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Kosten bereiten Kopfzerbrechen

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Von: Dirk Wilms

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Die Kreis-SPD war zu Gast auf dem Obsthof Korn in Einecke, tauschte sich mit Landwirten und Arne Korn aus.
Die Kreis-SPD war zu Gast auf dem Obsthof Korn in Einecke, tauschte sich mit Landwirten und Arne Korn aus. © Wilms, Dirk

Die ersten roten Früchte locken bereits. Noch kommen sie aus dem Gewächshaus, doch lecker sind sie jetzt schon. Wenn es aber erst einmal Mai wird, lässt der Wonnemonat die Erdbeeren auch auf dem freien Feld reifen. Dann sind die Felder vom Obsthof Korn rund um Einecke wieder bevölkert von einer Schar von Erntehelfern, die, vor allem aus Osteuropa kommend, die Arbeit erledigen, für die es keine deutschen Arbeitskräfte gibt. Arne Korn kann sich auf sie seit Jahr und Tag verlassen.

Einecke - Das hat er auch den Politikern der SPD erzählt, die mit dem Landwirtschaftlichen Kreisverband bei ihm auf dem Hof im Welveraner Ortsteil zu Gast waren. Aber er hat den Sozialdemokraten auch ins Stammbuch geschrieben, dass es demnächst ein erhebliches Problem geben dürfte. Denn die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro bereitet dem Einecker Obstbauern Kopfzerbrechen: „Wenn das so kommt, steigen die Lohnkosten bei uns um 20 Prozent. Ich weiß nicht, wie es dann bei uns weiter laufen soll.“ Die SPD-Vertreter, in deren Reihen Landtagskandidat Till Heemann erkrankt fehlte, hörten auch, dass ohnehin schon die Betriebskosten exorbitant gestiegen seien. Korn wird daher die 500-Gramm-Schale Erdbeeren aus dem Folien-Gewächshaus für 4,50 Euro anbieten. „Ob wir dann aber im Sommer wie im Vorjahr auf 3,50 Euro runtergehen können, glaube ich kaum“, fürchtet Korn. „3,90 Euro werden wohl das Minimum sein.“

Er hofft, dass seine Kunden ihm trotzdem treu bleiben. „Wir haben schon einen Rückgang von etwa 15 Prozent beim Umsatz verspürt“, berichtet der Einecker von der jüngsten Entwicklung. Er fürchtet, dass viele Leute sich wieder den Angeboten der Discounter zuwenden, „weil hier und da das Portemonnaie kneift“.

Letztlich müsse der Kunde entscheiden, ob ihm der heimische Obstbau ein paar Euro mehr wert ist oder ob schließlich alles importiert werden soll. „Wir können froh sein, wenn wir dieses Jahr eine schwarze Null schreiben. Es geht jetzt um uns Kleinbetriebe“, setzt Korn darauf, dass es den Verbrauchern wichtig ist, dass die Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren nicht nur aus Spanien, Portugal oder Marokko auf die deutschen Tische kommen.

Kostenschraube: Landwirte wollen Bewusstsein bei Politikern schärfen

Um nicht noch weiter an der Kostenschraube drehen zu müssen, hofft er auf Verständnis bei der Politik. „Wir haben die SPD-Vertreter dafür sensibilisiert, was wir machen“, ging es Korn wie auch den Vertretern des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes darum, das Bewusstsein bei den Politikern zu schärfen.

Josef Lehmenkühler, Vorsitzender der heimischen Landwirte, pflichtete ihm bei: „Natürlich sind hohe Löhne für die Arbeitnehmer möglichst wünschenswert. Wenn unsere Höfe aber nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können, dann sind auch die Arbeitsplätze nicht mehr da.“ Arne Korn skizzierte, dass er elf Festangestellte hat, die bei einer Anhebung des Mindestlohns für die Saisonarbeiter dann auch mehr Gehalt verlangen würden. In der Hochsaison sind bis zu 70 Arbeitskräfte bei ihm im Einsatz.

Lehmenkühler wies gegenüber dem Lippstädter SPD-Landtagskandidaten Jens Behrens und der jetzigen Landtagsabgeordneten Marlies Stotz darauf hin, dass das Thema Selbstversorgung und Ernährungssicherheit gerade im Zuge des Ukraine-Krieges dramatisch an Aktualität gewonnen habe. Hohe Energiekosten und explodierende Düngerpreise machten die Produktion teuer. Darauf aber habe man wenig Einfluss; anders als bei den Lohnkosten. Die seien für die kleinen Betriebe ein großes Problem in Hinblick auf den Mindestlohn von zwölf Euro.

Auch die Problematik der immer geringer werdenden Fläche für die Landwirtschaft in Deutschland kam in Einecke zur Sprache. „Hier ist ein Umdenken nötig“, gestand SPD-Kandidat Behrens ein. So sei das neue Wohngebiet im Soester Norden eine Katastrophe. „Man darf die Börde nicht zerstören, da geht wertvolles Ackerland verloren“, mahnte er eine Neubesinnung an.

Lehmenkühler sagte, dass er gewiss jedem Bauern den Erlös aus dem Verkauf seiner Ländereien gönne. Doch sei äußerste Vorsicht geboten bei der Auswahl der Flächen, die aus dem landwirtschaftlichen Produktionsprozess herausgenommen würden. Zudem vertritt der Vorsitzender der Landwirte die Ansicht, dass die im Zuge der EU-Agrarpolitik geplanten vier Prozent Stilllegung nicht vertretbar seien. Gerade der heimische Bördeboden, der keine Bewässerung und verhältnismäßig wenig Energie in der Bewirtschaftung benötige, müsse seinen Anteil zur Ernährungssicherung leisten, argumentierte der Geseker. „Wir haben eine moralische Verantwortung für alle Menschen. Deshalb gebührt der Sicherung der Ernährung die höchste Priorität.“

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