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Gewinnversprechen nerven Ehepaar aus Welver

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Von: Heyke Köppelmann

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Solche Briefe flattern einem Ehepaar seit geraumer Zeit ins Haus. Ein Unternehmen buhlt massiv um die Aufmerksamkeit der Welveraner.
Solche Briefe flattern einem Ehepaar seit geraumer Zeit ins Haus. Ein Unternehmen buhlt massiv um die Aufmerksamkeit der Welveraner. © Peter Dahm

„Sie haben es geschafft!“ Worte, die ein älteres Ehepaar aus Welver erst neugierig machten und dann stutzen ließen. Denn der Brief, der kürzlich eintraf, verhieß erst einmal Erstaunliches: „Sie halten eine wichtige Nachricht in den Händen, die den 450 000-Euro-Supergewinn in unserer aktuellen Gratisverlosung betrifft.“ Inzwischen sind die Rentner, die anonym bleiben möchten, genervt, immer wieder treffen neue Mitteilungen ein, alle mit persönlicher Ansprache und mit einem ausschweifenden Text, der „höchstes Vergnügen“ und „besondere Privilegien“ ankündigt. „Eine Masche“, wie die Verbraucherzentrale meint.

Nicht nur Bares wird den Welveranern in Aussicht gestellt, sondern auch ein unvergessliches Luxus-Wochenende mit einem eigenen Chauffeur. Gern dürften sie auch für wenig Geld ein Buch anfordern.

„Das ist zu schön, um wahr zu sein“, meinen die beiden, und Ann-Kathrin Quandt von der Verbraucherzentrale in Soest gibt ihnen Recht. Sie mahnt zur Vorsicht, denn bei vielen dieser Versprechen, die oft sogar zuhauf ins Haus flatterten, zahlten die vermeintlichen Glückspilze drauf. „Wir raten, Abstand zu nehmen“, sagt Ann-Kathrin Quandt. Die Welveraner jedenfalls wollen gar nicht zu den angeblich ganz wenigen Menschen im Land gehören, die auf eine exklusive Chance hoffen dürfen. Die Schreiben landen in ihrer Ablage. Sie haben weder Interesse daran, dass Ihnen der Direktor des Preisvergabe-Büros in einer reizenden und weltberühmten Kurstadt einen Scheck überreicht, noch möchten sie den Schnellantworter-Bonus in Form eines top ausgestatteten Tablets oder eines nagelneuen Fernsehers bekommen.

Woher die Absender ihre Adresse haben, wissen die Eheleute nicht. Und sie möchten dem Unternehmen auch keine weiteren Daten preisgeben. Auf die Aufforderung, umgehend zu antworten, gehen sie nicht ein.

„Richtig so. Solche Werbung gehört in den Papiermüll“, so die Meinung von Verbraucherberatern. Zwar sei die Teilnahme nicht zwingend an einen Kauf gebunden, doch sehe es ganz so aus, als sollte eine Produktanforderung provoziert. werden. Einmalige Vorteils-Angebote wie ein Atlas oder ein Ratgeber könnte die Angeschriebenen zu einer Bestellung verleiten. Ann-Kathrin Quandt gibt den Tipp: „Wollen Sie keine weitere Werbepost des Unternehmens erhalten, widersprechen Sie der Zustellung – am besten mit einem Nachweis.“ Die Verbraucherzentrale halte Musterbriefe zum Widerspruch bereit, um die unerwünschte Post endlich loszuwerden.

Ann-Kathrin Quandt kennt von Berufs wegen eine Reihe Tricks, mit denen Schwindler versuchen, anderen das Geld aus dem Portemonnaie zu ziehen. War es früher üblich, dass Leute auf der Straße angesprochen wurden, gehe man heute vielfach ins Internet. Plötzlich springe ein Pop-up-Fenster mit der Meldung auf: „Sie haben gewonnen.“ Da sollen die Nutzern etwa eine teure Kaffeemaschine bekommen, tatsächlich aber einen Vertrag abschließen. Von dem Automaten fürs Heißgetränk sei auf einmal keine Rede mehr.

Andere Akteure bedienen sich, so die Beraterin, seriöser Namen, wie von bekannten Discountern, um Reibach zu machen. So erweckten sie Aufmerksamkeit, um in die eigene Tasche zu wirtschaften. Eine Täuschung. Wer da nicht aufpasse, laufe schnell Gefahr, in die Falle zu tappen. „Werbung mit Gewinnaussichten sei irreführend und verboten, wenn Umworbene in irgendeiner Form zur Kasse gebeten werden, um den Preis zu erhalten“, stellt Ann-Kathrin Quant klar. Denn: „Gewinn ist Gewinn – ganz ohne Verpflichtung.“

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