Staupe bei toten Waschbären nachgewiesen

Jäger schlagen Alarm: Gefährliches Virus gefährdet Tiere im Kreis Soest

Der Waschbär in Kirchwelver saß am helllichten Tag apathisch am Straßenrand.
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Der Waschbär in Kirchwelver saß am helllichten Tag apathisch am Straßenrand.

Die Jäger im Kreis Soest schlagen Alarm: Bei zwei toten Waschbären ist ein Virus nachgewiesen worden, dass auch Hunde gefährdet. Die Halter sollten gewarnt sein.

Welver – Jetzt ist es amtlich. Die zwei toten Waschbären, die vor rund zwei Wochen in einem unbewohnten Haus in der Nähe des Wohnparks Klostergarten gefunden wurden, waren mit dem Staupevirus infiziert und sind daran gestorben.

Außerdem wurde bei einem der Tiere eine Salmonelleninfektion erkannt, die auch Menschen gefährlich werden kann. Ein weiterer Waschbär, der kürzlich apathisch auf dem Grünstreifen in Kirchwelver an der Bahnhofstraße gesichtet und daraufhin von Jagdpächter Hartwig Nölle-Pier erlegt worden war, hatte vermutlich ebenfalls diese sehr ansteckende Krankheit.

Korrektur

In einer frühen Version des Artikels wird behauptet, dass das Staupe-Virus sei gefährlich für Katzen sei. Das ist nicht so, das Virus, mit dem die Waschbären befallen waren, ist gefährlich für Hunde und Füchse. Katzen können sich nicht anstecken, „Katzenstaupe“ (Panleukopenie) ist eine völlig andere Krankheit.

Welvers Jäger sind alarmiert. Dieter Beuckmann, Vorsitzender des Hegeringes, und Dirk Osthoff-Dahlhoff als zuständiger Jagdpächter in Recklingsen hatten die beiden toten Waschbären an das zuständige Veterinäramt geschickt, der jetzt zugesandte Bescheid bestätigt die schlimmsten Befürchtungen. Zwar ist die Staupe für den Menschen ungefährlich, für Hunde und Füchse ist sie jedoch eine sehr große Gefahr. Waschbären haben sich in den heimischen Wäldern stark ausgebreitet, eine Schätzung über die ungefähre Populationsgröße können die Jäger über den nacht- und dämmerungsaktiven Räuber aber nicht abgeben.

Hartwig Nölle-Pier war kürzlich als zuständiger Jagdpächter alarmiert worden. Passanten hatten den apathischen Waschbären in Kirchwelver beobachtet, der mit einem gezielten Schuss aus einer kleinkalibrigen Langwaffe erschossen wurde.

Jetzt besteht also größte Gefahr für die Hunde. Das Staupevirus ist äußerst ansteckend, wird über Sekrete und Körperflüssigkeiten übertragen. „Bereits das Schnüffeln der Hunde an einer von Waschbären kontaminierten Stelle reicht aus, um sie zu infizieren“, warnt der Vorsitzende des Hegerings Welver. Auch die Augenflüssigkeit und natürlich ebenso der Urin der Tiere gelten als Überträger. Zwar ist die Krankheit seit Einführung der Impfung in den 1960er-Jahren zurückgegangen, seit den 1980er-Jahren ist aber wieder eine Zunahme der verlustreichen Viruserkrankung zu beobachten. Gründe dafür sind eine gewisse Impfmüdigkeit und die Zunahme der Hundeimporte aus Osteuropa.

Obwohl ohnehin in dem heimischen Natur- und Vogelschutzgebiet Anleinpflicht für Hunde gilt, appellieren die Verantwortlichen der Jägerschaft eindringlich an die Hundebesitzer, ihre Tiere nur angeleint auszuführen, auch, um seltene Bodenbrüter zu schützen. Aber auch der Hund selbst schwebt bei einem Zusammentreffen mit einem Waschbären in großer Gefahr, könne von dem Bären schwer verletzt und sogar getötet werden, warnen die Jäger.

Waschbären – eine invasive Art

Der Waschbär ist kein heimisches Tier. Er gilt in Deutschland als invasive Art. Anfang der 1930er-Jahre wurden zwei Waschbärpaare in Bringhausen am Edersee ausgesetzt. Von dort hat sich der possierliche Kleinbär mit der schwarzen Gesichtsmaske mittlerweile in fast ganz Deutschland stark ausgebreitet. Die Tiere nutzen Baumhöhlen, alte Fuchsbauten und menschliche Behausungen, erst am Abend kommen sie zur Nahrungssuche daraus hervor.

Das macht die Bejagung schwierig. Allein in den 17 heimischen Jagdrevieren Welvers wurden im vergangenen Jahr rund 500 Waschbären erlegt. Bundesweit sind es rund 170 000 erlegte Tiere. Seine Ansiedlung in Deutschland ist umstritten.

Während ein Großteil der Jäger die konsequente Bejagung des Prädators fordert, da Waschbären gute Kletterer und Schwimmer sind und als Allesfresser somit Bodenbrüter, Singvögel, Amphibien und Frösche fressen, plädieren andere für eine friedliche Koexistenz mit dem anpassungsfähigen Neubürger.

Überregional ist das Staupe-Problem bislang nicht als solches erkannt, das bestätigt Dr. Henning Vierhaus von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) auf Nachfrage. „Ich sehe es nicht als größeres Problem an. Wir haben immer mal wieder überfahrene tote Waschbären auf den Straßen, die wir aber nicht zur Untersuchung einschicken“. Insgesamt wird der Waschbär, der vor rund acht Jahren in den heimischen Revieren erstmals beobachtet wurde, von den Jägern als problematisch angesehen. „Die Förster im Staatsforst unternehmen leider nur wenig bei der Jagd auf den Waschbären. Wir möchten ein Gleichgewicht in der Natur halten, dabei stört die Anzahl der Waschbären“, erläutern sie. Sie reklamieren auch die kaum stattfindende Bejagung der Füchse im Staatsforst, die auch zu den Überträgern der Staupe zählen.

Die Füchse sollen dort die Mäuse jagen, damit die vom Borkenkäfer ohnehin geschwächten Bäume nicht noch vom Mäusefraß im Wurzelbereich belastet werden. Daher wird dort kein Fuchs zum Abschuss freigegeben. Mittlerweile dringen die Waschbären immer weiter in Siedlungen vor, in Borgeln wurde kürzlich bereits ein Waschbär auf dem Dach eines Wohnhauses gemeldet; er hatte dort Schäden angerichtet. „Wenn es an die Geldbörse geht, ist der Waschbär nicht mehr so putzig“, wissen die Jäger.

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