Nachruf

Nach plötzlichem Tod von Brandmeister Jannes Klüsener: „Wo er war, war Stimmung“

Jannes Klüsener Feuerwehr Welver
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Jannes Klüsener mit einem Lachen im Gesicht – so werden seine Kameraden ihn in Erinnerung behalten. Am Samstag verstarb der 26-Jährige, nachdem er zum Einsatz gerufen worden war.

Die schlimmste Vorstellung, die es für Feuerwehrleute überhaupt gibt, ist für die Kameraden der Feuerwehr Welver am Samstag Realität geworden: Sie haben einen Kameraden, einen Freund und ein Vorbild aus ihren eigenen Reihen verloren, kurz nachdem sie zum Einsatz gerufen worden waren.

Welver – Jannes Klüsener war am Samstagnachmittag als Ausbilder gerade dabei, den Feuerwehrleuten von morgen sein Wissen bei der Grundausbildung weiterzuvermitteln. Mancher Anwärter des Grundlehrgangs, der der Beginn einer jeden Feuerwehr-Karriere ist, kannte ihn schon lange, leitete er doch die Jugendfeuerwehr des Löschzugs 2 der Feuerwehr Welver. Noch während des Ausbildungs-Moduls wurde Jannes Klüsener allerdings selbst zum Einsatz gerufen: Über den Notruf war eine Diesel-Lache auf dem Amper Bach in Schwefe gemeldet worden. Gemeinsam mit seinen Kameraden der Löschgruppe Borgeln und weiteren Einheiten der Feuerwehr Welver machte er sich auf, um die Umwelt vor dem ausgelaufenen Kraftstoff zu schützen.

Vom Feuerwehr-Gerätehaus lief er umgehend nach dem Alarm zur angrenzenden Grundschule, um das Einsatzfahrzeug zu holen. Als Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus‘ war der Grundlehrgang in zwei Gruppen aufgeteilt worden. Jannes Klüseners Gruppe übte am Gerätehaus, die andere Gruppe mit dem Fahrzeug an der Schule. Als Maschinist saß er am Steuer und wartete zur Abfahrt bereit auf die weiteren Einsatzkräfte.

Versuche der Reanimation bleiben vergeblich

Doch das Einsatzfahrzeug sollte den „Status 3“, mit dem der Rettungsleitstelle die Anfahrt zur Einsatzstelle gemeldet wird, an diesem Tag nicht mehr senden. Der 26 Jahre junge Mann brach hinter dem Lenkrad zusammen. Herz-Kreislauf-Stillstand. Seine Kameraden, die den Ernst der Lage sofort erkannt hatten, waren umgehend zur Stelle und begannen mit der Reanimation. Doch alle Versuche der Rettung blieben vergebens. Jannes Klüsener verstarb in Folge einer Lungenembolie.

Die Fassungslosigkeit über den plötzlichen Tod des jungen Mannes schwappte schnell über Orts,- Gemeinde-, Kreis- und sogar Ländergrenzen hinaus.

Eine Bilderbuch-Karriere in der Feuerwehr

Im Gespräch mit unserer Redaktion sprach Dirk Steinweg, Leiter der Feuerwehr Welver, über Jannes Klüsener und seine Bilderbuch-Karriere in der Feuerwehr, die für ihn nie nur ein Hobby, sondern Leidenschaft, Berufung und Familie war.

Nachdem er 2012 endlich volljährig wurde, schaffte er den Sprung von der Jugendfeuerwehr in den Aktiven Dienst. In den acht folgenden Jahren schaffte er es schnell, sich hoch zu qualifizieren, wurde in diesem Jahr zum Brandmeister befördert und durfte fortan im Einsatz als Gruppenführer agieren. Gleichzeitig vergaß er nie, wo sein eigener Weg damals begonnen hatte und setzte sich als Leiter der Jugendfeuerwehr des Löschzugs 2 für die aktive Nachwuchsförderung in seiner Feuerwehr ein. Als Angestellter der Stadt Soest rückte er an Arbeitstagen auch mit der Soester Feuerwehr im „Tagesalarm“ aus, wenn der Funkmelder ihn zum Einsatz rief.

Positive Energie und hohe Zuverlässigkeit

„Jannes zeigte immer ein unfassbares Engagement“, betonte Dirk Steinweg, dem vor allem in Erinnerung bleiben wird, welch positive Energie der 26-Jährige versprühte: „Wo er war, war Stimmung. Er lachte den ganzen Tag, hatte immer einen Spaß auf Lager.“ Auch seine hohe Zuverlässigkeit zeichnete ihn aus: „Man konnte ihn immer anrufen. Auch die Jugendlichen waren immer sehr zufrieden mit ihm“, unterstrich Welvers Feuerwehr-Chef.

Kreisbrandmeister Thomas Wienecke betonte: „Die Nachricht vom Tod des jungen Feuerwehrkameraden traf die Feuerwehren im Kreis Soest wie ein Schlag. Wir alle sind schockiert, fassungslos und sprachlos gleichermaßen. Durch den plötzlichen und viel zu frühen Tod verliert die Feuerwehr einen hilfsbereiten und zuverlässigen Freund, der auch bereit war, durch seinen Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr sein Leben für seine Mitmenschen zu riskieren.“

Trauerflore an Einsatzfahrzeugen in ganz NRW

Um ihre eigene Trauer zu bewältigen und auch anderen eine öffentliche Anteilnahme zu ermöglichen, richteten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Welver ein Kondolenzbuch im Internet ein. In mehreren hundert Einträgen meldeten sich Feuerwehrleute aus ganz Deutschland und sogar Teilen Österreichs zu Wort. Der Verband der Feuerwehren in NRW rief alle nordrhein-westfälischen Feuerwehren dazu auf, sich in solidarischem Gedenken für zwei Wochen an einer Trauerbeflorung der Feuerwehrfahrzeuge zu beteiligen.

Die riesige Anteilnahme beweist den wahren Kern des Leitspruchs der Feuerwehr, für die es im Zusammenhalt keine Orts-, Städte, Kreis- oder Ländergrenzen gibt: „Einer für Alle – Alle für Einen.“

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