Stichwahl

Camillo Garzen wird Bürgermeister: Welver wählt den Fachmann - Bescheidenheit statt Euphorie

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Große Erleichterung und gelockerte Stimmung: Camillo Garzen nahm das Ergebnis unter Beifall von Udo Stehling (SPD, links) und Cornelia Plaßmann (Grüne, rechts) auf.

Es war ein Wechselbad der Gefühle mit Happy End für Camillo Garzen. Mit fast 56 Prozent ist der 51-Jährige zum neuen Bürgermeister von Welver gewählt worden und löst damit seinen bisherigen Chef Uwe Schumacher ab.

Welver-Schwefe - Dem Beigeordneten und Kämmerer der Gemeinde fiel ein riesiger Stein vom Herzen, als das Ergebnis offiziell feststand. Befreit streckte er seine geballte Faust in die Luft, ehe die ersten Umarmungen und „High fives“ folgten. Der Applaus in der Gaststätte Hillefeld in Schwefe ließ die Anspannung weichen. Nur wenige Momente später klingelte das Telefon, der erste Gratulant: Kay Philipper (Fraktion Welver 21). Glückwünsche kamen auch von Tim-Fabian Römer von der BG. 

Für ein paar Minuten ist Camillo Garzen dann verschwunden – weitere Anrufe. Als er den Raum wieder betrat, gab es noch einmal einen kräftigen Applaus. Dabei war es zuvor lange Zeit streng verboten, zu klatschen: Bei jedem gewonnen Wahlbezirk, der ausgezählt und dessen Ergebnis verkündet wurde, gab es vereinzelt Applaus. Vor allem einer Person gefiel das so gar nicht – Monika Korn. Die FDP-Fraktionschefin und Ortsvorsteherin mahnte immer wieder: „Nicht klatschen, noch ist nichts gewonnen!“ 

Erste Gratulantin war Monika Korn (FDP), die dem Sieger auch gleich einen Blumenstrauß überreichte.

Genauso vorsichtig, bescheiden und nachdenklich verhielt sich Camillo Garzen. Kurz vor der Schließung der Wahllokale um 18 Uhr wirkte er nervös. Zugeben wollte er das aber nicht: „Jetzt kann ich sowieso nichts mehr ändern. Ich bin mir sicher, dass wir alles gemacht haben, was möglich war.“ Viel aufgeregter waren die Parteimitglieder von SPD, Grünen und FDP. Während Garzen mit verschränkten Armen ganz ruhig und selbstsicher vor der Leinwand stand, waren vor allem Udo Stehling (SPD) und Cornelia Plaßmann (Grüne) sehr gespannt, gingen zwischenzeitlich auf und ab. 

Um 18.20 Uhr dann das erste Ergebnis: 68 Prozent in Nateln. Garzens Blick wandert aufs Handy – ganz neutral. Auf der Zielgeraden, als allmählich klar war, dass Garzen das Rennen macht, sprach er zum ersten Mal über die anstehende Zeit als Bürgermeister: „Es geht mir darum, in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren etwas zu bewegen.“ 

Zwischendurch kamen auch schlechte Nachrichten. Konkurrent Thorsten Teimann hat vier Stimmbezirke gewonnen, in Flerke mit 60 Prozent sogar deutlich. Wie Garzen auf den kleinen Rückschlag reagierte? Er nahm es zur Kenntnis: „Na gut.“ 

Garzen punktet im Zentralort 

Fünf der sechs Welveraner Bezirke gingen an Garzen. Das war der Knackpunkt, da kam die gestreckte Jubel-Faust. Der Erfolg komme nicht von ungefähr: „Wir haben in den zwei Wochen noch einmal richtig Musik gemacht und unsere Leute mobilisiert, so wie Teimann auch. Ein Lob dafür.“ 

Ab 18.35 Uhr war der Vorsprung zu groß für Understatement. „Das sollte reichen.“ Er sei erleichtert, dass der Wahlkampf endlich vorbei ist. „Das war zwar ermüdend, hat sich am Ende aber gelohnt. Und jetzt geht die Arbeit erst richtig los.“ Besonders stolz war Garzen auf die hohe Wahlbeteiligung (fast 57 Prozent): „Ich bin froh, dass wir so viele an die Urne bekommen haben. Respekt an die Bürger.“ Er hätte ein knapperes Ergebnis erwartet und vermutet, dass es gegen Karl-Heinz Ricken noch enger geworden wäre: „Welver wollte Kompetenz, Welver bekommt Kompetenz.“

 In der abschließenden Rede sagte der strahlende Sieger: „Das haben wir gemeinsam geschafft. Wir haben mehr gemacht, als uns zugetraut wurde. Ab jetzt werde ich die Politik und die Verwaltung fordern.“ Auf die Frage, wie lange die Party noch dauern soll, antwortete er nüchtern: „Bis alle Getränke leer sind.“

Quelle: Soester Anzeiger

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