Hans Wilms von der Gemeinde Welver war der Sommer 2021 nicht zu nass

Bauhofleiter: „Lass es doch regnen!“

Die Mitarbeiter des Bauhofs in Welver haben in diesem Jahr mehr mit Grünschnitt zu tun als in den Vorjahren.
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Die Mitarbeiter des Bauhofs in Welver haben in diesem Jahr mehr mit Grünschnitt zu tun als in den Vorjahren.

 „Ich meckere nicht, dass wir einen nassen Sommer hatten. Wenn Leute nörgeln, sage ich ihnen, lass es doch regnen!“ Hans Wilms, Leiter des Bauhofs der Gemeinde Welver, mag sich dem Wehklagen vieler Zeitgenossen nicht anschließen, denen das Wetter in den vergangenen drei Monaten zu schlecht war. Als Mann, der sich schon allein von Berufs wegen viel mit Grünzeug befasst, weiß er, dass es eigentlich noch viel mehr regnen müsste.

Welver - „Wir hatten nicht zu viel Wasser“, betont der nebenberufliche Waldbauer. „Sicherlich hatten wir einige nasse Ecken auf den Äckern, und auch in den Blänken der Flussniederungen steht etwas Wasser“, hat er in den vergangenen Wochen beobachtet. Doch der Grundwasserspiegel ist seiner Erfahrung noch längst nicht auf dem Stand, den er eigentlich haben müsste. „Wenn man im Wald etwas tiefer gräbt, kommt noch kein Wasser zum Vorschein“, bestätigt er den Eindruck von Spaziergängern, die die kleinen Wasserläufe und Tümpel auch nach den jüngsten Regenfällen weitgehend trocken erleben.

Immerhin: „Für die Bäume war es nach den drei extrem trockenen Sommern etwas Erholung. Aber Schäden aus den Vorjahren werden dadurch nicht behoben“, weiß er darum, wie die Auswirkungen des Klimawandels auch den heimischen Gehölzen zusetzen. Der Wald brauche noch viel mehr Regen und auch gemäßigte Temperaturen nach dem Hitzestress aus 2018, 2019 und 2022.

Da haben selbst Buchen Schäden erlitten, erzählt Wilms von der Sonnennekrose, einer Art Sonnenbrand, die der Rinde der Bäume zusetzt. „Dadurch entstehen Wunden, in denen sich Schädlinge einnisten“, hat er auch im Wirkungskreis seines Gemeinde-Bauhofs festgestellt. Ergebnis ist unter anderem eine deutlich lichtere Krone.

Jetzt gehe es darum, Bäume zu pflanzen, die besser mit den veränderten Klimaverhältnisse umgehen könnten. Beispielhaft nennt Wilms für die heimischen Wälder Eiche, Flatterulme und selbst Birke, für die Straßenränder Amberbaum, Baumhasel, Feldahorn und Hainbuche. Für diese Bäume komme es darauf an, dass sie auch in trockenen Sommern genügend Wasser bekommen, die Baumscheiben entsprechen groß gewählt werden. So setzt sich Hans Wilms dafür ein, dass bei der Umgestaltung des Ortskerns entsprechend verfahren wird. „Besser, man verzichtet auf einen Parkplatz“, mahnt er mehr Platz für die Bäume an.

Heilfroh ist der Bauhofleiter, dass die erst im Frühjahr gesetzten Obstbäume an der Straße zwischen Kirchwelver und Recklingsen angegangen sind. „Hier sind nur zwei abgestorben, obwohl sie ohne Ballen eingepflanzt worden sind.“ Es gab demnach genügend Wasser von oben, damit sich Apfel, Birne, Pflaume und Co. wohl fühlen.

So wohl wie das Grünzeug, was sich dort breit macht, wo es weniger erwünscht ist. Löwenzahn, Wegerich, Trichterwinde, Knöterich – alles diese Gewächse wuchern zwischen den Pflastersteinen, machen sich selbst in Asphaltfugen breit. Und auch in den Beeten an den Straßen, deren Pflege dem Bauhofleiter einige Schweißperlen auf die Stirn treibt.

Er erzählt von einer Böschung an der Hattropholser Straße in Borgeln, die von seinem Team bearbeitet wurde. „Vier Wochen später waren die Sträucher wieder so hoch wie vorher“, ist das immense Wachstum der oberflächlich wurzelnden Gewächse auf die größeren Regenmengen im Sommer im Vergleich zu den Vorjahren zurückzuführen. „Der Brombeere kannst Du zugucken beim Wachsen“, nennt Wilms ein Beispiel.

Beschweren will sich Wilms darüber aber nicht – im Gegenteil: „Der Vorteil ist, dass es bei den Arbeiten im Straßenraum nicht so staubt.“ Ihn stört der Regen ohnehin nicht. Für die Natur ist es nur von Vorteil, wenn das Wetter auch im Juni, Juli und August 2022 so werden würde wie im am Dienstag zu Ende gegangenen meteorologischen Sommer 2021. Es kann also so weitergehen wie am vergangenen Wochenende, als Hans Wilms auf seinem Hof in Berksen immerhin 30 Millimeter Regen notieren durfte.

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