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Nach sieben Monaten: Corona-Testzentrum zieht aus Welver-Scheidingen ab

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Von: Dirk Wilms

Ralf Wischnewski hat vor sieben Monaten das Testzentrum in Scheidingen eröffnet; jetzt packt er mit seinem Team seine sieben Sachen wieder zusammen. Im Bedarfsfall kann er jedoch rasch wieder zurückkehren.
Ralf Wischnewski hat vor sieben Monaten das Testzentrum in Scheidingen eröffnet; jetzt packt er mit seinem Team seine sieben Sachen wieder zusammen. Im Bedarfsfall kann er jedoch rasch wieder zurückkehren. © Dirk Wilms

„Da werden sicher ein paar Tränen fließen!“ Ralf Wischnewski fürchtet, dass ein paar Taschentücher gezückt werden, wenn es am Sonntag heißt, Abschied zu nehmen. Denn nach sieben Monaten wird das Testzentrum in der Scheidinger Schützenhalle schließen.

Welver-Scheidingen - „Ich habe die ganze Truppe lieb gewonnen“, schwärmt der 59-Jährige von seinen Mitarbeitern, die seit dem Start am 11. März den Betrieb möglich gemacht haben.

15 Personen hatte Wischnewski für das Testzentrum in Scheidingen rekrutiert, insgesamt 68 an all seinen Standorten, von einer Apothekerin über Studenten bis hin zu Abiturienten. „Sie haben fast alle einen medizinischen Hintergrund“, ist der gelernte Notfallsanitäter heilfroh, dass er mit Fachpersonal in Scheidingen aufwarten konnte. Schließlich wollte auch das Einführen der Teststäbchen in Rachen oder Nase gelernt sein.

Wischnewski, der als Geschäftsführer der Firma EHS-Management das Testzentrum in Scheidingen, aber auch Einrichtungen in Soest sowie in Möhnesee und Warstein betreibt, war über die Aktion „Herzliches Welver“ mit der Gemeinde in der Niederbörde in Kontakt gekommen, hatte seinerzeit Defibrillatoren in etlichen Ortsteilen eingerichtet. Daher war ihm Bürgermeister Camillo Garzen als damaliger Beigeordneter bekannt.

Fünfstellige Zahl

„Garzen hatte meine Idee sofort begrüßt, in der Gemeinde Welver ein Testzentrum zu eröffnen“, erinnert sich Wischnewski an die ersten Gespräche zu Jahresbeginn. Schnell war der Kontakt zu den Scheidinger Hubertus-Schützen hergestellt. „Das lief ausgezeichnet. Johannes Plattfaut und seine Leute waren sehr hilfsbereit und zuvorkommend, haben sich mit Ideen eingebracht. Das war ein Geben und Nehmen“, lobt er die Kooperation mit der Schützenbruderschaft.

So konnte in einer Woche ab dem 3. März in der Schützenhalle das Testzentrum eingerichtet werden, wo seither ein satte fünfstellige Zahl an Tests durchgeführt worden ist. „Wir haben damit unseren Beitrag dazu geleistet, dass wir in unserer Region die Pandemie ganz gut im Griff hatten. Das war an etlichen Tagen aber auch sehr stressig, wenn ganz großer Andrang herrschte“, zieht Wischnewski den Hut vor der Leistung seiner Mannschaft, zumal die Kräfte die gesamte Schicht mit Kittel und Maske zu absolvieren hatten.

Test für Schüler

Ralf Wischnewski bietet mit seiner Firma EHS-Management in Kooperation mit der Gemeinde Welver am letzten Wochenende der Herbstferien eine kostenlose Testmöglichkeit für Mädchen und Jungen an, die zur Schule gehen. Auf dem Marktplatz in Welver wird das Testmobil platziert, sodass die Schüler nach ihren Ferien getestet werden können, um nicht möglicherweise am Montag darauf infiziert in die Schule zurückzukehren.

„Wir haben Leute getestet von drei bis 93“, macht er die große Bandbreite der Altersklassen deutlich, die sich auf den Weg in die Scheidinger Schützenhalle gemacht haben. „Wir hatten auch Leute aus Rhynern“, kamen die Testwilligen nicht nur aus Welver und dem Kreis Soest. Zuletzt aber ließ die Nachfrage nach, seit die meisten Menschen zweifach geimpft sind. „In den letzten acht Wochen hatten wir noch ein Zehntel der Buchungen im Vergleich zu den Zeiten mit den meisten Tests“, lässt Wischnewski durchblicken.

Vielleicht kommen dann auch noch einmal die vier älteren Damen vorbei, die der Belegschaft über die gesamten Monate so ans Herz gewachsen sind. „Jedes Mal, wenn sie zum Testen gekommen sind, haben die Omis Kuchen, Plätzchen oder Schokolade mitgebracht“, begeistert sich Ralf Wischnewski für die beinahe familiäre Atmosphäre in der Scheidinger Schützenhalle.

Betrieb nur ruhend

Ärger gab es so gut wie nie. „Zu 99,9 Prozent ist es gut gelaufen. Nur als der Betrug in anderen Testzentren herauskam, kamen einige blöde Sprüche. Das waren aber Einzelfälle, da haben meine Mitarbeiter gut reagiert“, betont der Anröchter, der nicht in Abrede stellt, dass er durch die Pandemie auch profitiert hat. „Doch in erster Linie war es eine soziale Aufgabe für uns!“

Bis Sonntag (10. Oktober) um 18 Uhr kann das kostenlose Impfangebot in Anspruch genommen werden, dann schließen die Türen der Schützenhalle; jedenfalls für diesen Zweck. Und das womöglich auch nur vorläufig. „Wir schließen nicht, sondern stellen den Betrieb nur ruhend“, erläutert Wischnewski. „Wir lagern das Material ein, könnten aus dem Stand wiedereröffnen“, ist er für den Fall gewappnet, dass eine fünfte Welle über das Land schwappen sollte. Bedenken hat er diesbezüglich wegen der Soester Kirmes…

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