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Förster werben für Verständnis

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Von: Dirk Wilms

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Förster Carsten Arndt und Referendarin Sophie Dohrmann auf einem Stapel Roteichen, die auch aus dem Welveraner Wald entnommen werden.
Förster Carsten Arndt und Referendarin Sophie Dohrmann auf einem Stapel Roteichen, die auch aus dem Welveraner Wald entnommen werden. © Dirk Wilms

Die Sägen kreischen, die Motoren röhren, die Äste knacken. Manch ein Spaziergänger oder Radfahrer reagierte bisweilen unwirsch, als er im vergangenen Winter die Forstarbeiter bei ihrem Wirken im Welveraner Wald hörte und sah. Carsten Arndt, Förster im Staatsforst, hat einmal mehr erfahren, dass seine Forstwirte Beschimpfungen über sich ergehen lassen mussten: „Die Leute sind für Erklärungen nicht zugänglich, haben ihre feste Meinung.“ Die Arbeiten im Wald werden von vielen Zeitgenossen eben sehr kritisch gesehen.

Welver - Auch sein Kollege Allan Mitchell, der sich um die privaten Wälder im Bereich des Regionalforstamtes Soest-Sauerland kümmert, kennt die Reaktionen. So rieben sich viele Welveraner verwundert die Augen, als sie den Einschlag an der Buchenstraße zwischen Dorfwelver und Welver sahen. „Wir mussten dort reagieren“, erklärt Mitchell. Ein Pappelbestand sei abgängig gewesen, und das nahe der stark befahrenen Straße.

„Hätten die Pappeln mitten im Wald gestanden, wäre es kein so großes Problem gewesen. Doch nahe der Straße war das Risiko zu groß“, erklärt der Forstexperte die Pflicht zur Verkehrssicherung. Einige Bäume waren schon umgestürzt, der Rest wurde im Spätwinter gefällt. „Hier soll eine Wiederaufforstung mit stabileren Baumarten erfolgen“, so Mitchell weiter.

Auch im Staatsforst gibt es einige Flächen mit Pappeln, die vor einigen Jahrzehnten als schnell wachsende Bäume angepflanzt worden waren. Einst säumten Pappeln auch Sportplätze wie das Buchenwaldstadion, wo sie mit ihrem schnellen Wachstum viel Wasser aus dem feuchten Untergrund gezogen haben. So dienten sie auch als natürlicher Ballfangzaun.

Diese Pappeln sind längst Geschichte; auch ihre Artgenossen im Staatsforst werden nach und nach gefällt. Denn wie andere fremde Bäume gehören sie eigentlich nicht in den von Eichen, Buchen und Eschen geprägten Wald in der Niederbörde. Wie Carsten Arndt erläutert, sollen heimische Gehölze bevorzugt werden, von acht verschiedenen Baumarten im Mischwald ist die Rede.

Einige Pappeln im östlichen Bereich nahe Recklingsen waren schon gefällt, aber nicht abtransportiert worden. Nach dem zuletzt feuchten Winter war der Untergrund zu weich, um mit schweren Maschinen ins Gehölz zu fahren. Mit leichteren Geräten waren die Stämme nur durch die Rückegassen gezogen worden. Da die Bäume aber weitgehend nur als Industrieholz vermarktet werden angesichts des zum Teil hohen Fäulnisgrades, können sie bis zum nächsten Winter liegen bleiben.

Zu gern würde Carsten Arndt bodenschonender agieren lassen, hatte schon Kontakt geknüpft zu einer Fachfrau, die mit Pferden die Rückarbeiten durchführt. Doch hatte sich der Plan zerschlagen. Arndt hat diese Art und Weise der Waldbewirtschaftung aber nicht aus den Augen verloren.

Damit will er auch den Kritikern begegnen, die die Arbeiten im Wald generell verurteilen: „Wir räubern nicht, stehen im stetigen Austausch mit der Unteren Landschaftsbehörde; uns geht es um eine nachhaltige Nutzung.“ Dabei verweist er darauf, dass die Kritiker verstummen, wenn sie nach der Quelle der Hölzer für den Dachstuhl ihres Hauses gefragt werden.

Im vergangenen Winter wurden im Staatswald 280 Festmeter Industrieholz von Buche, Ahorn und Esche eingeschlagen, 200 Festmeter Roteiche, Pappel und Buche, dazu einige Festmeter Windwurf. „In unserer Forsteinrichtung ist ein nachhaltiger Einschlag von 1 500 Festmetern vorgesehen“, erklärt Arndt.

Sein Kollege Mitchell ergänzt, dass in seinem Wirkungskreis allein 500 Festmeter Kalamitätsholz gefällt werden musste. Dabei handelt sich neben der Pappel inzwischen eben auch um andere Laubbäume. „Man sieht den Buchen den Stress an, wenn sich die Krone lichtet“, skizziert Mitchell die Merkmale. Und die Eiche sieht sich angesichts der Trockenheit zunehmend einem Schädling namens Zweipunktiger Eichenprachtkäfer ausgesetzt.

„Das ist noch nicht beängstigend“, so Mitchell. Doch der Klimawandel mache sich mehr und mehr auch im Welveraner Wald bemerkbar. Da nütze ein feuchter Winter noch nichts. „Der Grundwasserspiegel ist noch längst nicht da, wo er sein sollte“, befindet der Experte. Um die zuvor so trockenen Jahre auszugleichen, bedürfe es weiterer feuchter Winter.

„Alle Bäume haben inzwischen Probleme“, sieht er Eiche, Buche und Co. als Gradmesser für die sich zuspitzende Lage. „Die Leute müssen verstehen, dass wir jetzt etwas tun müssen, sonst haben wir keine Chance mehr“, richtet er den Blick weit nach vorn für kommende Generationen. Im Welveraner Wald hilft dabei auch die Wiederaufforstung mit Mischbeständen, wo sie sowohl in den staatlichen als auch in den privaten Abschnitten erfolgen soll.

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