Carsharing will in Welver einfach nicht auf Touren kommen

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Fahrzeugübergabe für das neue Car-sharing: So fing alles an: Jochen Bock (rechts) überreicht den Schlüssel für den Fiesta an Bürgermeister Uwe Schumacher. Doch bis heute ist die Fahrzeugausleihe eher die Ausnahme denn die Regel.

Welver – Ein Renner ist Carsharing auf dem Land nirgendwo. Doch im Gegensatz zu Soest und Sassendorf, wo es ebenfalls solche Autoausleihen für jedermann gibt, tut sich das Projekt in Welver besonders schwer. Die Zahl der Fahrten pro Monat lassen sich an einer Hand abzählen.

Doch der Optimismus, auf das richtige Pferd gesetzt zu haben, ist bei Tim-Fabian Römer ungebrochen. Der Fraktionschef der Bürgergemeinschaft (BG), die das Projekt vor anderthalb Jahren forciert hat, sagt: „Carsharing ist auf jeden Fall zukunftsträchtig – ob auch für Welver, das ist die Frage.“ Offensichtlich sei das Thema in vielen Vereinen und in der Bevölkerung noch nicht so recht angekommen.

Die Konditionen, sprich Preise, stimmen, meint Römer, es müsse nur mehr für das Carsharing getrommelt werden. Nicht mal jeder Ortsvorsteher kenne das Modell. Im Gemeinderat, findet der BG-Ratsherr, seien inzwischen „alle überzeugt“. Statt grundsätzlicher Einwände wie zu Beginn würde heute nur noch um Details gerungen: Wo zum Beispiel wäre der optimale Stellplatz für das Mietauto für jedermann? 

Seit dem Start steht es in Bahnhofsnähe. Sollte die Bahnstation demnächst umgebaut werden, sollen unmittelbar an den Bahnsteigen ein oder zwei Plätze für Mietautos angelegt werden. 

Jochen Bock vom Soester Ford Center, der die Carsharing-Autos stellt, sagt: „Bei mir schlagen zwei Herzen in einer Brust.“ Er sei überzeugter Anhänger der Auto-Teilen-Idee, doch als Geschäftsmann müsse sich so ein Vorhaben nach gewisser Anlaufzeit auch mal rechnen. „Ich brauche eine gewisse Auslastung der Fahrzeuge.“ Doch genau mit der hapere es. 

Gemeinsam mit der Welveraner Wirtschaftsförderung suche man nach einem Konstrukt, den Wagen mehr ans laufen zu bekommen als nur für die „zwei bis drei Einsätze im Monat“. Abgesehen von mehr Werbung könnten sich Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung für Dienstfahrten den Ford-Fiesta leihen. 

„Wir haben tatsächlich in die Richtung gearbeitet“, sagt Wirtschaftsförderer Detlev Westphal. Wer also zum Auswärts-Termin muss und nicht auf einen der beiden gemeindeeigenen Dienstwagen zugreifen kann, sollte lieber das Leih-Auto nehmen als den Privat-Pkw. Doch recht angekurbelt hat das die Nachfrage nicht. In aller Regel reichen in Welver wohl die beiden eigenen Dienstwagen.

Westphal macht zudem die Rechnung auf: Wenn ich mit dem Carsharing-Wagen nach Soest zu einer dreistündigen Besprechung in Kreishaus will, übersteigen die Kosten durch die Stunden-Ausleihe den Preis für den Privat-Pkw, bei dem nur Kilometer-Geld abgerechnet wird. „Am Ende entscheiden nun mal Angebot und Nachfrage“, sagt Westphal. 

Gut möglich, dass es vielleicht doch nur ein Versuch war, das Thema Mobilität in Welver auf neue Beine zu stellen. Zum Angebot gehöre eben auch: Wer mit dem Auto fährt, muss es nach der Tour immer wieder zum Ausgangspunkt am Bahnhof zurückbringen. Auch dies schränke die Nutzungsmöglichkeiten ein.

Quelle: Soester Anzeiger

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