Betreuungsangebot fehlt

Kleiner Junge braucht eine Tagesmutter

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Eine Notbetreuung braucht Annika Beckmann für ihren Sohn John Theo, wenn sie zur Schule geht und bald ihre Prüfung ablegt.

Scheidingen – Von jetzt auf gleich hatte Annika Beckmann aus Scheidingen ein großes Problem: Zu Beginn der Corona-Krise hatte die Auszubildende zur Bäckereifachverkäuferin keine Betreuung mehr für ihren eineinhalbjährigen Sohn John Theo.

Die Tagesmutter aus Welver durfte den Jungen nicht mehr betreuen, eine Notbetreuung hat sie bis heute nicht in Anspruch nehmen können. Nun muss sie wieder zur Schule ins Börde-Berufskolleg, weil sie kurz vor der Prüfung steht. Für einen Unterrichtstag und zwei Prüfungstage braucht sie dringend eine Lösung, wo sie ihren Sohn unterbringen kann. 

Kreis Soest reagiert auf Hilfegesuch

Hilfe ist endlich in Sicht. „Es zeichnet sich ab, dass die bisherige Tagesmutter das Kind aufnimmt“, heißt es auf Anzeiger-Anfrage vom Kreis Soest.

Annika Beckmann lobt ihren Ausbildungsbetrieb, die Bäckerei Niehaves: Der Betrieb habe immer super reagiert, man sei dort sehr flexibel gewesen. Und sie habe in die Filiale in Hamm, in der sie arbeite, immer dann kommen können, wenn sie eine Betreuung für ihren Sohn hatte. Teilweise habe sie auch in anderen Filialen arbeiten können. Das gelte immer noch.

So lange die Schule – sie besucht den Abschlussjahrgang für ihren Ausbildungsgang im Börde-Berufskolleg und steht kurz vor den Prüfungen – geschlossen hatte, habe es immer eine Lösung gegeben. Teilweise helfen die Großeltern, die aber selbst noch voll berufstätig seien, so Beckmann. Der Vater des Jungen könne nicht wirklich helfen, da er im Drei-Schicht-System arbeite und sich seine Kurzarbeitstage nicht aussuchen könne.

Es besteht Schulpflicht

Seit zwei Wochen nun startete die Schule für sie dienstags wieder, eben weil sie in drei Wochen ihre Abschlussprüfungen vor sich hat. Zudem bestehe ja auch Schulpflicht, so Annika Beckmann. Sie kontaktierte das Kreisjugendamt, um eine Notbetreuung für die genannten drei Tage für den Sohn nachzufragen. Wie Annika Beckmann sagt, habe sie dort die Auskunft bekommen, dass das nicht möglich sei, da ihr Beruf nicht systemrelevant sei. Ebenfalls beim Kreisjugendamt in Soest angerufen haben ihre Tagesmutter und eine Lehrerin, die sich für sie eingesetzt haben. „Mir hilft keiner“, meint die junge Mutter, die noch keine Antwort erhalten hat. Sie habe schon vor den Osterferien nachgefragt beim Jugendamt und als die Schule wieder begonnen habe, sogar verstärkt – bisher ohne Erfolg.

Neue Regeln in der Betreuung

Die Kindertagespflege – Tagesmütter und -väter – nimmt analog zu den Kindertagesstätten ab heute wieder mehr Kinder auf. Mit einer gültigen Erweiterung der Landesregierung werden Vorschulkinder von Eltern mit Sozialleistungsbezug sowie über Zweijährige in der Tagespflege hinzukommen. Normalbetrieb soll es erst Mitte Juni wieder geben, heißt es von der Landesregierung. In der Stadt Soest haben Tagesmütter -und väter in den vergangenen Tagen bereits wieder 67 Kinder – von insgesamt 180 zu betreuenden Kindern – betreut, erklärt Thorsten Bottin von der Stadt Soest.

Kreissprecher Wilhelm Müschenborn weist darauf hin, dass Familienminister Joachim Stamp (FDP) bis zu einem Regelbetrieb Elternzusammenschlüsse auf privater Basis empfiehlt.

Die junge Mutter aus Scheidingen hatte die Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin nach der Geburt ihres Sohnes in Teilzeit wieder aufgenommen, eine gute Lösung, um diese abschließen zu können, meint sie.

Quelle: Soester Anzeiger

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