Freundeskreis Eilmser Wald aktiv

Flüchtlingshelfer wünschen sich neuen Transporter

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Tauschten sich aus: Pastor André Aßheuer, Domkapitular Dr. Thomas Witt, der scheidender Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbands Paderborn, Hejerat Safi, Hezni Barjosef, Caritas-Verband Paderborn Koordinator Flüchtlingsarbeit, und Ulrich Jungen, Vorsitzender Freundeskreis Eilmser Wald e.V (von links).

Welver – 1825 Tage voller Engagement und Emotionen, mit viel Ideenreichtum und einer hohen Frustrationstoleranz sowie immer wieder auch einem Hauch Verzweiflung, weil Empathie ja eben auch verletzlich macht.

Es sind die Ehrenamtlichen, die in den beiden Flüchtlingsunterkünften am Eilmser Wald und in der ehemaligen Ganztagshauptschule (GHS) helfen, wo immer es nötig ist. Sie lesen und übersetzen Briefe im schwierigsten Bürokratendeutsch, begleiten zu Behörden und zu Ärzten, ganz gleich ob Kinderarzt, Internist, Gynäkologe oder ins Krankenhaus, beschaffen Kleidung und Möbel, sorgen für Mobilität und stellen Wohnraum zur Verfügung. Sie fühlen mit, hören zu bei Nöten und Sorgen, sie packen an, wenn der Fahrradreifen platt ist oder ein Umzug ansteht. 

Austausch mit Helfern und Flüchtlingen

Diese Arbeit stand im Mittelpunkt des Besuchs von Domkapitular Dr. Thomas Witt, scheidender Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbands, und des Flüchtlingskoordinators Hezni Barjosef, die sich in Vellinghausen-Eilmsen mit den Ehrenamtlichen, aber auch mit den Flüchtlingen austauschten. Der Vorsitzende vom Freundeskreis Ulrich Jungen berichtete, dass der Verein während der vergangenen fünf Jahre 90 000 Euro aus dem Flüchtlingsfond erhalten hat. Dieses Geld wurde unter anderem in einen eigenen Bulli, die Ausstattung der Flüchtlinge, aber auch in Aktionen und Ausflüge investiert. „Mehr als 230 000 Kilometer hat unser Fahrzeug in den fünf Jahren zurückgelegt, auf diesen Kurzstrecken nahezu unglaublich“, findet Uli Jungen. Dennoch ist das Gefährt wichtiger denn je, weil ja – wegen der Corona-Pandemie – auch der Bürgerbus der Gemeinde aktuell nicht fährt. „Und Mobilität ist hier, acht Kilometer vom Bahnhof entfernt, das A und O“, weiß auch Pastor André Aßheuer. 

Familienanschluss 

Er beherbergt in der alten Vikarie in Kirchwelver seit geraumer Zeit zwei Flüchtlinge, Hejerat Safi und seinen Bruder Hasib. Hejerat hat in diesem Jahr seine Tischlerausbildung bei der Firma Plattfaut abgeschlossen und erst kürzlich seine Führerscheinprüfung bestanden. An ein anderes Beispiel für gelungene Integration erinnert sich Anke Rauer-Jaschke. „Ein Mann aus Eritrea kam vor fünf Jahren nach Eilmsen. Er sollte nach Italien abgeschoben werden. Über ein Kirchenasyl gelang die Aufnahme eines Verfahrens beim Bundesamt. Der Afrikaer erhielt schließlich eine Flüchtlingsanerkennung, fand nach einem absolvierten Sprachkurs eine Arbeit und eine Wohnung in Soest. Inzwischen besitzt er einen Führerschein und eine unbefristete Arbeitsstelle. In seiner Freizeit unterstützt er geflüchtete Landsleute.“ In den Wohnungen von Ulrike Putinas wohnen aktuell 16 Flüchtlinge, „Familienanschluss inbegriffen“, erklärt sie mit einem Lächeln. Die Sorgen und Nöte ihrer Schützlinge sind ihr gut bekannt, „Wir reden miteinander, essen zusammen, machen Ausflüge und leben gemeinsam unseren Glauben, auch wenn dieser nicht immer der gleiche ist.“ Von einem großen Zeitaufwand, aber auch vielen bewegenden Momenten erzählt Marianne Linhoff-Pieperbeck. „Wenn man das Bangen um Familienangehörige miterlebt, die in einem Flüchtlingscamp leben, und schließlich wohlbehalten hier ankommen, oder das Strahlen der Kinder sieht, die im Aquafun einen Schwimmkurs absolvieren dürfen, dann weiß man genau, wofür wir hier sind.“

 Abschiedsschmerz 

Doch auch sie kennt den Schmerz des Abschieds, „wenn man bei der Ausreise am Busbahnhof in Dortmund steht und vor allem die Kinder die Welt nicht mehr verstehen.“ Manche von ihnen kennen aus ihrer Erinnerung nur Deutschland, einige sind hier geboren. „Im Kreißsaal waren wir alle schon mal dabei“, Betreuung kennt eben auch hier keine Grenzen. Umso wichtiger ist es für den Verein, wenn der aktuelle Transporter zeitnah durch einen neuen ersetzt werden würde. „Aktuell werden die Reparaturen einfach zu teuer“, so Uli Jungen. Er wünscht sich außerdem WLAN für die Unterkunft, als eine weitere wichtige Verbindung zur Außenwelt. Aber auch hier ist er in stetem Dialog mit der Gemeinde Welver und ihren Mitarbeitern, die für die hauptamtliche Betreuung der Flüchtlinge zuständig sind. Anna Holthoff, die die Flüchtlinge in der ehemaligen Hauptschule und die Kleiderkammer betreut, freut sich aktuell über jede Spende an Babysachen und Zubehör. „Wir können für unsere Babys aktuell alles gebrauchen, die Abgabe in der Hauptschule ist zu jeder Zeit möglich“, erklärt sie weiter. 

Bedarf an Fahrrädern groß 

Norbert Ebel, der Mann der Fahrräder, hat in den vergangenen fünf Jahren weit mehr als 1000 Räder an den Mann und die Frau gebracht. „Der Bedarf ist aber nach wie vor da. Die Räder sind im Dauereinsatz, deshalb brauchen wir immer wieder Nachchub, den der Freundeskreis an die Flüchtlinge weitergibt.“ Denn Mobilität ist eben doch ein großer Schritt in die Eigenständigkeit.

Quelle: Soester Anzeiger

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