Interview: Christel Müller leitete jahrelang die Kita in St. Bernhard und hört jetzt auf

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Christel Müller steht nach wie vor bei den Jungen und Mädchen des St. Bernhard-Kindergartens Welver hoch im Kurs.

Welver – Gespräche mit den Eltern führen, Dienstpläne erstellen und gleichzeitig immer einen Blick für die Belange der Kinder haben: Als Leiterin des Katholischen Kindergartens St. Bernhard Welver hat Christel Müller ein vielfältiges Aufgabenspektrum abzuwickeln. Seit 25 Jahren betreut die 55-Jährige Welvers Nachwuchs, jetzt hört sie auf. Mit Thorsten Teimann sprach sie nun über Anforderungen, Helikopter-Eltern und Familien-Rituale.

Frau Müller, Sie sind seit 25 Jahren Erzieherin und leiten mittlerweile sogar die Einrichtung St. Bernhard. An was erinnern Sie sich nachhaltig in ihrer Tätigkeit? 

Na gut, ich bin ja nicht seit 25 Jahren hier in Kirchwelver tätig. Seit 21 Jahren arbeite ich hier und bin seit 18 Jahren auch Leiterin. Den Posten habe ich damals von Ulrike Jeska – die meisten kennen sie noch unter dem Namen Schulze-Wulf – übernommen. Der damalige Pfarrer Eberhard Klein-Doppelfeld hat mich eingestellt. Die größte Herausforderung war dabei sicherlich die Umstellung auf die U3-Betreuung mit Anbau des Schlafraums. Und Mittagsbetreuung, das war auch für uns eine Umstellung. Aber ich arbeite seit Jahren in einem guten Team, das meistern wir gut – auch heute noch. 

In dieser Zeit sind viele Kinder gekommen und gegangen; Freud und Leid gehören dazu, oder? 

Im Wesentlichen haben wir hier immer viel Spaß – unter den Großen und den Kleinen. Klar, da gibt’s mal Streit im Sandkasten, aber der ist ja meist mit einem klärenden Gespräch behoben. Auf der anderen Seite musste vor Jahren auch schon einmal die Feuerwehr anrücken, weil ein Kind mit seinem Arm in einem alten Holzschuppen steckengeblieben ist. Der Junge wurde rasch befreit, den Schuppen gibt’s schon gar nicht mehr. Alles gut! 

Eltern sind manchmal schwierig, sind Ihnen denn auch schon einmal welche „quer“ gekommen? 

Ja, aber das gehört dazu, ich weiß, dass ich es nicht allen recht machen kann. Hier treffen viele unterschiedliche Meinungen aufeinander. Nur einmal hat uns ein Vater mit dem Anwalt gedroht. Er hat uns vorgeworfen, die Aufsichtspflicht verletzt zu haben. Sein Sohn war vom Klettergerüst gefallen und hatte sich leichte Striemen zugezogen. Aber auch das ließ sich dann Gott sei Dank mit einem klärenden Gespräch aus der Welt schaffen. 

Sie haben es angesprochen: Immer mehr Familien möchten die Betreuung rund um die Uhr. Das private Familienleben steht nicht mehr im Mittelpunkt? 

Bei uns noch nicht rund um die Uhr, aber eben immer länger. Früher waren wir familienergänzend, heute sind wir oft familienersetzend. Das bedeutet, dass Kinder neben Kindergarten, noch Musikschule, Malschule oder Sportstunde haben. Eltern pushen sich dabei gegenseitig hoch, der Leistungsdruck heute ist enorm angewachsen. Eltern müssen auf Grund des gesellschaftlichen Wandels beide berufstätig sein, die Zeit wird immer knapper. Früher haben sich die Eltern noch bei uns entschuldigt, wenn sie berufstätig waren. Heute entschuldigen sie sich, wenn sie nicht berufstätig sind. 

Wie kommen die Kinder damit klar? 

Die meisten Kinder kommen, denke ich, gern zu uns. Schade ist nur, dass sie nach dem Kindergarten keine Zeit mehr haben, um zu Hause noch frei zu spielen oder sich zu verabreden. Auch unsere Kinder brauchen Freizeit und auch mal Urlaub. 

Gibt es bei Ihnen morgens feste Rituale im Kindergarten? 

Ja, sicher – und die sollte es in jeder Familie geben. Wir frühstücken morgens alle – gemeinsam. Das ist längst nicht mehr in allen Familien so. Doch gemeinsam am Tisch wird miteinander gesprochen. Da merkt man dann rasch, was dem anderen am Herzen liegt. Tja, und so manch ein Knirps plappert dann auch schon mal ein Familien-Geheimnis aus, etwa wenn Mama beispielsweise wieder schwanger ist... 

Sie hören jetzt nach 25 Jahren Einsatz im Kindergarten auf und ziehen sich ins Privatleben zurück. Eigentlich gibt es dafür bei solch einer tollen Truppe doch gar keinen Grund, oder? 

Nein, ich gehe auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich habe tolle Kolleginnen, die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht. Und die Kinder ja sowieso. Aber jetzt kommt eine neue Zeit mit neuen Herausforderungen. Ich werde kürzer treten und mich mehr meinen Büchern und meinem Garten widmen. Und der Ruhestand von meinem Mann Ralf ist eigentlich auch nicht mehr weit.

Quelle: Soester Anzeiger

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