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Mit den Ziegen auf Du und Du

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Von: Dirk Wilms

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Iris General schart auf dem alten Bauernhof in Einecke die Ziegen um sich.
Iris General schart auf dem alten Bauernhof in Einecke die Ziegen um sich. © Dirk Wilms

Es wirkte wie ein verwunschenes Haus aus einem Märchen. Iris General und Gerd Kwiatkowski aber wussten gleich, wie sie daraus eine Idylle schaffen könnten.

Einecke - Und in der Tat ist der einstige Bauernhof am Ortseingang von Einecke heute Heimstatt nicht nur für die Familie, sondern auch für eine Schar von Tieren, vor allem für fünf Ziegen. Mit denen unternimmt Iris General Wanderungen, bietet sie für Gäste an. „Das war ein Kurzurlaub für uns“, zeigte sich eine Familie aus Anröchte ganz begeistert nach der Premiere dieser ganz ungewöhnlichen Art der Freizeitgestaltung.

„Wir haben eine Runde von vier Kilometern gedreht“, erzählt Gerd Kwiatkowski, der an der Traum-Oase, die sie nördlich von Einecke in der Feldflur Richtung Klotingen geschaffen haben, schon ein Picknick vorbereitet hatte. Hier tummeln sich die Ziegen sommertags, wenn es die Wetterlage zulässt, auf einer Weide. Direkt nebenan laden schattige Plätze unter Obstbäumen zum Verweilen ein, während die Kinder das Areal wie einen Spielplatz nutzen können.

Im Mittelpunkt aber stehen die Ziegen, die in der Regel ihren Stall direkt im alten Bauernhof an der Einecker Straße haben. In dem fast 200 Jahre alten Gebäude besiedeln sie den früheren Schweinestall, haben draußen viel Auslauf und schauen von einem Hügel hinab in den Garten.

„Ich habe für den Swimmingpool jede Menge Erde ausgehoben und sie am Grundstücksende aufgehäuft“, hat Gerd Kwiatkowski jede Menge Schubkarren voll Aushub bewegt.

Merle gibt hier klar den Ton an; die größte der Ziegen lässt sich ungern von ihren drei kleineren Artgenossen ins Handwerk pfuschen, wenn es um das Futter geht. Sternchen, Rosi und Detlef halten respektvoll Abstand. Und Berti, der fünfte im Bunde? „Den habe ich auf der Weide nicht einfangen und mit zum Haus bringen können“, erzählt Iris General, dass der Bock sich etwas bockig gebärdete.

Ihre Tierliebe hat die Soesterin schon als Kind entdeckt, ging mit ihrem Meerschweinchen Mecki sogar am Westenhellweg zum Einkaufen bis zum Kiosk am Jakobitor. Als sie und Gerd Kwiatkowski vor sechs Jahren das Kleinod in Einecke für sich entdeckten, wurde diese Tierliebe neu entfacht. „Zunächst hatten wir drei Hühner“, so die 43-Jährige. Die ausgebildete Ernährungsberaterin wollte das bäuerliche Anwesen wieder mit tierischem Leben füllen, wie es fast zwei Jahrhunderte lang üblich war.

Zu den Hühner gesellten sich zwei Ponys, ehe bei einer der Töchter eine Pferdeallergie erkennbar war. Also mussten andere Tiere her. „Da habe ich im Tierpark in Hamm angerufen“, suchte Iris General kompetenten Rat. „Da wurde mir ein Zwergrind angeboten. Doch das traute ich mich nicht zu bewegen“, zollte sie diesem Tier großen Respekt.

Nahm sie von diesem Angebot noch Abstand, griff sie beim zweiten Vorschlag zu. Kamerun-Schafe hielten Einzug in Einecke. „Sie gingen aber über die Zäune“, gab sie die Schafe wieder zurück. Der nächste Versuch aber funktionierte. Jacky und Hörnchen, zwei Ziegen, kamen vom Hammer Tierpark. Jacky starb zwar schon frühzeitig, doch Hörnchen lebte immerhin bis 2021.

Zu ihr gesellten sich alsbald weitere Ziegen, zuletzt im Frühjahr die Gruppe mit Sternchen, Rosi und Detlef. Mit ihren beiden jüngsten Töchtern Laura und Lisa unternahm Iris General erste Spaziergänge, erfuhr viel Zuspruch angesichts der Idylle, in der sie im Einklang mit den Tieren leben.

Daraus erwuchs die Idee mit den geführten Wanderungen, die eine abwechslungsreiche Ergänzung darstellen zum beruflichen Hauptstandbein der Eineckerin. Als Künstlerin, die in Soest bei Theo Steins gelernt hat, hat sie sich der Malerei verschrieben, den früheren Kuhstall zum Atelier umgebaut. Hier bietet sie auch Kurse zum Beispiel in Acrylmalerei an. „Ich habe schon als Kind stundenlang in der Natur gesessen und gemalt und auch das Haus gegenüber“, erzählt Iris General von ihren künstlerischen Anfängen.

Jetzt will sie vor allem die Kinder, aber auch deren Eltern die Tiere und die Kunst in natürlicher Umgebung erleben lassen. „Ich finde es fürchterlich, wenn die Kinder heute nur noch mit Smartphone vor der Nase rumlaufen oder auf der Couch rumhängen“, will sie die Mädchen und Jungen aktivieren. Eine Ziegenwanderung bietet dafür beste Gelegenheit.

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