Dem Unwetter hilflos ausgeliefert

Michaela Belicki und ihre Familie wurden in Einecke von Wasser und Schlamm überrascht

Den alten Tisch und vieles mehr musste Michaela Belicki in einem der Container entsorgen.
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Den alten Tisch und vieles mehr musste Michaela Belicki in einem der Container entsorgen.

Es war nachts um halb eins. Michaela Belicki hatte sich zur Nachtruhe begeben. Nach einem trotz des Feiertags betriebsamen Donnerstags mit Gartenarbeit und dem Kümmern um die Mama wollte sie den Akku wieder aufladen für den nächsten Tag im Dienst, den sie vormittags im Pilgrim-Haus in Soest versieht. Doch daraus wurde nichts.

Einecke - „Es sah schon am Abend nach Gewitter aus. Doch hatten wir uns erst einmal hingelegt. Um halb eins aber wurden wir wach von Blitz und Donner. Schnell machten wie die halb geöffneten Fenster zu, da der Regen schon dagegen prasselte“, schildert die 52-Jährige den Beginn des Unheils, das sich in den nächsten Stunden über sie ergießen sollte.

„Der Regen wurde immer stärker, da sahen wir schon das Wasser auf den Hof laufen, da haben meine Söhne, mein Partner und ich schnell die Regenjacken angezogen und sind raus“, wusste die Familie, was zu tun ist. Denn sie sind gebranntes Kind, haben vor drei Jahren schon einmal ein Starkregenereignis auf ihrem Hof in Einecke erlebt.

Wir haben gesehen, wie sich braune Brühe vom Feld herab wie eine Welle auf uns zubewegte.

Michaela Belicki, vom Unwetter Betroffene aus Einecke

So hatten sie Balken bereitgelegt, die sie vor den Eingang zur Deele legten, um die Wassermassen abzuwehren. Die strömten auf den Hof, da die Straße, die sich wie ein Hufeisen – daher der Straßenname – durch den Welveraner Ortsteil zieht, direkt vor Hofeinfahrt in beiden Richtungen leicht ansteigt.

„Wir haben nach dem Gully auf der Straße geschaut, da sahen wir schon, wie sich eine braune Brühe vom Feld herab wie eine Welle auf uns zubewegte. Ich habe meine Mama nach oben in unsere Wohnung geholt“, wusste Michaela Belicki, was auf sie zukommen würde. Denn es wurde eine Riesenwelle, die auf das Gebäude zubewegte, das 1885 von den Eheleuten Husser errichtet worden war.

„Wir hatten zwar Sandsäcke gekauft nach den Erfahrungen von 2018 und sie vor der Deele gestapelt, auch haben wir Decken zusammengerollt und direkt vor die Tür gelegt. Wir haben die Gitter von den Wasserabläufen entfernt, doch es half alles nichts“, war die Einecker Familie den Kräften der Natur ausgeliefert.

Die Couch von Rita Herzig steht im Schlamm. Sie ist zu ihrer Tochter ins obere Stockwerk gezogen.

Das schlammige Wasser bahnte sich seinen Weg an den Hindernissen vorbei oder über sie hinweg, lief durch den Garten, durch die Beete über die Rasenflächen, am Haus entlang und drang durch die Ritzen in die Kellerräume vor. Da steht die Heizung. Zum Glück hatte Michaela Belickis Vater vor vielen Jahren die Geräte schon auf einem Podest montiert, das sich zum Glück als hoch genug erwies, um einen Schaden an der Heizung zu verhindern.

Anderer Hausrat aber wurde schwer erwischt. Denn der Schlamm ergoss sich in die zum Wohnraum umfunktionierte Deele. „Den großen Teppich hatten wir hoch gelegt“, rettete die Familie wenigstens ihn. Sonst aber versank vieles im Schlamm. „In der Werkstatt wurden etliche Geräte zerstört“, bedauert die Eineckerin. Kleiner Trost: „Vor drei Jahren war die Tür zum guten Wohnzimmer meiner Mutter aufgequollen. Dadurch hielt sie jetzt dicht, der Schlamm lief nicht auch da hinein.“

Die ganze Nacht war die Familie im Einsatz, die von Mutter Rita Herzig zur Hilfe gerufene Feuerwehr tat ihr Möglichstes. Doch gegen die die Naturgewalten hatten auch die Blauröcke einen schweren Stand. „Wir hatten vor drei Jahren schon Zusagen von der Gemeinde, dass etwas gemacht wird, um das Oberflächenwasser besser abfließen zu lassen“, ist Michaela Belicki enttäuscht, dass die versprochenen Maßnahmen nicht durchgeführt wurden. „Wir hätten auch über unseren Grund einen Graben buddeln lassen.“

Am nächsten Morgen sah die Bescherung beim Tageslicht, sah auch, dass der Schlamm sich im Unterboden ihres Autos breit gemacht hatte. „Ich bin so froh, dass das Autohaus Stahl in Werl den Wagen kostenlos wieder instandgesetzt hat“, ist Michael Belicki froh über diesen Service. Auch kam ihr die Provinzial-Versicherung entgegen, sodass sie rasch mehrere Container zum Entsorgen von Schlamm und zerstörtem Hausrat bestellen konnte.

Der gröbste Schlamm wurde vom Bauhof der Gemeinde vom Hof gekratzt, danach war die Familie gefordert. Und das ist sie auch heute noch, eine Woche nach dem Unwetter. „Da werden wir wohl mehrere Monate zu tun haben“, sieht die Eineckerin noch längst kein Licht am Ende des Tunnels. Sie hofft nur, ebenso übrigens wie ihre ähnlich betroffene Nachbarin, dass nun von der Gemeinde schnellstmöglich gehandelt wird, um beim nächsten Starkregenereignis nicht erneut den Unbilden des Wetters schutzlos ausgeliefert zu sein.

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