger begeisterte er sich für das Angeln, hielt die Rute in den Nebenfluss der Lippe im Norden Welvers. Heute erinnert sich Jan Debefve nur zu gern an seine ersten Erfahrungen als Petrijünger, tummelt sich aber längst auf Gewässern ganz anderer Dimensionen. Der Oriniko in Venezuela und das Karibische Meer vor der Küste des südamerikanischen Staates waren bislang die entlegensten Gegenden, in denen der heute 31-Jährige auf Fische aller Art gegangen ist.

„Mein erster Fisch war ein Aal“, weiß der Malermeister noch ganz genau. „Wir waren nachts an der Ahse“, störte den Steppke aus Werl die Dunkelheit ganz und gar nicht. Schon damals wusste er: „Aale sind nachtaktiv, tagsüber ist da nichts zu machen.“ Seine ersten Forellen fing der junge Angler in den Teichen bei Baumüller in Wickede, wohin ihn die Mama kutschierte. „Damals durfte man noch als Junge allein ohne Schein angeln.“

Mit 14 Jahren aber machte Jan Debefve seinen Angelschein beim Verein in Wickede. Sein Revier war zunächst noch vorwiegend in Welver, trat er doch in die Fußstapfen des Opas als Mitglied des ASV „Lange Peitsche“ in Meyerich. An der Gräfte am Plass ging er auch auf Karpfen, weitete zugleich seinen Wirkungskreis aus. „Dann ging es auch an den Möhnesee und an die Sorpe.“

Boilies selbst gefertigt

In diesen Lehrjahren lernte der junge Angler auch, die Köder für Karpfen selber anzufertigen. Dieser Fisch gibt sich anders als Forelle und Aal nicht unbedingt mit einer Made oder einem Wurm zufrieden. Daher werden sogenannte Boilies aus Ei, Maismehl und Fischmehl geformt. Die 24 Millimeter großen Köder können die anderen Fische nicht beißen, sind speziell für Karpfen. „Das ist eine Passion geworden“, schätzt Debefve noch heute das Handwerk bei der Vorbereitung seiner Angeltouren.

Die weiteten sich in den Folgejahren aus. Mit 23 ging es erstmals an den Ebro in Spanien. „Da habe ich erstmals einen Wels gefangen mit einem Gummifisch als Köder“, machte der frischgebackene Malermeister erste Auslandserfahrungen. Das ging einher mit dem Wechsel vom Ufer ins Boot. „Da begann eine komplett neue Zeit“, legte sich der junge Unternehmer, der gerade sein Malergeschäft in Welver eröffnet hatte, ein Boot mit Elektromotor zu, um damit auf dem Möhnesee schippern zu können.

Seither angelt Jan Debefve quasi nur noch vom Boot aus, hat inzwischen ein zweites mit Außenborder, um in den Niederlanden größere Gewässer befahren zu können. „Da habe ich meine Ruhe, bin in der Regel allein unterwegs“, sucht und findet er dort auch Ausgleich vom beruflichen Stress.

Möhnesee als Haus-Gewässer

Der Möhnesee ist dabei sein Haus-Gewässer, von Delecke aus geht‘s auf das westfälische Meer. „Ich arbeite da mit einem Fliegenfischer-Shop zusammen“, ist dem Welveraner, der seit drei Jahren in der Bauernschaft im Erlei in einem kernsanierten Bauernhaus lebt, auch diese Art des Angelns nicht fremd. „Ich binde meine Fliegen auch selber“, geht er mit diesen Ködern auf Forelle und Äsche, und zwar meist auf der Ruhr bei Wickede oder Wennemen.

Wintertags führt ihn der Weg an den Wochenenden zumeist in die Niederlande. Im Rheindelta sind Zander, Hecht und Barsch angesagt. Da hat Jan Debefve schon mal richtige Prachtstücke an der Angel. Sein größter Hecht aber war vor fünf Jahren im Möhnesee 1,30 Meter lang. Das ist aber noch vergleichsweise wenig zu dem Wels, den er am spanischen Ebro gefangen hat. Der war noch einen Meter länger als der Rekordhecht.

Seinen persönlichen Rekord aber hat der Welveraner in Venezuela aufgestellt. Auf dem offenen Mehr hing ein Marlin an der Angel. „Das ist ein Schwertfisch, der bringt es auf dreieinhalb Meter“, erzählt Debefve von den Touren nach Südamerika, wo er inzwischen sechsmal war. Mit drei Angelfreunden war er dort unterwegs. „Wir waren auch auf dem Orinoko, haben nachts in Hängematten geschlafen“, erlebte er echte Abenteuer.

Das Prachtexemplar hat er wieder ins Wasser zurückgesetzt. „Die Fische sind maximal eine halbe Minute aus dem Wasser, werden immer nass gehalten. Wir entfernen den Köder und machen ein Foto. Dann geht‘s wieder zurück. Manchmal gehe ich auch mit ins Wasser.“ In anderen Ländern ist das Usus, in Deutschland hingegen nicht. „Hier bewegen wir uns in einer dunklen Grauzone“, lässt Debefve durchblicken, dass die Angler in Deutschland im fortwährenden Zwist mit Tierschützern agieren.

Weit weniger exotisch als in Venezuela, aber gleichwohl spannend geht es auf den skandinavischen Gewässern zu. „In Norwegen angeln wir Lachs, in Schweden Hecht“, hat er in den vergangenen Jahren stets zwei Wochen im November für den hohen Norden reserviert.

Der Traum von Grönland

Das ging natürlich Corona-bedingt 2020 nicht, auch für dieses Jahr gibt sich Debefve keinerlei Illusionen hin. Im besten Fall ist im nächsten Herbst Bosnien möglich. Das nächste große Ziel ist Madagaskar, die große Insel vor der südafrikanischen Küste. „Ein Traum wäre auch Grönland“, will Debefve die ganze Welt mit seinen Angeln erkunden.

Momentan aber ist er auf heimische Gewässer angewiesen, erfährt bei seinem Hobby die volle Unterstützung seiner Frau Anne-Maria, die er im August 2020 geheiratet hat. Die Zwillingsschwester des Wickeder Handballers Marcel Tomassini hat inzwischen auch den Angelschein gemacht. „Wir waren zusammen schon in Mecklenburg-Vorpommern angeln, meist ist es ihr aber zu extrem, was ich mache“, erzählt Jan Debefve und hebt zugleich die Toleranz hervor, die seine Frau ihm entgegenbringt.

„90 Prozent meiner Freizeit gehört dem Angeln. Das geht im Sommer schon morgens und fünf Uhr los. Wir Angler sind immer von dunkel bis dunkel unterwegs“, erläutert der passionierte Petrijünger. Auf den Tisch zu Hause kommen seine Fänge dabei nie. „Ich bin kein Meister im Filetieren, da gehe ich lieber in ein Fischrestaurant!“

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