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Vogelstange bleibt unter dem Abdach

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Von: Dirk Wilms

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Christoph Güttmann, Karl-Wilhelm Hillefeld und Dirk Baimann (von links) schauen trotz Schützenfest-Absage positiv in die Zukunft.
Christoph Güttmann, Karl-Wilhelm Hillefeld und Dirk Baimann (von links) schauen trotz Schützenfest-Absage positiv in die Zukunft. © Wilms, Dirk

Schwefe – Die Vogelstange liegt seit dem vergangenen Oktober unter dem Abdach der Schwefer Schützenhalle unter Schmitz Eichen. Dort hatten fleißige Helfer den einstigen Telegrafenmasten im Herbst einer Generalüberholung unterzogen. Das Metallgerüst mit einem Sandstrahl-Gerät vom Rost befreit, einen Voranstrich und den grünen Lack aufgebracht. Schließlich sollte die Stange glänzen beim Schützenfest 2021.

Doch daraus wird nichts. Nach dem Ausfall des größten Festes im Dorf im vergangenen Jahr haben die Schwefer Schützen auch für dieses Jahr die Notbremse gezogen. Das Schützenfest 2021 fällt aus. „Es würde keinen Sinn machen, ein Fest mit Abstand zu feiern“, betont Kassierer Christoph Güttmann. Selbst wenn es die Verordnung des Landes zulassen würde, wäre eine Feier mit mehreren hundert Leuten im Zelt unter Schmitz Eichen undenkbar.

„Nach sechs, sieben Bier würde auch niemand mehr an Abstand denken“, ergänzt Karl-Wilhelm Hillefeld, der 1. Vorsitzende. „Und die Hälfte würde sicher keine Masken mehr tragen“, wirft Geschäftsführer Dirk Baimann beim Ortstermin an der Schützenhalle ein. Dazu käme noch das Problem mit den Gläsern.

„Wir müssten ja auf Flaschenbier umstellen. Das wären rund 450 Kisten Bier“, rechnete Güttmann rasch aus, waren doch 2019 etwa 35 Hektoliter durch die Zapfhähne gegangen.

Damals, vor fast zwei Jahren, hatten die Schwefer Schützen ihr Fest erstmals an nur zwei Tagen gefeiert. An Himmelfahrt war Vogelschießen, am Samstag darauf Abholen des Königspaares mit Parade und abendlicher Feier im Zelt. „Das ist super angekommen, wir hatten eines der besten Feste der vergangenen Jahre“, erinnert sich Hillefeld.

Daran können sie nun erneut nicht anknüpfen, zumal neben den Abstandsregeln und weiteren Schwierigkeiten vor Ort auch die Vorbereitung gar nicht machbar wäre. „Die Blasmusik hat seit einem Jahr nicht mehr geübt, die könnte ja nicht aus dem Stand auftreten“, erläutert der 1. Vorsitzende. Sein Geschäftsführer weist darauf hin, dass das Zelt beim Verleih nicht bestellt werden könne, wenn nicht klar sei, ob ein Fest erlaubt werden würde.

„Mir tun die Firmen leid“

„Mir tun die Firmen leid, die davon leben“, blickt Hillefeld auch auf den Festwirt und den Caterer. „Der Lippstädter Zeltverleih hat umgesattelt, setzt seine Lkw jetzt als Transportfahrzeuge ein“, weiß Baimann. Der Caterer aus Ahlen macht in „Essen auf Rädern“. Damit sei aber nur ein Bruchteil des Umsatzes zu erzielen. „Ich bin selber Unternehmer, würde nachts kein Auge mehr zu kriegen, wenn ich in dieser Situation wäre“, bedauert Hillefeld die Betroffenen.

Die Lage des Vereins hingegen bereitet den Vorstandsmitgliedern, die mit Reinhard Vieregge noch den 2. Vorsitzenden in ihren Reihen haben, keine schlaflosen Nächte. „Wir nehmen einen Jahresbeitrag von 15 Euro“, erläutert Kassierer Güttmann. Damit würde in der Regel die Jahreshauptversammlung finanziert, bei der die Mitglieder zu Schnitzel und Bier eingeladen sind.

Das fällt jetzt flach, sodass die Finanzen nicht belastet werden. Da zudem die etwa 300 Mitglieder dem Verein die Treue halten, gibt es durch die zweite Absage des Schützenfestes keine existenziellen Probleme. „Wir haben uns zuletzt eher Sorgen gemacht, dass der Eichenprozessionsspinner unsere Eichen befällt“, weisen die obersten Schwefer Schützen auf ein ganz anderes Problem hin.

Dagegen werden sie vorbeugend vorgehen, in dem sie Vogelhäuschen aufstellen, in denen Meisen nisten können, die den Prozessionsspinner gern auf ihre Speisekarte setzen. Arbeit wird es also auch ohne Schützenfest geben. „Wenn wir uns nicht so frühzeitig für die Absage entschieden hätten, würde die Vogelstange längst wieder stehen. Doch wir dürfen aktuell ja gar keine Arbeitseinsätze mit vielen Helfern machen“, erläutert Hillefeld.

Möbel vom Finanzamt

Sobald wie möglich aber wollen sie im Frühjahr ans Werk gehen, dem Laub zu Leibe rücken, die Stange aufstellen. Hallenwart Christian Hillefeld wird sich um das Gebäude kümmern, Walter Görtz den Rasenmäher zum Einsatz bringen. Dann können im Innenraum die neuen Tische und Stühle sortiert werden. „Sie sind vom Finanzamt aussortiert worden. Da haben wir uns beworben und als gemeinnütziger Verein den Zuschlag bekommen“, freut sich Geschäftsführer Baimann.

Vielleicht können sie im Herbst erstmals zum Einsatz kommen. „So etwas wie ein Dorffest haben wir im Hinterkopf“, will der 1. Vorsitzende nicht ausschließen, dass eine Feier in kleinerem Rahmen noch in diesem Jahr stattfinden kann. Ein Schützenfest wird es aber ebenso nicht geben wie die Vereinsmeisterschaften, das Kinderschützenfest, die Rechnungslage oder das Biwak vom Kriegerverein.

Bleibt den Schwefer Schützen nur die Hoffnung auf 2022. Hillefeld: „Fünf Jahre darf das Vereinsleben nicht ruhen. Dann würden wir es nur schwer wieder in die Gänge kriegen.“

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