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Heimatpreis für Alexander Baimann aus Schwefe

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Von: Dirk Wilms

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Zum zweiten Mal wurde in Welver der Heimatpreis vergeben. Acht Bewerbungen waren eingereicht worden.
Zum zweiten Mal wurde in Welver der Heimatpreis vergeben. Acht Bewerbungen waren eingereicht worden. © Dirk Wilms

Was haben Grabplatten mit Querflöten und Halloween-Kostümen zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Bei der Verleihung des Heimatpreises in der Gemeinde Welver aber wurde deutlich, dass diese grundverschiedenen Dinge doch miteinander in Verbindung stehen. Denn sie repräsentieren die Vielfalt des gesellschaftlichen Miteinanders, die bei der Preisverleihung zum Ausdruck kam.

Welver - So ging der mit 2500 Euro dotierte 1. Preis an Alexander Baimann aus Schwefe, der sich der Restaurierung verwitterter Grabplatten verschrieben hat, die ein Stück der Geschichte des Dorfes an der Blögge wiedergeben. Der 2. Preis und damit 1500 Euro ging an den Kids Treff on Tour aus Vellinghausen-Eilmsen, der sich um eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung für die jüngsten Bewohner im Doppeldorf und darüber hinaus kümmert. Und der 3. Preis (1000 Euro) ging an den Spielmannszug Flerke, der sich der Pflege der volkstümlichen Musik widmet.

Bürgermeister Camillo Garzen zeigte sich erfreut, dass der Jury die Arbeit in diesem Jahr noch schwerer gemacht worden ist als bei der Premiere des von der Landesregierung geförderten Heimatpreises vor einem Jahr. So gab es diesmal acht Bewerbungen, eine mehr als im Vorjahr. „Solche Typen Mensch braucht unsere Gesellschaft. Sie machen die Gemeinde lebenswert. Am liebsten hätten wir alle geehrt. Doch wir mussten uns entscheiden“, schildert Garzen die Qual der Wahl.

Tim-Fabian Römer, Vorsitzender des Ausschusses für Ehrenamt, Kultur, Bildung, Sport, Soziales und Generation, erklärte, dass sich die Jury intensiv mit allen Bewerbungen auseinandergesetzt habe: „Sie alle haben einen wertvollen Beitrag für unsere ländlichen Strukturen und das dörfliche Zusammenleben geleistet.“ Ohne ehrenamtliches Engagement könne die heimische Region nicht funktionieren.

Carsten Deutschmann, seit zwei Monaten 2. stellvertretender Bürgermeister, verwies darauf, dass das Wirken in der Jury für die Vergabe des Heimatpreises eine seiner ersten Aufgaben in seinem neuen Amt gewesen sei. Dabei habe er sich an seine Kindheit in seiner Dortmunder Heimat erinnert. „In Welver ist aber alles viel kleiner und familiärer.“ In den 18 Jahren, in denen die Gemeinde Welver, speziell Borgeln, zur neuen Heimat geworden sei, habe er das Miteinander sehr schätzen gelernt.

Andreas Braun, 1. stellvertretender Bürgermeister, erinnerte an das Motto des Heimatpreises: „Heimat. Zukunft. Nordrhein-Westfalen. Wir fördern, was Menschen verbindet“, zitierte er das Heimatministerium. Gemeint sei damit, dass Heimat Lebensqualität sei und Verbundenheit schaffe. „Heimat ist nach allgemeinem Verständnis der Ort, an dem man zu Hause ist und sich zu Hause fühlt. Es geht aber auch um das Verbindende, um die Gemeinschaft und den Zusammenhalt. Heimat ist für jeden etwas Individuelles, ein Gefühl, eine Tradition, ein Anker.“

Braun, selber in einem Spielmannszug aktiv, hatte die Ehre, den Spielmannszug Flerke auszuzeichnen mit dem 3. Preis. Seit seiner Gründung vor 111 Jahren habe es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, bei vielen Gelegenheiten, für den guten musikalischen Ton zu sorgen. „Man hört uns schon von Weitem, wenn wir zum Beispiel beim Weiberfastnachtsumzug vorweg marschieren“, erklärte Daniel Schlummer. Der seit einem Jahr amtierende Vorsitzende nahm den Preis entgegen und erläuterte, dass der Spielmannszug das Geld für die Finanzierung eines Infostandes nutzen wolle. Der soll auf Veranstaltungen eingesetzt werden, um den Spielmannszug als Anker für Heimat und Tradition präsentieren zu können und damit auch Nachwuchswerbung betreiben zu können.

Um den Nachwuchs geht es auch beim Kids Treff on Tour. Jasmin Lukow nahm den 2. Preis von Carsten Deutschmann entgegen. „Ich bin aus dem Dortmunder Süden ins Doppeldorf gekommen und habe super Anschluss gefunden. Als 2016 unser Sohn geboren wurde, bin ich aber erst einmal allein mit dem Kinderwagen herumgefahren. Doch dann kam mir die Idee, dass man auch gemeinsam eine Runde drehen könnte, waren doch inzwischen so viele Kinder dazugekommen. Daraus ist eine Herzensangelegenheit entstanden“, gab sie einen Einblick in die Entstehungsgeschichte. Aus anfangs fünf Kindern sind es bis zu 46 geworden, die längst auch aus den Nachbardörfern kommen, um an Halloween-Party, Karnevalsfeier, Besuchen auf Bauernhöfen und vielen anderen Events teilzunehmen. Das Geld soll nun dazu beitragen, auch mal Ausflüge mit einem Bus zu weiter entfernten Zielen machen zu können.

Das Ziel von Alexander Baimann liegt derweil ganz nah. Der langjährige Weggefährte von Ortsvorsteher Tim-Fabian Römer („Wir waren zusammen in der Spielgruppe, im Kindergarten, in der Grundschule und in der weiterführenden Schule“, so Römer) hat sich der Historie seines Dorfes verschrieben. „Er macht die Geschichte greifbar“, so Römer. Drei Bücher hat Baimann inzwischen über Schwefe und das gesamte Kirchspiel verfasst.

Nun geht es um die Grabplatte des 1597 verstorbenen Pfarrers Krane sowie um zwei weitere Grabplatten aus dem 18. Jahrhundert. Sie sollen restauriert werden. „Wir, als Jury, kamen zu dem Ergebnis, dass dies den ersten Platz verdient hat“, so Römer. „Die Platten sollen nach der Restaurierung auch öffentlich zugänglich gemacht werden“, kündigte Baimann an.

Alle Bewerber hätten den Laudatoren zufolge einen Preis verdient gehabt. Doch nicht alle konnten zum Zuge kommen. Beworben hatten sich noch der Freundeskreis Eilmser Wald, die evangelische Kirchengemeinde Niederbörde, der Dorfverein Schwefe, der SV Eilmsen-Vellinghausen und das Theater am Kloster.

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