Schwefe

Grüne wollen Kopfweiden retten

Alle zwei bis drei Jahre werden die Kopfweiden normalerweise beschnitten.
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Alle zwei bis drei Jahre werden die Kopfweiden normalerweise beschnitten.

Die Grünen in Welver machen sich Sorgen um die Kopfweiden. An drei Orten im Bereich der Gemeinde sind die in die Jahre gekommenen Bäume gefährdet. Die Grünen aber wollen sie retten, setzen darauf, dass sie Gehör finden mit ihrem Anliegen bei den Verantwortlichen.

Schwefe –„Die Kopfweiden stehen auf Privatgrund, die Besitzer können sich aus Altersgründen nicht mehr um sie kümmern“, weiß Petra Maras, Sprecherin des Ortsverbandes der Grünen. Die Bäume ragen mit ihren Ästen und Zweigen über die Straße, die seit Beginn der Straßenbauarbeiten im Schwefer Ortskern von vielen Autofahrern als Abkürzung genutzt wird. Daher könnte den Bäumen aus Gründen der Verkehrssicherung im kommenden Herbst oder Winter der Garaus gemacht werden.

Grüne wollen Kopfweiden retten: Gespräch mit Bauhofleiter

„Das werden wir so nicht akzeptieren“, betonen die Grünen auf ihrer Internet-Seite und streben ein Gespräch mit Bauhofleiter Hans Wilms an, wie Petra Maras erläuterte.

Die Grünen verweisen darauf, dass die Bäume gerade in ihrem aktuellen Zustand noch über Jahrzehnte als wertvoller Lebensraum dienen könnten. Sie seien sichtbare Ergebnisse einer langen gemeinsamen Entwicklungsgeschichte von Mensch und Natur und damit prägend für das Landschaftsbild.

„Sie sind Zeugen unserer Kulturlandschaft und an vielen Stellen in Welver zu entdecken“, verweisen die Grünen auf ihrer Homepage auf die Bedeutung gerade dieser Bäume. So haben einst Bauern Weiden angepflanzt, sie zu Pfosten gekappt, um ihre Viehweiden zu begrenzen. Doch sie unterschätzten offenbar den Überlebenswillen dieser Bäume. Viele Pfosten trieben wieder aus und wuchsen zu Bäumen heran, zu eben diesen Kopfweiden.

Grüne wollen Kopfweiden retten: Alleen selten geworden

Die Menschen im Mittelalter erkannten in den langen, geraden Zweigen eine neue Möglichkeit. Sie ernteten die langen Ruten, waren sie doch mühelos in Reichweite abzuschneiden. Sie wurden für das Flechthandwerk genutzt, Körbe, Möbel oder Fischreusen wurden daraus hergestellt; auch als Baustoff wurden die Ruten verwendet. Es gibt Vermutungen, dass die Kopfweide sogar schon in der Jungsteinzeit kultiviert worden ist.

Heute sind die Alleen mit diesen einst so landschaftsbildenden Bäumen sehr selten geworden. Die Ruten werden nicht mehr benötigt, da Kunstfasern ihre Pflege und Ernte überflüssig gemacht haben. Daher gibt es Überlegungen, die Handwerkskunst des Weidenflechtens ins Unesco-Weltkulturerbe aufzunehmen.

Nach ihrem Leben als Lieferant für Werkstoffe der Handwerker sind die Kopfweiden ein wichtiger und vielfältiger Lebensraum für etwa 200 verschiedene Tierarten, darunter auch stark bedrohte. Denn diese nutzen die Hohlräume, die sich bilden, wenn die Kopfweiden durch Fäulnis ausgehöhlt worden sind. Seltene Tiere wie der Siebenschläfer finden hier einzigartige Nistquartiere. Auch Fledermäuse sind hier zu Hause.

Grüne wollen Kopfweiden retten: Steinkauz ist zu hören

Laut den Grünen ist am Standort in Schwefe seit mehreren Jahren ein Steinkauz zu hören, seit etwa drei Jahren sogar mehrere Steinkäuze in den Abend- und Nachtstunden. Mit der Zerstörung der Kopfweiden würde auch die Lebens- und Fortpflanzungsstätte der Steinkäuze zerstört werden“, mahnen die Grünen und hoffen auf Gehör bei der Gemeinde.

Nicht unerwähnt bleiben darf zudem die Tatsache, dass Kopfweiden auch im hohen Alter noch wachsen und blühen, selbst wenn sie nahezu vollständig hohl sind. So stellen sie wertvolle Areale für Bienen und Schmetterlinge dar.

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