Telefonbetrug: Frau aus Welver verliert durch neue "Microsoft-Masche" viel Geld

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Eine Frau aus Welver wurde Opfer einer neuen Art von Telefonbetrug (Symbolfoto) und verlor so viel Geld.

Welver - Silke Appelbaum-Schweigert dachte, ihr könnte so etwas nie passieren. Doch dann wurde die Frau aus Welver  Opfer eines Telefonbetrugs und verlor viel Geld.

Silke Appelbaum-Schweigert ist weder auf den Mund, noch auf den Kopf gefallen – John Carter unglücklicherweise auch nicht. Aber weil er, oder wer immer sich auch in Wahrheit hinter diesem mit ziemlicher Sicherheit falschen Namen verbergen mag, dazu auch noch über eine beträchtliche kriminelle Energie verfügt, wurde Carter zum Täter und Appelbaum-Schweigert zum Opfer. Klein beigeben will sie aber deshalb noch lange nicht.

Es war ein Betrug, wie er in Zeiten moderner Kommunikationstechnik leider massenhaft geschieht, in dieser Spielart aber, zumindest hierzulande, noch einigermaßen neu ist. Vielleicht hat das ja dazu beigetragen, neben Carters Raffinesse und professionellem Geschick, dass die 50-Jährige überhaupt darauf hereinfiel. 

Fünf Stunden am Computer

Satte fünf Stunden führte sie an ihrem Computer aus, was der ihr völlig unbekannte Anrufer wollte: Am Ende war ihr Bankkonto um 2 500 Euro leichter – und Appelbaum-Schweigert am Boden zerstört. 

Die Masche: Zunächst meldete sich eine angebliche Mitarbeiterin von Microsoft am Telefon mit der Mitteilung, dass der Rechner gehackt worden sei und nun für illegale Geldschiebereien, möglicherweise sogar von Terroristen, missbraucht würde. Die vermeintliche Bestätigung dafür „entdeckte“ Appelbaum-Schweigert, natürlich nach entsprechender Anleitung, in den Einstellungen ihres Computers. Um das „Problem“ zu lösen, übergab die Anruferin an ihren „Chef“, der sich mit John Carter vorstellte. Der komplette Dialog fand auf Englisch statt, beide Anrufer sprachen mit indischem Akzent. 

Insgesamt 16 kleine Überweisungen

Der Mann stellte es so geschickt an, dass die Welveranerin trotz zwischenzeitlicher Bedenken stundenlang mitmachte, sogar kurz das Haus verließ, um ein angeblich nötiges Programm zu kaufen und zu installieren, und schließlich eigenhändig die insgesamt 16 kleinen Überweisungen ausführte, die sich erst viel später auch als solche erwiesen. 

"Ich habe mich missbraucht gefühlt"

Da war, natürlich, schon alles zu spät. „In dem Moment hat es mir richtig den Boden unter den Füßen weg gezogen“, beschreibt die als Hebamme arbeitende Frau ihre Emotionen mit leiser Stimme. „Ich habe mich regelrecht missbraucht gefühlt, auch fürchterlich geschämt, weil ich so unglaublich dumm gewesen bin und das von einem völlig Fremden schamlos ausgenutzt wurde“. Dabei sei sie sich eigentlich so sicher gewesen, dass ihr so etwas nicht passieren könnte: „Ich stehe mitten im Leben, bin sicher nicht leichtgläubig und kenne mich auch einigermaßen mit Computern aus“. 

Jetzt weiß sie: „Ich habe den entscheidenden Moment ganz am Anfang des Telefonates verpasst, als ich das Gespräch sofort hätte beenden sollen“. Weil sie das nicht tat, hatten die Betrüger praktisch schon gewonnen. „Das sind absolute Profis, die technisch, rhetorisch und psychologisch geschult sind und ihren Opfern in so einer Situation kaum noch eine Chance lassen, sich dem Gespräch wieder zu entziehen“. 

Dennoch: Viel mehr weh als der Verlust des Geldes tut Silke Appelbaum-Schweigert der Schmerz über das eigene Versagen in dieser Situation, obwohl sie von ihrer Familie und Freunden, aber auch bei der Bank und der Polizei sehr viel Verständnis und Unterstützung bekommen habe. Darüber zu reden sei zwar nicht angenehm, aber aus zwei Gründen für sie jetzt sehr wichtig: „Ich will auch andere potenzielle Opfer vor der Masche warnen“, erklärt sie. Und: „Über diese Erfahrung sprechen hilft mir, sie zu verarbeiten. Wenn ich das nicht mache“, und da lacht sie schon wieder ein bisschen, „platze ich“. 

Zumindest die Bank hat eine gute Nachricht

Wenigstens ein bisschen geplatzt ist aber seit gestern auch der Traum von „John Carter“ von schnell verdienten 2500 Euro: Die Bank konnte Silke Appelbaum-Schweigert überraschend die frohe Kunde übermitteln, dass sie immerhin 1500 Euro zurückbekommen wird. Ihr sofort eingelegter Widerspruch hatte damit wenigstens teilweise Erfolg.

Quelle: Soester Anzeiger

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