Heimathaus in Kirchwelver zeigt, was das heißt

Uralte Themen topaktuell: Nachhaltigkeit und Superfood schon in Omas Küche 

+
Silke Appelbaum-Schweigert in der guten Stube. Im Arm hält sie eine Babypuppe mit original alter Kleidung.

Welver - Im Heimathaus in Kirchwelver bleibt ein uraltes Thema topaktuell – wenn es zu Großelterns Zeiten auch nicht unter dem heute angesagten Titel „Schutz des Klimas und Schonung der Ressourcen“ stand. Was das heißt, zeigt Silke Appelbaum-Schweigert, Schriftführerin des Vereins, in den Bereichen Handwerk und Haushalt. 

„Damals wurde nichts weggeschmissen“, betont sie. Lebensmittel seien gedörrt, geräuchert, gepökelt, eingeweckt worden. Konservendosen hatten nach einmaligem Gebrauch nicht ausgedient, sondern gehörten zum gut funktionierenden Mehrweg-System. Sie wurden gespült, gefüllt und wieder verschlossen. Das alles ist in dem, wie Silke Appelbaum-Schweigert erklärt, „wunderschönen Museum“ im ursprünglichen Back- und Brauhaus des Klosters zu sehen.

 Dort dreht sich vom Keller bis zum Dachboden alles um Welver in alter und neuer Zeit. Die Besucher streifen durch die Jahrhunderte und bekommen Einblick in den Alltag der Menschen in der Niederbörde, wobei die Spannweite von der Schlafstatt bis zur Schulbank reicht. Anfassen und ausprobieren ist ausdrücklich erwünscht. 

Wer in Omas Küche steht, dann weiter zur guten Stube mit dem Paradesofa geht und mit den Aktiven des Heimatvereins Welver ins Gespräch kommt, staunt – zum Beispiel darüber, dass die alten Bauern damals schon energiespendendes und gesundheitsförderndes Superfood kannten: Sie ließen sich deftige Wibbelbohnen schmecken, ein eiweißreiches und nahrhaftes Gericht, das der Heimatverein heute noch nach traditionellem Rezept auf den Tisch bringt. Die Gäste sind eingeladen, herzhaft zuzulangen – obwohl sie heute keine Schwerstarbeit mehr auf den Feldern leisten müssen. 

Hülsenfrüchte sollen der Schönheit zuträglich sein, früher kam es aber eher auf den kraftvollen Gehalt an. Silke Appelbaum-Schweigert und alle ihre Vorstandskollegen kennen viele Dönekes aus vergangenen Tagen, die sie bei den Rundgängen immer wieder lebendig werden lassen. Sie zeigen auf die Schuster-Werkstatt mit hundert Jahre alten Stiefeln aus solidem Leder: Solche Schätze wurden früher gehütet und gepflegt. Im Sommer trugen die Leute Holzklotschen, war’s draußen heiß, liefen sie barfuß. 

Die festen Schuhe waren dem Winter vorbehalten – man musste sparen und verhielt sich nachhaltig. Das galt auch für die Kleidung. Silke Appelbaum-Schweigert: „Die wurde getragen, bis sie ganz kaputt war.“ Auf dem Flur steht eine Puppe im feinen Schwarzen. Sie verkörpert die schicke Dame von einst, die sich beim Reinemachen mit dem modernen „Saugling“ aus den 30er-Jahren die Finger nicht mehr schmutzig machte.

Das Gerät schafft den Dreck immer noch einwandfrei weg. Es arbeitet außerdem ohne Beutel. „Alles schon mal da gewesen“, stellt die Schriftführerin mit Blick auf die jetzt wieder gefragte Technik fest. Sie kennt das Heimathaus so gut wie ihre vier Wände und freut sich, wenn die Besucher an ihre eigene Kindheit denken und berichten, wie es anno dazumal bei Oma und Oma zuging. 

Jeder Raum des historischen Hauses steckt voller Überraschungen und Aha-Effekte. Das gefällt auch den Kindern, die nach Anmeldung bei der geheimnisvollen Gespenstertour selbst die dunklen Ecken durchstöbern. Sie gruseln sich und haben viel Spaß. Krimi-Fans erlebten bereits unterhaltsame Stunden im dunklen Eiskeller. „Die Heimat ist spannend“, meint Silke Appelbaum-Schweigert. Das Haus ist beliebt: Hier wird gewebt und gesponnen, es wird erzählt, Erinnerungen machen die Runde. „Ein Haus mit Atmosphäre und Charakter“, sagt die Welveranerin. Die Geschichte ist zum Greifen nah.

Quelle: Soester Anzeiger

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare