Einmal Zentralasien und zurück: Gela und Georg Brill waren 19.000 Kilometer unterwegs

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Tuchfühlung mit einem Adler: Dank der freimütigen Hilfe ortskundiger Guides trafen Georg und Gela Brill unter anderem diesen Adlerjäger und seinen gefiederten Freund.

Welver – Zurück von der Urlaubsreise, das können in diesen Tagen viele vermelden. Die wenigsten dürften jedoch eine Tour hinter sich haben, wie sie Gela und Georg Brill aus Welver in diesem Jahr absolviert haben. Die beiden Ruheständler haben in neun Wochen und zwei Tagen rund 19 000 Kilometer zurück gelegt. Die historische Seidenstraße und einige ihrer berühmten Karawanenorte waren ihr Ziel.

Das Interesse für die fernen Weiten Asiens war geweckt, nachdem die beiden in den 1990er Jahren in Arnsberg den kirgisischen Schriftsteller Tschingis Aitmatow (1928 bis 2008) persönlich kennen gelernt hatten. Die Idee, dessen ferne Heimat und viele weitere Staaten Zentralasiens zu bereisen, war dann im vorigen Jahr im Freundeskreis entstanden. 

„Man müsste mal...“, „man könnte doch...“: Diese Überlegungen wurden kurzerhand in die Tat umgesetzt. Drei der Freunde sollten die Tour im Uhrzeigersinn absolvieren. Georg und Gela Brill und zwei Freunde sollten mit zwei Fahrzeugen gegen den Uhrzeigersinn fahren. 

Der erste Schritt: Ein passender fahrbarer Untersatz musste her, der wegen möglicher Reparaturen in den abgelegensten Winkeln der Erde keinerlei Elektronik aufweisen sollte. So legten Gela und Georg Brill sich ein 27 Jahre altes Wohnmobil auf der Basis eines Fiat Ducato Diesel mit 75 PS zu. 

Mit dem 27 Jahre alten Wohnmobil auf Basis eines Fiat Ducato ging es unter anderem über lose Schotterpisten quer durch den Kaukasus.

Schließlich waren alle Vorbereitungen abgeschlossen, am 12. Mai ging es los. Während ihre beiden Mitreisenden nach dem halben Hinweg umkehrten, ging es für Georg und Gela Brill immer weiter Richtung Osten. Auf der 19 000 Kilometer langen Strecke über den Balkan Richtung Türkei und Georgien und weiter nach Usbekistan und Kirgisistan warteten beeindruckende Sehenswürdigkeiten und viele unerwartete Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen auf die beiden. 

Beeindruckend unter anderem die Römerfestung Gonio bei der georgischen Stadt Batumi an der Schwarzmeerküste; die Fahrten durch den kleinen und den großen Kaukasus warteten mit urtümlichen Schotterpisten und einer grandiosen Bergwelt auf die beiden; und die einzelnen Länder präsentierten sich mit ihrem jeweils ganz eigenen Charme. 

Dann gab es natürlich die berühmten Orte an der Seidenstraße. Taschkent, die Hauptstadt Usbekistans, haben die beiden durchquert, Samarkand überzeugte die Reisenden mit seinem historischen Zentrum, Buchara aber hat die beiden mit viel historischer Bausubstanz richtiggehend verzaubert. „Da konnte man sich direkt vorstellen, dass gleich eine Karawane ankommt“, berichtet Gela Brill. 

Besonders in Erinnerung blieben jedoch die vielen Begegnungen mit den Menschen, die Freundlichkeit und die Hilfsbereitschaft. Immer wieder wurden die beiden selbst im tiefsten Hinterland auf Deutsch angesprochen, so von einem Viehhirten, der seine Kühe und Schafe weidete. Denn viele Angehörige der ehemaligen UdSSR hatten einen Teil ihres Militärdienstes in der früheren DDR abgeleistet. 

Inmitten der weiten Steppenlandschaften trafen Georg und Gela Brill immer wieder auf Menschen, die sie wie dieser Viehhirte auf Deutsch ansprachen.

Besonders umfassend betreut wurden sie in Kirgisistan zudem von einem ehemaligen Deutsch-Professor, der sich auf die Tourismusbranche verlegt hatte. So führte der Guide sie durch die tiefe Schlucht eines urtümlichen Gebirges bis zum Issyk-Kul. Der größte See Kirgisistans liegt auf eine Höhe von rund 1 600 Metern mitten im Tianshan-Gebirge. Auf 2 000 Metern Höhe schliefen sie in einer Jurte – und waren wegen der bitterkalten Nacht froh über ihre warmen Schlafsäcke. Und bei einem der berühmten Adlerjäger durften sie den geflügelten Jagdhelfer sogar selbst auf dem Arm halten. 

Wichtig war die Hilfsbereitschaft der Menschen auch unterwegs. Neun Tage ging es durch glühend heiße Steppe, die Temperaturen stiegen dermaßen, dass das Handy wegen Überhitzung das Abschalten empfahl. Trinkwasser war bei den Einwohnern jedoch immer zu bekommen. 

Schwieriger wurde es da in Usbekistan schon mit dem Diesel. Das Land setzt auf Erdgas, Dieseltankstellen sind rar gesät, aber zur Not hielt auch mal ein Lastwagenfahrer an, um per Schlauch etwas Kraftstoff aus seinem Tank abzugeben. Wegen der vielen freundlichen Begegnungen, berichten die beiden, haben sie sich auf der Reise eigentlich immer sicher gefühlt. Und somit auch alles gut überstanden. 

Gleiches gilt für ihr treues Fahrzeug – wenn man davon absieht, dass unterwegs einige Teile der Blechverkleidung und das hintere Nummernschild abhanden kamen. Letzteres wurde durch ein handgemaltes Schild ersetzt, und in Zentralasien störte das niemanden, erst in Lettland wollte man den beiden daraus ein Problem bereiten. Nach fünf Stunden Aufenthalt konnte jedoch auch diese Schwierigkeit überwunden werden, am 14. Juli rollte das Wohnmobil wohlbehalten in die heimische Straße in Welver.

Faible für außergewöhnliche Reisen

Wenn Gela und Georg Brill (beide 69) von ihrer Reise berichten, dann blitzen ihre Augen und man merkt ihnen die Begeisterung an. Allerdings sind die beiden nicht ganz unerfahren mit ungewöhnlichen Urlaubsfahrten. 

Ein Tour durch Schottland gehört da noch zu den weniger spektakulären Unternehmungen, so sind der frühere Industriekaufmann und die ehemalige Grundschullehrerin schon mit dem Motorrad bis nach Sankt Petersburg gefahren, auf den Spuren von Marion Gräfin Dönhoff, der früheren Herausgeberin der Wochenzeitung „Die Zeit“, durchquerte Gela Brill Masuren zu Pferde. 

Hilfreich für ihre Tour auf den Spuren der Seidenstraße waren Sprachkenntnisse in Englisch, Russisch und Polnisch, vor allem auch deshalb, weil in Russland und vielen ehemaligen Teilstaaten der UdSSR Straßen- und Hinweisschilder in kyrillischer Schrift ausgeführt sind.

Quelle: Soester Anzeiger

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