Frostnächte auf dem Obsthof Korn in Einecke: 

Erdbeeren müssen unter die Decke

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Gute Nacht: Schon am Nachmittag legen die Mitarbeiter des Obsthofs Korn schützenden Decken über die Erdbeeren.

Einecke – „Die Stimmung bei unseren Mitarbeitern ist nicht gerade prickelnd“, sagt Arne Korn. Der Chef vom Obsthof Korn in Einecke kann den Unmut seiner Leute verstehen: Die verbringen ihre Tage nämlich gerade damit, auf einer Fläche von rund 15 Fußballfeldern jeden Vormittag große Abdeckungen wegzuräumen und am Nachmittag wieder über die blühenden Erdbeeren zu legen.

„Die arbeitsintensiven Maßnahmen sind notwendig, weil durch den Bodenfrost die Blüten ohne Schutz erfrieren“, so Arne Korn. „Am Tag müssen wir Luft an die Pflanzen lassen, damit die sich keine Infektion einfangen.“ Unter der Abdeckung werde es feucht – und um die Pflanzen zu schützen, müsse der Wind die Feuchtigkeit wieder wegnehmen. 

Die gute Nachricht: Trotz des seit Tagen anhaltenden Bodenfrostes haben die Blüten der Erdbeeren bisher kaum Schaden genommen. „Hin und wieder eine Blüte, die am Vlies kleben geblieben ist“, so Arne Korn, habe Verluste von höchstes zehn Prozent in einem starken Blütenjahr bewirkt. „Das ist bisher absolut tolerierbar.“

Blühende Aussichten: Arne Korn präsentiert´Apfelblüten, die die Kälte überstanden haben.

Die schlechte Nachricht: Wegen des intensiven Arbeitseinsatzes in Verbindung mit dem Mindestlohn entstehen dem heimischen Obstbauern hohe Kosten.

Ein Blick auf die Wettervorhersage stimmt Arne Korn aber zuversichtlich. „Hoffentlich schon morgen“ könne man angesichts von Plusgraden auf die Abdeckungen verzichten. Was für die Erdbeeren am Boden gilt, hatte während der letzten Tage für die Obstbäume auf dem Hof in Einecke keine Bedeutung. Weil nämlich der Frost die höheren (Baum-)Regionen nicht erreichte, waren auch keine Schutzmaßnahmen für die Obstbäume notwendig. 

Wie das Jahr im Vergleich zu den Vorjahren beginnt? Arne Korn: „2017 hatten wir ja auch ein richtiges Frostjahr. Und im letzten Jahr war es viel zu warm. Da hatten wir große Hitzeprobleme, weil unsere Kulturpflanzen für einen so heißen Sommer einfach nicht gemacht sind.“ In der Folge habe es extreme Probleme bei der Lagerung gegeben. Der Grund: Aufgrund der anhaltenden Hitze sei es zu Zellschäden in den Äpfeln gekommen. In der Folge gab es dann „Fleischbräune“.

Klaus Fischer als Vorsitzender des Soester Obst- und Gartenbauvereins bestätigte die Einschätzung Korns. Trotz des Frostes hätten die normalen Obstbäume keine Schaden genommen, weil die Eiseskälte in einer Höhe von ein bis zwei Meter vorbei gewesen sei. „Anders sieht es bei Buschbäumen aus. Wenn die noch nicht geblüht haben, dann wird es kritisch“, so Fischer. Problematischer sei es bei den Kartoffeln oder Tomaten, so Fischer weiter. „Wer seine Tomaten schon nach draußen gesetzt hat, der hat dumm geguckt. Die Blätter sind verfroren und die Pflanze ist hin.“

Erfroren: Diese Erdbeerblüte hat den Frost nicht überstanden.

Wie sich das Wetter in diesem Jahr weiterhin präsentiert, das ist noch offen. Arne Korn wünscht sich „einen ganz normalen Sommer ohne große Hagelereignisse, ohne extreme Hitze und mit ausreichend Regen“. Wenn es doch anders kommt, dann seien das Herausforderungen, denen man sich in jedem Jahr neu stellen müsse. Apropos Herausforderungen: Auf dem Obsthof Korn gib es ab sofort anstatt Plastik- nur noch Pappverpackungen. „Die Leute fragen schon aktiv nach umweltfreundlichen Alternativen. Kunststofftüten und -verpackungen sind einfach out“, so Arne Korn über eine Entwicklung, die er gerne begleitet.

Quelle: Soester Anzeiger

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