Immer mehr Familien entscheiden sich dafür

Der Trend geht zur Taufe Zuhause

Pastor Werner Vedder tauft den kleinen Mion, der auf dem Arm von Papa Daniel ist.
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Pastor Werner Vedder tauft den kleinen Mion, der auf dem Arm von Papa Daniel ist.

Der kleine Mion ist jetzt ein Jahr alt, in einer feierlichen Zeremonie auf dem elterlichen Hof der Oma des kleinen Erdenbürgers fand jetzt seine Taufe statt.

Welver – Pfarrer Werner Vedder schöpfte dazu das Taufwasser aus einem als Brunnen umfunktionierten alten Waschzuber, in dem Seerosen schwimmen, dazu spielte ein kleiner Posaunenchor, der hauptsächlich aus Familienmitgliedern bestand.

Familie Nastalie aus Welver hatte diesen Ort gewählt, um Corona-gerecht den Taufgottesdienst mit allen Familienmitgliedern zu ermöglichen.

In Pandemie-Zeiten hat sich die Praxis gewandelt

Auch der Bruder des Täuflings, der vierjährige Miro, wurde in die Zeremonie mit einbezogen und durfte die kleine Glocke zu Beginn und am Ende der Taufe läuten. Begeistert zeigten sich auch die anderen Geschwister, Mila (14) sowie die Zwillinge Milow und Mika (11).

Pastor Werner Vedder begrüßt diese neue Form der Taufe. Bisher war der Gemeindegottesdienst in der Regel der Ort, in dem diese formelle Aufnahme in die christliche Gemeinschaft stattfand. In Pandemie-Zeiten hat sich diese Praxis gewandelt, es gibt immer mehr Haus- oder Hoftaufen.

Außerdem besteht derzeit sozusagen ein Stau an Taufen. Das liegt an der Pandemie, die phasenweise für eine Schließung der Kirchen sorgte oder Freiluftgottesdienste herbeiführte.

„Etwas Besonderes und sehr lebendig“

Durch die Zusammenlegung der Kirchspiele Welver, Dinker, Schwefe und Borgeln gibt es außerdem ohnehin weniger Gottesdienste.

Allein in der evangelischen Kirchengemeinde Niederbörde sind in den nächsten drei Monaten fast 30 Taufen zu bewältigen, die sehr oft in privaten Räumen oder unter freiem Himmel stattfinden.

Hier lobt Vedder die Kreativität der Taufeltern bei der Ausgestaltung der Zeremonien: „Da wird gern das alte Waschgeschirr der Oma zur Taufe genommen und auf den Altären finden sich unterschiedliche Kreuze. Sei es das Familienkreuz von der Wohnzimmerwand oder das selbst gezimmerte Kreuz aus Birkenholz, immer ist es etwas Besonderes und dazu sehr lebendig.“

Meist schreiben die Eltern, Paten oder andere Familienangehörige auch das Fürbittengebet und sorgen so für individuelle Wünsche bei den Fürbitten.

Taufe soll kein Event sein

Auch die musikalische Ausgestaltung ist unterschiedlich bei den Haustaufen, mal spielt ein Angehöriger auf einem Instrument, dann wieder gibt es Musik aus der Retorte, aber auch ein Kirchenorganist mit einem Keyboard ist möglich.

Allerdings legt Werner Vedder großen Wert darauf, dass es weiterhin ein Gottesdienst ist und sich nicht zu einem Event verwandelt. In der katholischen Kirche dagegen gibt es diese Form der Haus- oder Hoftaufen nicht, wie Pastor Aßheuer betont.

Auch eine Häufung der Taufen wird dort nicht wahrgenommen, an jedem Wochenende finden in der Regel zwei bis drei Taufen statt.

Nicht mehr Kinder in der Pandemie

Dass die momentane Zunahme der Taufen eine Corona-Erscheinung ist und in der Pandemie mehr Kinder geboren werden, wie im Taufgespräch mit Pfarrer Vedder häufig vermutet wird, kann allerdings anhand der Anzahl der Geburten im Welveraner Bürgerbüro nicht belegt werden: Standesbeamtin Kerstin Hesse zählte im ersten Halbjahr 2020 insgesamt 57 Geburten, im ersten Halbjahr 2021 stehen dem 56 Geburten entgegen.

Das kann viele Eltern beruhigen, die bereits um Kindergartenplätze für ihren jüngsten Nachwuchs bangten.

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